Der Junge, der zwei Tage vor ihm geboren wurde, sitzt teilnahmslos in seiner Autoschale, während der kleine Tuk neugierig hinkrabbelt und versucht, sich am Rand hochzuziehen.
„Ach weißt du, ich lass ihn so lang es geht da drin. Ich hab keine Lust, jetzt schon ständig hinter ihm herzulaufen. Ich bin froh, wenn er sich noch nicht bewegt. Ich hab schließlich noch zwei andere Kinder.“
Ich mustere beide Babys.
Der kleine Tuk hat inzwischen den Frühstücksraum des Kindergartens geentert und um ihn herum bildet sich eine Traube von zwei- und dreijährigen Mädchen mit Butterbroten in der Hand, die alle mal streicheln wollen. Mein Sohn ist in seinem Element. Er strahlt, er patscht, er krabbelt, er versucht, Essen an sich zu reißen. Kleine Mädchen kreischen und johlen verzückt, wenn er nach ihren Glitzerschuhen, Broten, Haaren greift. Sieben Monate.
Ich sehe erneut auf das Baby in der Babyschale. Wach ist es. Und es starrt nach oben. Reagiert nicht auf Ansprache, nicht auf Lächeln, nichts. Wie die letzten sieben Monate auch schon nicht. Und wir sehen es mehrmals die Woche.
Manchmal sitzt er auch in so einer Bauchtrage vor dem Bauch seiner Mutter. Beine hängen schlaff nach unten und der schmale Steg zwischen seinen Beinen hält sein ganzes Gewicht.
„Ist es nicht furchtbar, wenn sie so mobil sind?“
Ich starre sie an. Ich warte seit der Geburt ungeduldig auf jede neue Fähigkeit, die aus diesem hilflosen Würmchen endlich ein sich selbst helfen könnendes, selbstbestimmtes Wesen macht und freue mich jeden Tag darüber, was der kleine Mann für Anstrengungen unternimmt, die Welt zu erobern. Strahlend, lachend, triumphierend.
Ich sehe wieder in die Babyschale, aus der das Baby stumpf herausschaut. Und mir fehlen irgendwie die Worte.
„Ich mag es eigentlich ganz gerne, wenn sie anfangen, sich zu bewegen.“, antworte ich vorsichtig und sehe den Flur entlang, in den mein Baby gerade gekrabbelt ist, gefolgt von einer Horde Kleinkinder, die lachend und applaudierend jeden seiner Krabbelschritte würdigen.
„Uah, nein. Das ist sowieso alles schon so ein Stress.“, sprach sie.
Griff beherzt nach dem Griff der Babyschale und ihr Baby zeigte tatsächlich eine Reaktion. Es zuckte zusammen und fing an zu jammern.
„Du bist schon wieder müde.“, murmelt sie im Weggehen. „Du gehst gleich wieder ins Bett.“
Und ich bekomme das Bild nicht aus dem Kopf, dass da ein Gefängnis gegen ein anderes getauscht wird.