Und dann wird dir klar, dass du dein blutendes Herz nicht mehr schützen kannst. Vor der brennenden Erkenntnis, dass nicht nur er es war, der dich so lange belogen hat, sondern du es warst, die sich selbst verleugnet hat. In jenem einen Moment, in dem Eitelkeit, Selbstwert und Vertrauen so unwiederbringlich zerstört wurden, dass in deinem Innern plötzlich kein Raum mehr war für echte Gefühle wie Wut und Lust und Leidenschaft und Größe. Nur Angst. Verzweiflung. Und dann bricht die Erkenntnis wie eine Flutwelle über dich herein, dass du dieses Leben hier nicht leben willst. Nicht so. Nie wieder. Nicht mit ihm und nicht ohne ihn. Sondern mit dir selber. Mit dir, wie du echt bist. Egal, was für Konsequenzen das nach sich zieht. Die klare Sicht darauf, dass wir nicht 16 Monate lang im Sterben lagen, sondern der Tod lange vorher ein Eheversprechen mitgenommen hatte, das so nie Bestand hatte und ich versucht habe, eine Leiche in einen Alltag zu integrieren, der alles leugnete, was meine Augen, mein Kopf, mein Herz und mein Bauch mir gesagt haben, erschreckt mich zutiefst. Ich habe mich selbst verloren, habe ich ihm vor Wochen, Monaten ins Ohr geflüstert und diese bitteren Tränen der Verzweiflung vergossen, die mich seit 16 Monaten jeden Tag begleiten und von denen ich in dieser Zeit mehr geweint habe, als es manch anderem Menschen in seinem ganzen Leben möglich ist. Nun. Ich habe mich wiedergefunden. Ich war gar nicht weg. Nur verschüttet. Zerbrochen. Einmal mehr in meinem Leben. Und das blutende Herz, das da vor mir auf der Straße liegt, das blutet eben weiter. Einmal mehr, nur noch ein letztes Mal. Diesmal, bis es aufhört zu schlagen. Aber das wird nicht heute sein. Nicht heute. Als ich heute Morgen aufwache, liege ich in einer großen Lache aus Blut in meinem Bett und die Symbolik lässt mich lächeln statt weinen.
Ende und Neubeginn.