Nemesis

Es geschieht automatisch.

Die zutiefst zynische Abwertung aller Menschen, denen ich begegne.
Das ist in zweierlei Hinsicht fatal.
Ich kann zum Einen meinen Aufgaben nicht mehr gerecht werden und ich werde Tag für Tag in einen Strudel negativer Gedanken gezogen und versinke tiefer und tiefer in diesem sumpfigen Morast aus stinkender misanthroper Weltanschauung.
Ich lebe lange genug mit Depressionen, um das Loch inzwischen zu sehen, wenn ich darin sitze und nicht mehr erst in der Rückschau.
Allein, die Erkenntnis hilft nicht.

Jede Frau Konkurrenz.
Jeden Mann, dem ich begegne, verachte ich.
Frage mich, welche Frau er belügt und betrügt.
Welche verachtenswerten Moralvorstellungen er besitzt und wie vulgär wohl seine Gedanken sein mögen.
Jeder Mann ein Schwein.

Einer Berufung folgend, die vor allem auf Respekt, Achtung und Akzeptanz meines Gegenübers aufbaut, bleibt mir nur, mich zurückzuziehen. Ich sehe die Fragen in den Augen der Menschen, ich spüre ihre Unsicherheit, ihre Wünsche, aber ich kann nicht. Ich kann mit dieser Einstellung nicht bei ihnen sein und den Spagat aus Menschenhass und empathischer Zuhörerin schaffe ich beim besten Willen nicht. Vielleicht zeigt sich auch nur, wer ich wirklich bin.

Vielleicht geht es irgendwann vorbei.
Vielleicht wird es besser.
Vielleicht hört es irgendwann auf, so weh zu tun.

Ich weiß, du hast Angst,
aber ich weiß, was du kannst
und ich will, dass du tanzt – nimm meine Hand!
Ich weiß, du hast Angst,
aber ich weiß, was du kannst
und dass sich so was vertanzt – komm, zieh dich an!
Nimm meine Hand,
zieh dich an,
wir wollen tanzen gehen, Marie…

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