Winken

Der Kobold fährt auf Klassenfahrt. Ein paar Eindrücke.

Ein Vater prüft mit Daumen und Kennermiene den Luftdruck des hinteren Busreifens.

„Yo Alter! Hast du Sonnencreme mit für deine weißen Flecken? Wir wolln mal stabil ohne Hautkrebs braun werden!“
[Peergroup läuft.]

Mehrere knapp 2 Meter große Jungs tragen apricotfarbene Onesies, einer hat seine kleine Schwester auf dem Arm, einige Mädchen enthaaren gerade das Bein des Kobolds mit Kaltwachsstreifen, zur Begrüßung wird reihum gefistbumped.
[Klassengemeinschaft läuft auch.]

Ein Mädchen mit Krähennest auf dem Kopf, einem blauen Jogginganzug und einem Becher Kaffee in der Hand fällt aus dem Auto ihrer Eltern.
Ich liebe sie spontan.

Der Kobold bekommt indessen eine Flechtfrisur und eines der Mädchen fuhrwerkt ihm mit MakeUp im Gesicht herum.

Die obligatorischen Witze der Lehrer, die Ruhe zuhause doch zu genießen.
Einige nicken und strahlen.
Mehrkindeltern rollen müde mit den Augen.

Der Parkplatz sieht auch bemerkenswert aus: Es reiht sich Porsche an Porsche, mittendrin steht mein giftgrüner Elefant.
Der Kobold beim Ankommen: „Können wir mal irgendwo NICHT das auffälligste Auto haben?“
[Immerhin finde ich meines gleich spontan wieder.]

Der Rucksack eines Jungen wird von seinen Freunden durchsucht, alles ausgekippt.
Beim wieder Einräumen höre ich ein anerkennendes „Geil, Diggi. Keine Kippen. Du packst das! Wir ziehen das durch!“
[Ich habe das Bedürfnis, alle zu umarmen.]

Das Kaffeemädchen scheint wach zu werden. Menschen beginnen vorsichtig mit ihr zu interagieren.

Mein Sohn steigt mit Hochsteckfrisur, enthaartem Bein und dezentem TagesMakeUp in den Bus.

Bei Klassenfahrten wird gewunken, also turne ich mit den anderen Eltern um den Bus herum, um den Sitzplatz meines Kindes zu finden.

Ich habe den Kobold gefunden.

Sein Arm liegt um blaubekleidete Schultern, ein Kopf mit hochstehendem Gestrüpp ruht an seiner Halsbeuge.

Er grinst, ich lächle, wir winken.

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