„Wenn du wirklich solche Schmerzen hättest, dann würdest du deinen Alltag ja nicht so bewältigen können, wie du das tust.“
Stiche ins Herz, wenn solche Worte von einem vermeintlichen Gefährten kommen. Seelenwund. Lange Wochen, lange Monate. Immer halte ich den Mund, wenn es um diese Schmerzen geht, jene, die ich schon so lange trage und die mich so weit an den Rand meines Lebenswillens bringen. Ich ertrage stoisch jeden groß gefeierten Schmerz der einzelnen Familienmitglieder, wenn sie eine Wunde, ein verstauchtes Gelenk, einen schlimmen Schnupfen, ein was auch immer haben und ich tröste, Zuspruch gebe, halte, aushalte, ausharre, während jede Bewegung schmerzt. Jeder Gedanke am Tod klebt, weil das Leben so unlebenswert geworden ist.
Für mich bleibt keine Zeit. Keine Aufmerksamkeit. Ich halte zusammen, ich organisiere, ich leite und ich führe, ich muss stehenbleiben. „Du darfst dich auch mal fallen lassen“, spottet es in mein Ohr und ich spüre den Hass aufsteigen.
„Fallen lassen“, damit ist gemeint, dass ich am Wochenende mal ein Mittagsschläfchen machen kann.
Also schweige ich und bleibe stumm.
Schmerzhaft stumm. 5 Jahre Dauerschmerz. Bewegungseinschränkung. Stechende schreiende Schmerzen bei jedem Handgriff. Kreischende Gelenke, kaputte Muskeln, Nervenkrämpfe. Nur ein Arm, denke ich und mache weiter. Nur ein Scheißarm. Nicht einmal mein Hauptarm. Ich bin bei einer Mutter mit nur einem Arm aufgewachsen und nun stelle ich mich so an?
Möchte mich fallen lassen. Richtig. Kompromisslos.
„Wenn die Schmerzen wirklich SO stark wären…“
Es hämmert in meinem Kopf. Stell dich nicht an. Andere haben es schlimmer als du. STELL dich nicht so an.
Ich geh dann mal mein Leben aufräumen.