Reduktion

Da blinken sie, die Nachrichten in sozialen Netzwerken, in meinem E-Mail-Postfach, auf meinem Handy. Ich bin seit zwei Tagen zuhause. 9 entgangene Anrufe, 4 Voice-Mails, 13 SMS, 17 private Nachrichten, unzählige E-Mails. Ich lasse sie warten. Was in den letzten Wochen durch den Zwang meines Körpers, kürzer treten zu müssen, begann, formt sich nach und nach zu einem klaren Gedanken, dass die Öffentlichkeit, die ich vor ziemlich genau 2 Jahren gewählt habe, nicht mehr mein Ort ist. Ich bin zu verwundet, zu roh, zu überdrüssig all dieser Schicksale. Ich brauche keine Einladungen, kein gemeinsames Frühstück, kein Kino mit anderen Frauen, kein Essengehen mit Männern, keine Gespräche mit Familien, keine Menschen, die sich selbst zu mir einladen wollen, keine ungebeten Gäste, die plötzlich vor meiner Burg stehen, keinen Smalltalk, keine Bitten um Ratschläge, kein Draußen mehr.

Es reicht für ein ganzes Leben. Es reicht.

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