Agonie [Frieden]

Noch vor einigen Jahren hätte ich nicht einmal eine Sekunde gezögert.
Jung, muskulös, intelligent, charismatisch, gutaussehend.
„Eine Nacht nur…“, flüstert er heiser, als ich mich von ihm verabschiede und ihm alles Gute wünsche.
Die Lust auf fremde Haut war immer da. Immer lockte das Verbotene, das Aufregende, das, was zuhause nicht zu finden war.
Große Schwänze, andersfarbige Haut, fremde Kultur, Leidenschaft, Spiel, Lust…
Er ist ein Welpe. 15 Jahre sind es und ich würde lügen, wenn ich sagte, ich wäre nicht geschmeichelt. Bin ich. Mehr als nur das.
Es gab Zeiten, da hätte ich ohne zu zögern zugegriffen. Habe ich.

Ich bin in bislang jeder Beziehung fremdgegangen.
Ohne Reue.
Das Leben ist kurz. Viel zu kurz.
Ich habe mir geschworen, auf meinem Sterbebett nur einen einzigen Satz zu sagen:

Ich bereue nichts.

Das muss man allerdings auch leben.
Man muss es sich trauen – jenseits aller Moral, aller Bedenken, aller anerzogenen Werte sein eigenes Bedürfnis zu erkennen.
Und dazu Ja sagen.
Ob ich alt geworden bin, fragte ich mich, als ich in diese hellen jungen blauen Augen sah und leise lächelnd ein letztes Mal den Kopf schüttelte.
Ich fand die Antwort heute erst Stunden später, als mein eigener Mann von der Arbeit nach Hause kam, mich wie jeden Tag seit 8 Jahren besitzergreifend packte, mich küsste und ich die Härte und Erregung seines Körpers an meinem spüren konnte.

Alles wonach ich mich jemals gesehnt habe vereint dieser Mann auf sich und ich darf ihn besitzen und gehöre ihm.

Nein. Ich bin nicht alt geworden.

Ich bin angekommen.

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