Als ich vor Jahren entschieden habe, mein virtuelles Ich auch in dieser Hinsicht aufzugeben, wusste ich nicht wirklich, was mich erwartet. Ich habe voller Enthusiasmus ein glattes, strahlendes öffentliches Ich erschaffen, das einige sehr markante Teile meines Wesens repräsentiert. Und mir war auch schnell klar, dass dort kein Platz ist für das zerklüftete Dunkle und Düstere, das einen sehr großen und erschreckend anderen Teil stellt, der gemeinsam mit dem Licht mein Ganzes formt. Natürlich war das erfolgreich. Ich kenne meine Stärken fast so gut wie meine Schwächen. Ich weiß, wie anziehend ich sein kann, wenn ich mich öffne. Kenne meine Verlockungen, sowohl die für Frauen als auch die für Männer.
Heute bricht mir schon am Morgen der kalte Schweiß aus, wenn ich darüber nachdenke, welchen Menschen ich unter Umständen in den nächsten Stunden begegnen werde. Wie ich lächeln und nicken werde. Meine Affekte unter Kontrolle halte. Wie mein Geist unbarmherzig jede noch so unwichtige Einzelheit speichern wird, jederzeit abrufbar und alles sich in Gehirn und Magen zu einem widerwärtigen Knäuel von Gedanken- und Wortfetzen ballt, das immer größer, faseriger und unverdaulicher wird, bis ich es – um nicht daran zu ersticken – einem Gewölle gleich erbrechen muss.
Hierhin.
Endlich wieder.