Was gestern noch so gut aussah, zeigt heute, eine Nacht später, sein wahres Gesicht. Jetzt werden alle verlieren.
Was soll ich den Kindern wünschen?
Vielleicht so wenig Kollateralschäden wie möglich.
Land unter.
Was gestern noch so gut aussah, zeigt heute, eine Nacht später, sein wahres Gesicht. Jetzt werden alle verlieren.
Was soll ich den Kindern wünschen?
Vielleicht so wenig Kollateralschäden wie möglich.
Land unter.
Ich bin die Falsche, denke ich unablässig, als mein Name vor Gericht als zuverlässige beständige Betreuungsperson für dieses Kind genannt wird.
Ich kann das nicht.
Zu viel Druck, zu viel Verantwortung, zu viel Verpflichtung.
Wer A sagt, muss auch B sagen.
Ich will das nicht.
Du hast gesagt, dass du da bist, hämmert es in meinem Schädel.
Alles verschwimmt zu einer verworrenen Suppe aus Schuldgefühl, Verantwortungsgefühl und Annahme einer Lebensaufgabe.
So hatte ich es mir nicht vorgestellt.
Aber das Leben hat wohl erst mal andere Pläne. Scheiße.
Wir sitzen uns gegenüber, die Tür ist zu, wir haben leidenschaftlich diskutiert, gearbeitet und gelacht. Ein Moment mit dem Höchstmaß an Intimität, das zwei einander fremde Menschen erreichen können.
Ich will.
Ich will sie sehen können.
Das Verlangen ist geradezu unbändig, diesen Menschen kennenlernen zu dürfen.
„Die Maske, die du trägst, ist perfekt. Wäre sie nicht so vollkommen, hätte ich sie wohl gar nicht sehen können.“, flüstere ich leise und sehe ihr in die Augen.
Es flackert. Aber nur kurz. Sekundenbruchteile.
Ich habe diesen Augenblick so oft schon erlebt.
Jetzt entscheidet es sich.
Sie blickt mich an. Ganz direkt, offen. Die Maske sinkt.
Ein Blick wie Stahl.
„Ich will das so.“, sagt sie mit einer Sanftheit in der Stimme, die von dem Ausdruck ihrer Augen Lügen gestraft wird.
Ich sehe nichts mehr.
Ich senke den Blick und neige den Kopf leicht zur Seite als Zeichen meines Respekts und Rückzugs.
Sie nickt.
Ich nicke.
Alles ist wie vorher.
Ich will nicht über Depressionen schreiben.
Nicht über Missbrauch.
Nicht über Folter.
Nicht über Traumata.
Über Flashbacks.
Nicht über Kinder.
Beziehung.
Zweifel.
Nicht über Hass.
Nicht über Leid.
Über Frust.
Über Wut.
Über Verzweiflung.
Oder Hoffnungslosigkeit.Aber wie könnte ich diese Dinge ausklammern, wollte ich über mich selber schreiben?
So sehnsüchtig zur Zeit wieder nach einem normalen Leben.
Nach normalen Maßstäben.
Nach Norm.
Nach Führung.
Ich will anerkannt werden.
Gesehen.
Gehört.
Ich will hinausschreien, was in mir gärt, immer und ewig.
Wovon ich nicht wegkomme, weil die Saat des Hasses so gründlich und grundlegend und allgegenwärtig in mir keimt.
Prägung.
Programm.
Trauma.
Das bin nicht ich, flüstert es.
Ich muss es nicht wiederholen, nicht aussprechen, nicht benennen, denn das bin nicht ich.
Und doch bin ich es.
Es ist ein Teil von mir.
Ungeliebt, ungewollt, unbenannt.
Ewiger unstillbarer Hunger nach Leid und Hass.
Meine Nemesis.
Wir bekommen heute Besuch von einem Kind, das nicht rennen, springen, hüpfen, toben, sich anstrengen, normale Nahrung essen, krabbeln oder sich körperlich zu intensiv mit irgendwas beschäftigen darf.
Ich habe mehrere Stunden medizinische Details mit der Mutter abgeklärt, habe Anweisungen bekommen, die an einen mehrtägigen Lehrgang erinnern und fühle mich irgendwie immer noch komisch.
Nicht, weil ich mir das nicht zutraue, sondern weil es so gar nicht unsere Welt ist. Meine Kinder können zwar je nach Vorliebe auch stundenlang lesen, am Tisch sitzen und basteln oder Spiele spielen, aber ich muss sie auch nicht daran hindern, wenn sie mal toben wollen. Ein quirliges vierjähriges Kind präventiv ruhig zu halten, damit sich eine Krankheit nicht verschlimmert, finde ich so unnormal wie es mir nur vorkommen kann.
Eine gewisse Grundunruhe verschwand heute Morgen, als mir eben dieses Kind im Kindergarten erklärte, dass heute wohl der allerschönste Tag sei, weil es uns besuchen dürfte.
Wird schon.
Wenn man bei der Formulierung seiner eigenen Bedürfnisse immer nur hört, dass man endlich aufhören soll, einen Menschen ändern zu wollen und doch endlich bitte einen Menschen so akzeptieren soll, wie er nun mal ist, dann hat man alles sehr gründlich falsch gemacht.
Wenn die Seele weh tut.
Traue mich nicht mehr, irgendetwas zu sagen, was als Anregung dienen und als Maßregelung oder Änderungsbestreben ausgelegt werden könnte. Bleibe stumm. So farblos, so leidenschaftslos. Es gibt Schuld, die schwerer wiegt als anderes.
Ich gehe mich dann mal um mein eigenes Leben kümmern.
Hast du dich gelangweilt?
Bin ich dir gerecht geworden?
Du mir?
Haben wir uns ein Versprechen gegeben?
Haben wir dies gehalten?
Habe ich dich enttäuscht?
War ich wichtig?
Mache ich einen Unterschied in deinem Leben?
Liebst du?
Mich?
Stumm.
Ich ganz persönlich finde es extrem bescheuert, wenn ich mit einem hell- und einem dunkelhäutigen Zweijährigen unterwegs bin und in der Eisdiele für das hellhäutige Kind kommentarlos ein verdammtes Eis bekommen kann und bei der Kugel Vanille für das dunkelhäutige Kind die lustig gemeinte Bemerkung hören muss: „Schoko und Vanille. Das passt ja.“ Geht es noch?
Warum macht sie nicht jedes Mal die umgekehrte Bemerkung, wenn eins meiner hellhäutigen Kinder eine Kugel Schokolade haben will?
Ich. verstehe. es. einfach. nicht.
Ein Sechs- bzw. zeitweilig Sieben- bis Neunpersonenhaushalt hat vier Tage ohne eine Geschirrspüle überlebt. Nicht etwa, weil wir mit der Hand abgespült oder soviel Geschirr hätten, sondern weil ich extrem verantwortungsbewusste mitdenkende Kinder habe, die auf jedes panische „Mach kein Geschirr dreckig, wenn du was isst!!!“ meinerseits verständnisvoll nur einen Apfel/ein Stück Schokolade/eine Scheibe Käse gegessen haben.
Ich gebe zu, der Mehrkinderbesuch am Donnerstag war kritisch, aber letztendlich finden es Kinder total super, wenn man drei Kilo Obst und Gemüse einfach auf eine riesige Platte schichtet und das Ganze mit in den Garten gibt. Und auch der Kobold hat nicht gemeckert, als er am Freitag sein Pausenbrot und Obst in einer Weihnachts-Cellophantüte mit Sternchen mitnehmen musste.
Also… kaum.
Gestern dann also mit einem Zusatzkind in die Stadt gefahren und eine neue Geschirrspüle gekauft. Die, die ich wollte, war natürlich nicht mehr auf Lager. Und auch nicht mehr lieferbar. Haha. Samstagabend und so.
Amüsiertes Lächeln beim Mann, helle Panik bei mir.
Bis mir einfiel, den Verkäufer zu fragen, ob ich denn genau diese hier, die dort stand, haben könne.
Jetzt. Sofort.
Er strich mal eben ein paar Zahlen vom Preis weg und nickte. Der Mann und er luden die Geschirrspüle ins Auto, während ich mit den Kindern so lange ein Eis essen ging.
10 Minuten später hatten wir alle Kinder, uns und eine niegelnagelneue Geschirrspüle im Auto und ich atmete auf.
Seit heute Morgen ist sie angeschlossen und wäscht gerade unfassbar leise die erste Ladung Geschirr (Wie STILL so eine Maschine sein kann… die Alte erinnerte mehr an Wasserflugzeuge bei der Landung).
Haushaltshimmel.
Wieviel geringer muss die Liebe sein, die wir unserem Partner entgegenbringen gemessen an der, mit der wir unsere Kinder lieben? Darf man Liebe aneinander messen? Ist Liebe mit Anspruch noch Liebe? Wir würden nie auf die Idee kommen, von unseren Kindern zu verlangen, dass sie nur uns lieben dürfen. Wir erfreuen uns an jedem neuen Menschen, der für sie wichtig und von Belang ist und von dem sie ebenfalls geliebt und geschätzt werden und breiten die Arme aus, weil wir doch wissen, dass Liebe mehr wird, wenn man sie teilt.
Wir würden sie nicht einsperren, ihnen keine Blicke verbieten, sie nicht bei uns behalten wollen, wenn sie bereit sind zu gehen. Im Gegenteil.
Wenn sie bereit sind, dann lassen wir sie los zum Fliegen und nicken weise in dem Wissen, dass sie uns verlassen müssen, um zu wachsen. Unsere Arme bleiben offen, immer in dem Versprechen, dass sie jederzeit zurückkehren können in die absolute Sicherheit, wenn sie das brauchen. Auch nur kurz, auch länger … auch gar nicht mehr. Liebe eben.
Und nicht einmal einen Bruchteil dessen gewähren wir unserem Partner.