Es ist wieder eine Schachtel leer. Ich komme mir vor wie ein Kettenraucher. Ständig der Griff zur Schachtel, ein kurzes Nachdenken, wie viele man schon hat, wie viele man noch darf, bevor man wieder auf andere Medikamente ausweichen muss. Gestern der erste Tag nach der Operation, an dem ich mal wieder Medikament, zusätzliche Tabletten gegen Schmerzen und dann abends noch stärkere Schmerzmittel aufeinander stapeln musste. Junkie, ich. Immerhin das Morphin steht seit Wochen nur noch im Schrank und hält mir für Notfälle den Rücken frei. Ich habe kurz überschlagen, was ich dafür auf dem Schwarzmarkt bekommen würde und immerhin – die Geldsorgen wären wir dann auch gleich los. Rückhalt in mehr als einer Hinsicht also. Die Gedanken bewegen sich träge durch den Tag, der vor mir liegt. Das Übliche. Viel Arzt, viel Rezept- und Überweisungskram, Termine machen, planen, warten. Vor allem warten. Warten darauf, dass die Schmerzen vielleicht zurückgehen, warten auf die nächste Tabletteneinnahme, warten auf den nächsten Tag. Alles wie immer. Arbeit würde mir guttun, aber ich habe ja gestern erst wieder gemerkt, wie sehr mir dann mein Körper nachmittags die Kelle vor den Latz knallt. Alle Lichter aus und dann kommt die Zeit der Buße. Danke, aber nein danke. Die Aussicht auf ein heute notwendiges Maß sozialer Interaktion außerhalb meiner Rehabilitation ringt mir ein gedankliches Würgen ab. Notfälle, natürlich. Ich bin ja da, ich habe ja bestimmt einen Rat. Ich verdamme den Tag, an dem ich diesem Netzwerk beigetreten bin. Damals, als ich nach draußen wollte. Als ich öffentlich wurde. Wo will ich denn jetzt noch hin?
Langsam, sagt mir die verfickte innere Stimme, die mir auch immer rät, doch noch eine Nacht darüber zu schlafen, bevor ich mir umbringe.
Leise Stimmen haben nur die anderen.