Das große Tochterkind hat seit einigen Jahren eine Brille. Das schlimmste, das ihr – als sie kleiner war – mal passiert ist: eine Schraube war locker. Und – uh! was war das für ein Drama. Die Brille wird täglich geputzt und wohlbehütet.
Das Mottenkind trägt seit letztem Jahr eine Brille und ich muss jeden Tag mit der Zange dran. Total windschief, Schrauben lose, Glas raus, Bügel verstellt. Ich weiß nicht genau, WAS sie mit dem Ding macht, aber wenn sie mittags aus dem Kindergarten kommt sieht die Brille aus als hätte man sie durch den Dreck gezogen, wäre drauf herumgehüpft, als hätten sich alle ihre Freunde der Reihe nach einmal erst mit dem Hintern draufsetzen dürfen und hinterher noch daraufgekniet. Erzieherinnen und Motte beteuern, dass die Brille die GANZE Zeit auf Mottenkinds Nase ist. Ich hege da Zweifel.
Beide Kinder tragen extra strapazierfähige Kinderbrillen, die sauteuer laut Hersteller unkaputtbar sind.
Am Freitag fiel dem Mottenkind beim Mittagessen im Kindergarten auf, dass ein Glas fehlt. Rausgefallen, kann ja mal passieren, erklärten mir die Erzieherinnen mit lässigem Gesichtsausdruck, als sie mir eine Art Metallskulptur überreichten. Ich starrte fassungslos auf das Metallevent mit einem Glas in meiner Hand. Das könnte mal die Brille meines Kindes gewesen sein. Meine Fassungslosigkeit wurde nicht geteilt. „Bisschen verbogen“.
Ich atmete hörbar ein und aus.
Der Mann, drei Kinder und ich suchten den Kindergarten-Garten und den gesamten Kindergarten nach dem Glas ab – nichts. Ich durchwühlte Spielzeugkisten und wandte meinen spezial-Motten-Trick an: „Motte? Nehmen wir mal an, der Brille ist aus Versehen was passiert. Das ist ja nicht schlimm, ne?“
„Hmhmm, Mami.“
„Und vielleicht kannst du mir ja erzählen, was da aus Versehen passiert ist.“
Ich lag bäuchlings quer unter einem Basteltisch, als sie anfing: „Ja. Also. Aus Versehen hab ich die Brille kurz abgesetzt. Und dann hab ich aus Versehen draufgehauen so fest ich konnte.“
Ich stöhnte verhalten und atmete ein paar Staubflusen ein und aus. Immer ruhig bleiben. Ein bisschen Lego lag unter der Heizung und ich schob es durch einen kleinen Sandhaufen.
„Und dann, Motte?“ – „Ja, also dann war sie aus Versehen ganz verbogen. Ich hab sie dann wieder aufgesetzt. Das wackelte aber nur ein bisschen! Und dann hab ich beim Mittagessen bemerkt, dass ein Glas fehlt.“ Ich schnaufte innerlich noch ein wenig empört vor mich hin bevor ich mich unter dem Tisch hervorquälte. Die Suche blieb erfolglos. Auch die Putzfrau fand nichts, wie wir gestern erfuhren und so machen wir uns heute auf den Weg zum Optiker und suchen zusätzlich zu dem neuen Glas vermutlich eine neue Brille aus.
Die Möglichkeit einer Reparatur bezweifle ich noch.