Gegen die Flut

Natürlich ist mir rein intellektuell klar, dass dort der Schlüssel liegt. Niemand kann auf lange Zeit eine derart mächtige Emotion unterdrücken, ohne sein Selbst zu beschneiden. Umso mehr, wenn diese Wesensveränderung weniger aus dem hehren Motiv erwächst, sich selbst zum Guten verändern zu wollen als vielmehr dem inneren Zwang entspringt, Kollateralschäden so weit als möglich zu minimieren. Ich spüre, wie es manchmal hochkocht – alle Emotionen, die diesem Strang entspringen. Feuer, Leidenschaft, Wut, Hass, Glaube.

Und dann kommt die Angst mit ihrem großen übermächtigen Hammer, der „Vergangenheit“ heißt und der inzwischen auch vom letzten Menschen, dem ich jemals vertraut habe, so vernichtend geführt wurde, dass jeder Funken irgendeiner dieser Emotionen im Keim erstickt wird. Schmerzhaft ist die Erkenntnis, dass manche Dinge vielleicht niemals mehr gut werden können. …da ist sie wieder, die trotzige kleine Stimme, die brüllt Doch! Ich will! Ich will alles! Sie ist noch da. Leiser zwar, aber im Wollen ungebrochen.

Der Unterschied zu früher ist wohl, dass ich auch ihr nicht mehr glauben kann.

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