Süß ist es, wenn ich nur mit dem kleinsten Kind unterwegs bin, dieses einen ausgewachsenen Trotzanfall mitten im Geschäft hinlegt und dann eine Frau mitleidig lächelnd zu mir kommt und mir folgendes sagt: „Lassen Sie sich von einer erfahrenen Zweikindmutter sagen, die versuchen es immer gerne, aber da muss man eben hart bleiben.“
Ich mache ein wenig hmhmhmmm, frage, wie alt ihre Kinder sind und sie antwortet mit: „Fünf und drei Jahre.Ich hab das also schon durch.“ Sie hebt ein wenig hochnäsig das Kinn. „Sie sollten vielleicht auch über ein Geschwisterchen für das Kleine nachdenken. Das übt unheimlich soziales Verhalten und so.“
Unbedarftheit finde ich mitunter niedlich, Dreistigkeit dann nicht mehr und so lächle ich unverbindlich, während ich mich umdrehe und wieder meinem Kind zuwende. Das liegt inzwischen auf dem Fußboden, hat die Hände vors Gesicht geschlagen und jault immer noch ein wenig leise vor sich hin, weil es keine Ski-Socken in Größe 45 anbeißen durfte.
„Sie müssen da wirklich konsequent sein!!“, tönt es von hinter mir.
Ich ziehe die Augenbraue hoch.
„Da müssen Sie auch mal sagen: NEIN, du stehst jetzt auf.“
Die Situation gewinnt zugegebenermaßen wieder an Komik.
„Versuchen Sie es doch gleich mal.“
Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. „Nein. Er ist jetzt wütend und das ist okay.“
„Aus solchen Kindern werden irgendwann kleine Terroristen!“, fährt sie mich mürrisch an. „Glauben Sie mir! Meine beiden Kinder würden so etwas nicht tun! Es geht um Konsequenz!“ Sie wendet sich meinem Kind zu und ich bin sehr gespannt, was nun passiert.
„Hör mal! Du kannst hier nicht einfach so liegen! Steh mal wieder auf! Das macht man nicht!“
Herr Honig unterbricht kurz seinen Trotzanfall und sieht auf.
„Sei mal ein braves Kind!!“
Er sieht mich an. Ich grinse ihn an.
Er macht laut und deutlich in einem äußerst genervten Tonfall: „Orrrch!“, wedelt Richtung Frau mit der Hand, als würde er eine Fliege verscheuchen wollen, steht auf, kommt zu mir und zeigt mit dem Finger auf die Frau.
Er wiederholt: „Orrrch!“ und verdreht ein wenig die Augen.
Anklagend sieht er mich an. „Ja, ich weiß.“, sage ich und lächle.
Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können.
Er nimmt mich bei der Hand und wir setzen unseren Einkauf fort.