Mein Körper verändert sich.
Häutet sich, schält sich.
Ich bin eine große Frau und war das immer schon.
Breite Schultern, Muskeln, Kraft, Energie.
Lange Jahre durfte das niemand sehen, ich wollte nicht.
Mir zum Schutz, ihm zur Treue.
Ich wusste immer um meine Wirkung, wenn ich mich öffne.
Ich weiß um meinen Blick, ich weiß um die Macht, die ich besitze, wenn ich ihr erlaube, sich zu entfalten.
Die Neugierde, das Interesse, die Erregung und die Obsession der Männer an mir begleiten mich, seit ich ein Kind bin.
Früh habe ich gelernt, mit dem Feuer zu spielen. Brandwunden gehörten dazu. Immer.
Inzwischen besitze ich mehr Kontrolle über diese ungezähmte Wildheit, die mir früher reichhaltige Erfahrungen und Verletzungen bescherte, derer ich keine einzige missen möchte. Kann sie bedecken, verstecken, im Zaum halten, aber nicht leugnen. Und so spüren die Männer sie instinktiv, wenn ich mir erlaube, sie anzusehen. Nicht flüchtig, nicht beiläufig, sondern so, dass ich sie wahrhaftig sehen kann.
Ich erkenne den Moment, in dem sie innerlich zusammenzucken.
Und ich spüre, wie es ihnen in die Lenden schießt, etwas, das sie weder benennen können noch begreifen – nur fühlen.
Gestern hat er das bei einem anderen Mann das erste Mal ebenfalls gesehen, der dunkle Engel.
Und er hat seinen Besitzanspruch geltend gemacht, laut und unmissverständlich.
Der andere Mann blickte mich wissend an, lächelnd, leise.
Er hat mir gefallen, sonst hätte ich ihn nicht sehen lassen.
Unmerklich nickte er dem dunklen Engel zu und verlagerte das Gespräch und unser beider Kommunikation wieder auf eine höhere Ebene.
Sekundenbruchteile.
Zeitalter.