Wenn man genau weiß, dass man ausgenutzt wird und sich mit diesem Umstand arrangiert, weil es unterm Strich das Richtige ist, das man tut, wird man dann noch ausgenutzt? Ich habe in den vergangenen zwei Wochen vieles gelernt und empfunden.
Dankbarkeit, vor allem.
Für mein Leben.
Meinen Mann.
Meine Kinder.
Unser Miteinander, das so frei von Gedankengift ist.
Ich habe einen Teil meines Herzens verloren.
An den kleinen Jungen, der knapp drei Jahre alt ist und am ersten Tag sein Schnuffelkissen nahm und dachte, wir würden alle auf dem Sofa schlafen. Weil in diesem Raum der Fernseher steht und er noch nie ohne fernsehen eingeschlafen ist. Der dann abends mit dem Maine Coon Kater meiner Tochter, der genauso groß ist wie er, gemeinsam auf einer Matratze lag – Kuschelkissen und Flasche in der Hand – und zu den Klängen der Stimme meines Mannes, der eine Geschichte vorlas, langsam eingeschlafen ist.
Der jeden Morgen beim Wecken die Augen einfach aufschlug, in einer komplett fremden Umgebung aufwachte und mich anlächelte. Einfach so. Der beim Abholen aus dem Kindergarten vor Freude laut juchzte und sich in meine Arme warf, als wäre das alles einfach immer schon so gewesen.
Und ich habe einmal mehr erfahren, dass die Gier und die Missgunst und die Niederträchtigkeit und die Unverschämtheit der Menschen unendlich ist.
Bleibt die Frage, welche dieser Erfahrungen ich in meinen Rucksack stecke und auf meinem weiteren Weg mitnehmen werde.
Scheidewege.