Räuber mit Sandalen

„Mami, Mami!“, brüllt der Kobold heute durch den Garten.

Ich wage einen Blick durch die Gartenküchentür nach draußen und bemühe mich, nicht loszuschreien.

Der Sohn hat das gelbe Springseil der Motte dazu benutzt, sie zu fesseln und hinter sich herzuziehen. Blätter und Äste haben sich in ihren langen Haaren verfangen und überall klebt Dreck an ihr.

In der Hand hält der Kobold einen dicken Knüppel, den er bedrohlich über ihrem Kopf schwingt.

Ich bin ja schon was länger Mutter und atme erstmal, da das Mottenkind weder schreit noch weint.

„Ja, Kobold?“

„Wir spielen ein neues Spiel! Das spielen wir auch immer in der Schule! Weißt du, wie das heißt?“

„Nein, wie denn?“

„Räuber und Sandalen!“

Ich bemühe mich, nicht laut loszukichern und verbessere: „Du meinst Räuber und Gendarm, Spätzchen.“

„Räuber und was?“

„Räuber und Gendarm, Kobold, so heißt das. „Gendarm“ kommt aus dem französischen und bedeutet…“

„Nein. Mami.“ Er blickt mich augenrollend an. Entnervt beginnt er mit seiner Erklärung: „Das heißt „Räuber und Sandalen“. Und das geht so: Es gibt Räuber und Polizisten. Die Polizisten müssen die Räuber fangen. Ich bin ein Polizist und Motte ist ein Räuber. Ich hab sie jetzt gefangen und bringe sie ins Gesindehaus. Das ist das Gefängnis.“

„Hmhm.“, mache ich. „Und die Sandalen?“

„Was?“

„Na, wenn es Räuber und Sandalen heißt, was haben die Sandalen damit zu tun?“

„Oarrr, Mami. Glaubst du, die tragen jetzt Winterstiefel? Ist doch so warm. Darum Sandalen.“

[Ah.]

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