Es geht ihr schlechter. Die Augen waren groß und traurig, ängstlich.
Die Stimmung war nicht friedlich, nicht ruhig, nicht ruhend…
Und so gingen der Mann und die beiden Kleinen sehr schnell wieder nach unten in den Hof, um nicht weiter zu stören und das große Tochterkind stand stumm. Minuten vergingen, in denen beide Kinder sich einfach nur ansahen. Bewegungslos. Es dauerte, bis sie eine Hand ausstreckte und ihre Freundin berührte, ganz sacht nur. Und leise anfing, zu erzählen.
Ich habe nicht viel gehört, ich saß mit der Mutter am Tisch, ihr gegenüber, und sah in diese lächelnden, weinenden Augen. Das Wort sterben fiel das erste Mal in unserer Bekanntschaft überhaupt.
Und ich spüre deutlich, dass sie sich vorbereitet. Ganz allumfassend.
Sie sieht und sie setzt einen Schritt vor den anderen.
Immer weiter, auch wenn sie starr vor Angst und Panik am liebsten umdrehen würde.
Allein, sie tut es nicht.
Ich sehe die grenzenlose Erschöpfung in ihrem Blick.
Und das Feuer, den Antrieb, diesen Weg mit ihrer Tochter weiterzugehen. Egal, wie groß das Loch sein mag, das dahinter auf sie wartet.
„Ich habe sie in meine Arme geboren. Nun wird sie auch in meinen Armen sterben.“
Mein Herz setzt einen, zwei Herzschläge aus und Gänsehaut überzieht meinen Körper.
Ja.
Ja, so muss es sein.
Bedingungslos. Mutter.
Erzähl mir von ihrer Geburt, bitte ich und sehe ihren erstaunten Blick. Für die nächste halbe Stunde weicht die Müdigkeit. Unser beider Lachen schallt durch den Raum, bei den lebhaft erzählten Erinnerungen an dieses besondere Kind und unsere gemeinsamen Erfahrungen an das unsichere, tastende Muttersein beim ersten Kind. „Ich hab es immer geahnt“, sagt sie plötzlich leise. „Immer hatte ich Angst, sie nicht ins Erwachsensein begleiten zu können. Nur bei ihr. Nicht bei den Kleinen.“ Ihr Blick ist aufrichtig, wach. Mitten aus dem Lachen kommen die Tränen wieder hinzu. Ihre Hand liegt in meiner, wir schweigen.
Als ich gehe, umarmen wir uns noch einmal lange. Die normalen gesellschaftlichen Hürden sind in diesen Räumen völlig außer Kraft gesetzt und auch meine Schutzwälle sind weit weit unten.
Es ist gut so wie es ist.