Hej Dad

Ich weiß, dass du meine letzte Nachricht noch gelesen hast. Die beiden blauen Haken haben dich verraten.

Um Mitternacht klingelte hier die Kriminalpolizei. Und ja, natürlich wusste ich, was sie mir sagen würden. Es ist vielleicht nicht so ganz das Gespräch geworden, das sie erwartet haben.

Und jetzt kann ich seit 5 Stunden nicht schlafen.

Weil ich wütend bin.

Ich bin so stinksauer auf dich, dass ich statt mit Tränen der Trauer mit Tränen der Wut und Ohnmacht hier sitze.

Ich weiß, dass das nichts ändert.

Ich werde bei Sonnenaufgang meine Rüstung anlegen und wir bringen Anwälte, Dolmetscher und Notare in Stellung.

Ich habe einen Menschen an meiner Seite, der sich vor mich stellen wird, als Schild, als Fels, als Sandsack, als Umarmung, ich werde da durchkommen, irgendwie.

Aber weißt du was? Du und ich. Wir waren noch nicht fertig miteinander. Ich war noch nicht bereit. Du hast das alleine entschieden.

Und ich bin so unfassbar wütend.

Tag0

Briefe also, hm? Ich höre die Namen, die auf den Briefen stehen. Verschlossene Umschläge. Mit letzten Worten, vermutlich. Noch hat keiner seinen geöffnet.

Habe ich auch einen Brief? Oder steht irgendetwas an mich in deinem Abschiedsbrief, der nun bei der Polizei liegt und als Beweismittel gilt? Irgendetwas?

Ich werde mich noch gedulden müssen und habe keine Ahnung, wovor ich mich mehr fürchte: Vor dem, was du mir als Letztes in deinem Leben mitteilen wolltest oder davor, dass es nichts gibt, das diese Kriterien erfüllen würde.

Hast du an mich gedacht? Hast du mir in Gedanken Lebewohl gesagt? Oder sogar in geschriebenen Worten? Gibt es ein Machs gut, ein Pass auf die Kinder auf, ein Ich bin stolz auf dich, ein Ich liebe dich oder vielleicht sogar ein Verzeih mir?

Bei einem so lange im Voraus und bis in alle Einzelheiten geplanten Tod gibt es keine verpassten Chancen

Wie gehen wir beide hier raus, wenn wir fertig sind?

Dr. B.

Ich glaube, ich wäre nicht so gut durch die Kleinkindjahre der Kinder gekommen ohne unseren alten Kinderarzt, der sich jedes Mal zurücklehnte, über seinen langen weißen Bart strich, mich prüfend ansah und dann liebevoll lächelnd fragte:

Hm. Haben SIE jetzt das Problem oder das Kind?

[Meistens hatte ich es.]

Meine geliebte Kriegerin.

Du bist eine Naturgewalt.

Für dich gibt es keine Zwischentöne, keine Abstufungen.

Es gibt schwarz und weiß.
Laut und leise.
Alles oder nichts.
Das ist das, was dich ausmacht.

Du bist ein Mensch, der für Superlative erschaffen wurde und lernst gerade erst, mit deinem enormen Potential im Guten wie im Schlechten umzugehen.

Ich habe von dir geträumt, als ich dich noch unter dem Herzen trug.

Ich habe dein Gesicht gesehen – wie es heute aussieht.

Ich habe dich erkannt.

Ich habe die riesengroße Amazone einen Berg hinunterstürmen sehen, mit einem durchtrainierten muskulösen Körper, langen flammenroten Haaren, das Schwert erhoben, bereit zum Kampf und mit gleichzeitig unbändiger Lebensfreude, dass ich aufgewacht bin und deinen Namen kannte.

Da war kein Platz mehr für Zweifel.

Das warst du und nichts anderes würde dir gerecht werden können.

Du trägst den Namen eines ganzen schottischen Kriegerclans und dein Zweitname bedeutet narbenfarben.

Den dritten Namen teilst du dir mit all deinen Geschwistern und ich hoffe, dass euer Band euch später tragen wird, wenn wir nicht mehr sind.

Als meine Wehen stärker wurden, mitten in der Nacht, hörte man immer lauter werdendes Grollen in der Ferne. Das aufziehende Gewitter ließ die Natur im Takt meiner Wehen aufbrüllen.

Der Kreißsaal war dunkel, die Fenster weit geöffnet, der Regen peitschte auf die Erde  – und Blitz, Donner, Sturm und die feste, leise Stimme deines Vaters trieben mich voran.

Immer mit dem Schmerz, jede Wehe ein Ja zu dir, ein Ja zum Leben. Du kannst das, du schaffst das, gleich ist unser Baby da, dazu das Trommeln des Regens auf dem Dach, die kurzen Lichtblitze und das gewaltige Getöse des Donners.

Du bist mitten in den Sturm geboren worden und es hätte keinen passenderen Empfang für dich auf dieser Welt geben können.

Du warst immer schon ein Dickkopf, du hast nie gefragt, du hast dir genommen. Die Welt gehörte dir, von Anfang an. Das tut sie heute noch, auch wenn du gerade strauchelst.

Du spürst die Dunkelheit und weißt kaum, wie du sie bewältigen sollst. Gemessen an dem Licht, das du in dir trägst, muss sie gigantisch sein.

Ich fühle, dass du weder das Eine noch das Andere gerade tragen willst.

Wir sind an deiner Seite. Wir gehen mit dir, wir tragen dich, wenn du nicht mehr kannst, sind wir da. Es fällt dir gerade schwer, das Leben als Geschenk zu sehen und ich versuche, mich von diesem Schmerz nicht zerreißen zu lassen. Bemühe mich, die Wunden, die du schlägst, nicht als Angriff zu sehen sondern als Verteidigung zu verstehen.

Ich glaube, dass Transformation immer schmerzhaft ist.

Und wenn wir in ein paar Jahren zurückblicken, dann hoffe ich, dass wir lächeln und verstehen, warum das so sein musste.

Ich liebe dich.

Immer.

Heute

Heute vor 17 Jahren haben wir uns unter klarem Sternenhimmel das erste Mal gesehen, das erste Mal berührt, das erste Mal geküsst.

Heute vor 16 Jahren hielten wir unseren ersten Sohn in den Armen, den ich in deine Hände geboren habe.

Heute vor 15 Jahren haben wir geheiratet.

Heute vor 14 Jahren trug ich schwer an unserer zweiten Tochter, die in einigen Tagen zur Welt kommen würde. Die Gedanken an ein eventuell weiteres totes Kind überschatteten alles.

Heute vor 13 Jahren hatte ich dich beim schwersten Gang meines Lebens an meiner Seite, als ich die Urne meines Großvaters über den Friedhof trug.

Heute vor 12 Jahren haben wir beschlossen, dass wir es nach all den weiteren Fehlgeburten nicht weiter versuchen würden. Wir waren komplett mit zwei gemeinsamen lebenden Kindern.

Heute vor 11 Jahren trug ich einen kleinen Menschen unter meinem Herzen, den unsere Pläne nicht interessiert haben.

Heute vor 10 Jahren hatten wir die schlimmsten Monate der schwärzesten Depression meines Lebens nach der Geburt vom Butz fast hinter uns. Es war wieder so etwas wie Licht zu erkennen.

Heute vor 9 Jahren waren wir endlich in unserem echten Zuhause angekommen. Ein Haus mit Garten, ein Rückzugsort, perfekt, nur für uns. Unsere Burg.

Heute vor 8 Jahren begannen die dunkelsten Jahre unserer Beziehung. Wir haben aufs Schmerzhafteste all unsere Werte auf den Prüfstand gestellt und sind durch ein tiefes Tal geschritten, in dem sich Wahrheit, Schmerz und Hoffnung blind auf die Liebe verlassen mussten, die uns getragen hat.

Heute vor 6 Jahren standen wir mitten in den Vorbereitungen, zwei völlig entfremdete und hasserfüllte Kinder in unseren Haushalt aufzunehmen.

Heute vor 5 Jahren bestand unsere Familie aus 9 Personen – wir hatten Uroma aus dem Pflegeheim zu uns nach Hause geholt, um die letzten Monate für sie in Würde gestalten zu können.

Heute vor 4 Jahren begann das Lügenkonstrukt des zweiten Kindes über uns zusammenzubrechen.

Heute vor 3 Jahren haben wir Asgard abgeholt. Als Zeichen der Hoffnung, als Trost, als Begleitung aus der Trauer über den Verlust meines großen Kindes.

Heute vor 2 Jahren haben wir die letzten Dinge in die Wege geleitet, um unser Familienleben wieder so zu gestalten, wie das für uns gut ist.

Heute vor einem Jahr haben wir nach unendlich langer Durststrecke das erste Mal auch finanziell wieder Luft holen dürfen. Freiheit spüren.

Heute sind es 17 Jahre. Das ist viel Zeit. Wir haben jede Emotion durchlebt, wir sind jeden Weg gemeinsam gegangen, wir haben jeden Streit ausgefochten und wir sind an einem Punkt, an dem wir keine Masken mehr tragen müssen und das auch schon lange nicht mehr wollen.

Du hast mir gezeigt, was Liebe tragen, aber auch erdulden kann.

Du hast mir gezeigt, wie hoch man fliegen kann, wenn es jemanden gibt, der Zuspruch schenkt.

Du machst, dass ich jeden Morgen aufwache und ein besserer Mensch sein will als am Tag zuvor.

Ich bewundere deine Intelligenz, deine Stoik, deinen Pragmatismus, deine Seelenruhe, deinen Humor und ich bete deinen Körper an.

Du bist auch 17 Jahre nach der ersten Berührung noch ein Satyr, der mir ohne jedes Tabu jede Form von Freude schenkt, die ich empfinden kann.

Mein dunkler Engel. Gefallen, wiederauferstanden.

Die Wahrheit, die wir uns zumuten, ist absolut.

Ich würde nie wieder anders leben wollen als so. Mit dir.

Ich liebe dich.

Mein geliebtes großes Tochterkind.

Ich schreibe dir hier, weil du es so nicht lesen wirst.

Ich habe in den letzten dreieinhalb Jahren unzählige E-Mails, Briefe, WhatsApps geschrieben. Immer auch um den unendlichen Schmerz in meinem Herzen kreisend, den ich einfach nicht unter Kontrolle bekomme. Worte, auf die du nie antworten wolltest. Du hast dich allem entzogen, was deinem ganz persönlichen Neuanfang nicht dienen wollte.

Ich arbeite daran.

Seit Jahren.

Mit Hilfe.

Allein.

Laut.

Stumm.

Er wird nicht kleiner. Der Schmerz verstummt nur in stiller Resignation zwischen den Tagen, an denen er an die Oberfläche taucht und schier nicht auszuhalten ist. So wie heute. Ich habe gestern die letzte Nachricht an dich gelöscht, die ich geschrieben habe. Dort stand zu viel Herz. Zu viel Schmerz. Will dich nicht bremsen, nicht runterziehen. Du hast mit uns schon längst abgeschlossen – wer bin ich also, dich immer daran zu erinnern, dass der farbenprächtig funkelnde Palast deines jungen Lebens auf den Scherben einer ganzen Familie gebaut ist? Dieser Gedanke ist unfair und ich weiß das. Darum belästige ich dich nicht mehr mit mir, mit meinen Gefühlen, mit meinem Schmerz. Es reicht, wenn ich ihn trage. Die Mutter, die du verlassen hast, bin ich längst nicht mehr. Aber wen interessiert das, nicht wahr?

Was tut man, wenn einer fertig mit der Aufarbeitung ist und der andere nicht? Es gibt keine Lösung. Meine einzige Strategie, dies hier nicht in deinen Rucksack zu packen, ist Schweigen. Das packt ein anderes Gewicht in dein Reisegepäck, aber mir scheint es erwünschter. Ich schreie meinen Schmerz schon lange nicht mehr in die Welt, auch wenn der Sturm tobt. Die Trauer. Ich habe dich verloren und nichts, aber auch gar nichts wird dich zurückbringen. Die Zeit hat das ihre getan und inzwischen bist du erwachsen und die Zeit, die wir verloren haben, ist unwiederholbar. Es bleibt nur Akzeptanz.

Es wird das vierte Weihnachten ohne dich.

Irgendwann wird das nicht mehr weh tun.

Irgendwann.

Dunkel

Im Meer zu ertrinken ist laut.

Es ist dynamisch, es ist Kampf.

Es ist aktiv.

Die Wellen, die dich hochheben, die Brecher, die dich hinunterdrücken. Die Strömung, unbarmherzig, kraftvoll und mitreißend. Das Salzwasser. Alles im Körper ist auf Kampf eingestellt. Jedes Verschlucken treibt dein Adrenalin in die Höhe. Jedes Würgen, jedes Husten pumpt das Blut durch deine Adern. Es ist Überlebenskampf. Es gibt keinen Dialog. Da sind keine Gedanken. Nur das Ringen zwischen Leben und Tod.

Das Meer nimmt sich.

Der See wartet.

Er hat keine Eile.

Kilometerweit vom Ufer entfernt, unter dir nur die Kälte, die darauf wartet, dich in Empfang zu nehmen. Das Wasser ist klar und rein. Es hat nichts Bedrohliches. Es ist still und umfängt dich mit weicher Umarmung. Hier musst du nicht kämpfen, hier ist keine Gewalt, kein Spiel…

Du musst dich nur sinken lassen. Das Pochen deines Herzens wird langsamer, dein Blutstrom pulsiert träge und dumpf durch deinen Körper. Je länger du schwimmst, desto wärmer wird dir. Nicht, weil die Kälte schwindet, sondern weil sie der ewigen Verlockung der Dunkelheit weicht. Bittersüße Gleichgültigkeit streichelt sanft deine Seele. Komm zu mir, flüstert der See leise. Du musst nur loslassen.

Der See wartet.

Mein geliebtes Kind.

Herzlichen Glückwunsch zum 15. Geburtstag.

Vor 15 Jahren spürte ich, wie meine Fruchtblase riss.

Du wolltest geboren werden, mit aller Kraft.

Ich rief deinen Vater an, der bei der Arbeit alles stehen und liegen ließ und nach Hause eilte. Während der Wehen schaukelte ich deine beiden Geschwister auf dem Schoß, hielt sie fest, hielt mich an ihnen fest, summte ein Lied nach dem anderen, bis dein Vater da war.

Es war keine Zeit mehr für das Krankenhaus, ich gebar dich in meine eigenen Hände und du warst so winzig und unendlich perfekt.

Meine größte Angst war, dass du in der Kälte würdest sterben müssen, aber dein Herz hörte bereits in der Geborgenheit und Wärme meines Körpers auf zu schlagen.

Das war der letzte Dienst, den ich dir erweisen konnte und für mich der Wichtigste.

Dein Leben im Schutz meines Körpers dauerte nur wenige Monate und du warst geliebt, ersehnt, von ganzem Herzen gewollt.

Du trägst drei Namen, wie alle unsere Kinder.

Auch du teilst dir den dritten Namen mit allen deinen Geschwistern.

Deine Geburtsurkunde in unserem Familienstammbuch zeigt klar und deutlich, dass du da warst.

Du warst da. Und du hast tiefe Spuren in unseren Herzen hinterlassen.

Ich wünschte nur, man hätte uns ein wenig mehr Zeit geschenkt.

Bleibt alles anders

Die Diagnosen kamen unerwartet.

Wenn man sein Kind regelmäßig zu allen Vorsorgeuntersuchungen schleppt und der Arzt aufgrund von Vorerkrankungen kein Fremder ist, dann… ja was eigentlich? Dann erwartet man irgendwie, dass man eine neue Diagnose am Anfang erwischt, oder?

Nicht schon im Stadium: Oh, das ist jetzt kritisch, hier, ihr Schwerbehindertenausweis.

So eine Diagnose hat uns vor einigen Wochen für den Kobold erwischt und seitdem steht unsere Welt Kopf.

Vor allem unser Alltag, der seit 18 Monaten ohnehin keiner mehr ist.

Und hier kommt meine Baustelle hinzu: Wut.
18 Monate lang haben wir uns an alle Beschränkungen gehalten.
Wir haben seit 18 Monaten keinen Freund mehr getroffen, keinen Menschen mehr umarmt, nichts. Keiner von uns.
Als Haus, das immer mit Menschen voll war, die hier einfach vorbeikommen, mitessen, mitfeiern, mit uns sind… war das doppelt hart.
Wir haben keinen Geburtstag gefeiert, wir sind nicht rausgegangen, nicht essen, nicht ins Kino, nicht auf Partys, nichts.
Wir haben uns impfen lassen, als es möglich war und tun trotzdem immer noch nichts, um die Ungeimpften zu schützen.

Dann war am Ende der Sommerferien dieser Lichtblick auf Alltag da. Ein paar Stunden am Tag für mich, die Akkus wiederaufladen, die seit 15 Monaten dunkelrot blinken. Dauerhaft. Und dann tastet man bei einer Umarmung des Kindes etwas, das da so nicht hingehört und hat eine Woche später eine Diagnose, die den gesamten Alltag umkrempelt.

An diesem Punkt kommt die Wut. Wut ist in diesem Fall eigentlich nur Trauer, in eine Form gegossen, die man aktiv bewältigen kann, statt passiv an ihr zu verzweifeln. Und das macht sie so wichtig.

Weil man weitermacht.
Jeden verdammten Tag.
Jeden weiteren Schritt.

Die stundenlangen Fahrten zu Fachärzten, die Termine jeden Tag, die neuen Diagnosen, die dazukommen, die Aussicht auf monatelange Trennung vom Sohn, der Aufenthalt in der Klinik weit weg… all das ist mit Wut sehr viel besser zu bewältigen als mit Verzweiflung.

Wut hat den Vorteil, dass sie nicht erschöpft, solange sie brennt.
Man darf nur nie aufhören, nie innehalten, nicht ausruhen.
Sonst fällt alles in sich zusammen.
Auch dafür wird es eine Zeit geben.

Aber die ist nicht jetzt.

Lieber Schwiegervater,

als wir uns das erste Mal trafen, war ich 18 Jahre alt und hatte gerade heimlich deinen 26jährigen Sohn geheiratet. Ich war ein Akt des Aufbegehrens gegen dich, das habe ich später verstanden.

Und was für einer.

Wir fochten von Beginn an auf einer ganz eigenen Ebene. Ich stand für alles, was deine gutbürgerlichen Pläne für deinen Sohn vereiteln würde und das hast du mich deutlich spüren lassen. Einer deiner ersten Sätze zu mir lautete: „Dein Platz ist in der Küche.“. Und ich sagte: „Nein.“ Und du hast mich fassungslos angestarrt. Weil das etwas war, was nicht sein durfte in deiner Welt.

Und ich hielt deinem Blick stand.

Immer.

Trotzig, provozierend, arrogant und voller Leidenschaft.

Jeden deiner Hiebe habe ich pariert und im Laufe der Jahre wich unsere Härte gegeneinander einer leisen Form von gegenseitigem Respekt. Ob wir Augenhöhe erreicht haben, wage ich zu bezweifeln. Aber ich habe mich bemüht.

Als ich deinen Sohn endgültig verließ, standen wir nachts in der Dunkelheit und schwiegen gemeinsam.

Du wandtest dich zu mir um, hieltst die Arme auf und fragtest: „Ein letzter Tanz?“.

Als unsere Körper sich berührten, ahnte ich für einen winzigen Moment, wie sich erwachsene Männlichkeit anfühlen würde. Selbstsicherheit, Führung, Wissen.

Die Luft brannte.

Es war, als würde sich der jahrelange Kampf zwischen uns in diesem einzigen Moment entladen. Wir tanzten auf der schmalen Schneide zwischen unseren Sehnsüchten und unseren Verpflichtungen.

Du warst es, der nach einer gefühlten Ewigkeit zurücktrat und Lebewohl sagte.

Nun hast du deine letzte Reise angetreten.

Heb mir einen Tanz auf, wenn wir uns wiedersehen.