Neugierde

Ein sehr weiblich neugieriger Teil meines Selbst fragt sich ja doch ab und an, womit der Nachbar von unten seine mürrische Freundin jeden Tag mehrfach derartig laut zum Stöhnen bringt.

falscher Film

Ich parkte heute Morgen auf dem Kindergartenparkplatz und baute nach dem Wegbringen der Motte noch die Kindersitze um, weil ich eine neue Anordnung der Kindersitze ausprobieren wollte.

Da kommt ein Vater zu mir ans Auto, grinst doof – wirklich doof, zwinkert und fragt in einem sehr überheblichen Ton von oben herab, ob er mir beim Ausparken helfen solle. Ich war völlig verdutzt und reagierte überhaupt nicht, ich starrte einfach nur verständnislos.

Ich muss auch relativ begrenzt dabei ausgesehen haben, denn er fragte amüsiert, langsam sprechend: „Ist das das Auto Ihres Mannes? Bekommen Sie den nicht rückwärts aus der Parklücke? Ich kann das für Sie machen.“

Ich rappelte mich und antwortete – immer noch äußerst verdutzt: „Nein danke. Ich baue hier nur Kindersitze um. Ich kann selber ausparken.“

Er zuckte mit den Schultern und murmelte noch etwas in einem abfälligen Ton, das ich leider nicht verstanden habe.

Selbst jetzt, drei Stunden später, bin ich immer noch völlig verwirrt ob dieser wirklich seltsamen Begegnung. Ich sah mich sogar um, ob mir vielleicht jemand einen Streich spielen wollte, aber da war keiner.

Hilfsbereitschaft

Wenn man mit drei kleinen Kindern, 40kg Einkauf auf dem Rücken und einer Palette Joghurt auf dem Arm gerade zwischen zwei Stockwerken das kleinste Kind die Treppen hinaufbegleitet, weil es die aus sicherheitstechnischen Gründen noch nicht alleine laufen darf und das Kind dann abrutscht und man sich entscheiden muss, was man nun festhält, lasse zumindest ich zuerst die Joghurtbecher fallen.

Wenn in genau diesem Moment, in dem die Becher fallen, ich stolpere, das Kind nach vorne auf den Treppenabsatz schubse, damit es sicher bleibt und zwei, drei Treppenstufen nach unten rutsche und mich mit dem knappen Zentner Einkauf auf die Treppe lege, der Nachbar, für den ich jeden verfickten Tag seine Pakete annehme, wegen derer der Postbote das Baby aus dem Mittagsschlaf klingelt, ins Haus kommt und auch sieht, was da gerade passiert ist und dann nett grüßt, sich an mir, die ich da so im Weg auf der Treppe liege, vorbeischiebt, die großen Joghurtpfützen gekonnt umrundet, den Sohn zur Seite schiebt und dann mit einem amüsierten „vielleicht das nächste Mal besser zweimal laufen“ in seiner Tür verschwindet, dann fehlen mir einfach nur die Worte.

Heiße Tränen waren dafür viele da, als ich mich aufrappelte, die Kinder beruhigte, Herrn Honig kontrollierte und meine lädierte Vorderseite ignorierte.

Ich schiebe das brüllende Kleinkind nach oben, der Sohn übernimmt den Rest Begleitung bis nach oben, ich stelle die Tasche und die Joghurtbecher zur Seite und putze mit Teilen des Einkaufs (wie pratkisch) erst mal die Treppe.

Ja, vielleicht laufe ich das nächste Mal besser zweimal.
Dafür läuft er ab sofort jeden Tag zur Post.

Sorgerecht/Sorgepflicht [Ex]

Der Exmann hat ja generell nur Rechte.

Ich habe die Pflichten. Das nennt man dann gemeinsames Sorgerecht. Gerecht aufgeteilt. Ich bitte nun also um eine Einverständniserklärung (schriftlich), dass ich mit dem Tochterkind umziehen darf. 500 Meter weiter, selbe Stadt, kein Schulwechsel, nichts. Ich benötige ferner eine Vollmacht (schriftlich), dass ich das Tochterkind an der neuen Adresse anmelden darf. So das Jugendamt. Da hat er natürlich keine Lust zu. Ist ja auch anstrengend, so drei vorformulierte Sätze zu unterschreiben. Wird er mir das nicht genehmigen, kann ich das auch ohne seine schriftliches Einverständnis tun, mache mich aber damit strafbar. Er kann sich auf seinem faulen Arsch ausruhen und ist wie immer aus dem Schneider. Das Spiel kennen wir ja schon. Auf die viermal telefonisch, dreimal schriftlich per Einschreiben angeforderten letzten Unterlagen warte ich ja schließlich auch erst seit Oktober 2012.

[Einatmen. Ausatmen. Keine Kinder mehr mit Idioten zeugen.]

Schlussfolgerungen

Meine Vier spielen mit ihrem Sohn und wir unterhalten uns.

„Deine große Tochter sieht deinem Mann so unglaublich ähnlich, finde ich.“

Ich brumme amüsiert.  „Sie ist das einzige Kind, das nicht von ihm ist.“

Sie reißt die Augen auf. „Oh mein Gott. Du hast ihn betrogen???“

„Äh. Nein. Meine Tochter und ich haben meinen Mann erst kennengelernt, als sie schon zweieinhalb war.“

„Oh. Achso. Ja klar, so gehts ja auch.“

[Menschen…]

Für die Ewigkeit. [Denise aus dem Erdgeschoss]

„Es gab da so ein Sonderangebot für die Maschine. Mit Nadeln und so. Aus Asien. Bei ebay. Die Tinte ist hier zwar nicht zugelassen, aber egal. Mach’sch mir jetzt einfach selber.“

Das sind so 5 Dinge in wenigen Sätzen, die mich schreiend davon laufen lassen.

[werde den Mann heute Abend mal fragen, warum da Tausender für seine Rückwandbemalung über den Tisch gehen, wenn ich doch für Neunundreißigfuffzich bei ebay… ]

Mann von Welt

Nachdem das Tochterkind das Handy bei ihm vergessen hat, muss ich ja schon froh sein, dass er überhaupt und sogar kurzfristig den beschwerlichen langen Weg zum nächsten Briefkasten auf sich genommen hat, um ein relativ neues Smartphone lose in einem ungepolsterten normalen Briefumschlag zu verschicken. Und der Briefumschlag war sogar halb verschlossen. Das ist mehr als man erwarten konnte. Mit anderer Leute Geld ging der Herr ja immer schon sehr entspannt um. Über den Rest breiten wir wie immer den Mantel des Schweigens. Und diesmal warte ich nicht darauf, dass das Porto in Rechnung gestellt wird, ich überweise es gleich. Ohne süffisanten Verwendungszweck. Ich bin die Ruhe selbst.

Und bin zum Glück nicht bewaffnet.

Geld verändert Menschen nicht…

…es demaskiert sie.

Dieser Satz begleitet mich als einer meiner Leitsätze schon weit über ein Jahrzehnt und ich durfte in vielerlei Hinsicht sehen, wie wahr er ist. Leider sowohl auf der Seite, wie Menschen sich verändern, wenn sie zu Geld kommen und reicher werden als auch von der Seite, wenn Menschen aus irgendeinem Grund in Erfahrung bringen, wieviel Geld man selber besitzt. Das eine ist so hässlich wie das andere. Der wohl meistgehörte Satz meines Lebens ist: So ein Leben wie du hätte ich auch gerne.

Niemand hat je nach dem Preis gefragt.

Abscheu

Ihr könnt nicht mal mehr scheißen gehen ohne eure Telefone.
Ihr könnt keine Unterhaltung führen, ohne die Dinger in der Hand zu haben, ohne mal eben einen Blick darauf zu werfen oder zumindest kurz in der Tasche danach zu tasten.
Ihr könnt kein Konzert genießen, ohne eure Telefone zwischen euch und die Bühne zu halten.
Geschehen ist nur, was man beweisen kann. Nicht einmal eine Stunde könnt ihr ohne sie verbringen. Nicht einmal eure Kinder könnt ihr genießen, ohne sie in jeder Situation zu filmen, zu fotografieren, festzuhalten, hineinzuzwängen in ein Medium, das die Welt nicht ganz so unmittelbar macht. Immer auf Distanz, immer auf Beobachtungsposten, immer Herr der Lage.

Man kann keine Situation erleben, wenn man sie filmt.
Wer sich zum Beobachter macht, kann kein Beteiligter mehr sein.

Ihr lebt eure Leben nicht mehr, ihr dokumentiert eine Umwelt, die sich in dem Moment verfälscht, in dem ihr euer Telefon hochhaltet. instagram, facebook, twitter – Müllhalden voller Bilddokumente über Leben, die nicht gelebt werden.