Es ist 6 Uhr morgens, als ich von unerträglichen Kopfschmerzen wach werde und ein anderer Schmerz beim Umdrehen in die Operationsnarben schießt. Die erste Schmerztablette wirkt nicht, die zweite auch nicht. Schrill kreischen die Gedanken in den Kopfschmerz hinein und ich frage mich, wie ich mich heute umbringen könnte. Das ist selbst für mich ein denkbar schlechter Start in einen Mittwoch. Nichts Neues von den Depressionen. Kleine Scheißer. Ich spüre eine vertraute Bewegung an meiner Seite und da ist es wieder, das beschissene Hoffnungsgefühl, das mich im Leben hält. Schreiben. Ich muss schreiben. In meinen Gedanken formen sich die Fetzen zu einem Knäuel, zu Wortgebilden, zu Sätzen. Ich muss schreiben. Aber wieder öffentlich? Die Panik macht meinen Mund trocken. Ich habe schon zu viel Öffentlichkeit in meinem Leben. Tagebuch? Befriedigt mich nicht. Dem inneren Narziss wird übel ob dieser Verschwendung. Keine Einbildung, wie ich merke, als ich nach dem Aufstehen ins Waschbecken kotze. Ich blute aus der Nase und mein Magen stülpt sich ein weiteres Mal nach außen. Gut, dass ich noch nichts gegessen habe. Hypochondrisch veranlagt wie ich bin, frage ich mich, ob ich nun noch eine weitere Tablette nehmen kann, oder dann an einer Überdosierung sterbe, weil die vorherigen zwei schon vom Körper absorbiert und nicht wieder mit erbrochen wurden. Und ob das so schlimm wäre. Wäre es. Also weniger das Totsein als vielmehr das langsame Verenden an den Symptomen einer Überdosis Migränetabletten… Ich entscheide mich vorerst gegen weitere Medikamente. Die Operationsschmerzen werden noch früh genug weitere Tabletten fordern. Jetzt erst mal die Kopfschmerzen klein kriegen. Dusche, beschließe ich. Als mir das dritte Mal das Duschgel aus der Hand rutscht, weil meine Scheißhand immer noch nicht zuverlässig auf die Befehle meines Gehirns reagiert, formt sich unter heißem Wasser der Gedanke mit dem Schreiben in etwas Greifbares, das mir darum aber nicht weniger Angst macht.
Ich bin zurück.