Real Life

Butz zerkleinert seit einer Stunde Granitblöcke mit dem Vorschlaghammer und brüllt ab und zu wütend:

„Im Spiel ist das nur ein Klick!“.

[Ja. Mensch. Realität auch einfach so ernüchternd immer.]

PostCovid

In einem Anfall von Selbstmitleid habe ich gestern auf einem körperlichen Tiefpunkt mal wieder heulend das Spiel „HätteHätteFahrradkette“ durchgespielt und Überraschung: Das ändert genau gar nichts.

Also. Aufstehen, weitermachen.
Aufgeben kann ich morgen immer noch.

Nassgeschwitzt, panisch, am Rande meines Könnens und Wollens, aber alles erledigt.
Fick dich, PostCovid, fick dich einfach.

[Jetzt kurz hinlegen, damit ich den Alltag hier schaffe, der ja nun auch nicht immer nur Tierestreicheln ist.]

Gegenwehr

Ich will nicht vernünftig sein. Ich will nicht zuhören, ich will nicht verstehen, ich will nicht einsehen, ich will nicht reden, ich will nicht mehr diskutieren, ich will ganz umfassend keine Worte mehr hören, die für mich kein Gewicht mehr besitzen.

Ich kann alles nachvollziehen. Ich habe Verständnis. Ich habe Mitgefühl. Ich verstehe die Gründe. Ich fühle all das. Aber es ändert nichts mehr.

Und die Wahl, derer ich so lange durch Lügen und Täuschung beraubt wurde, traf ich vor zwei Monaten. Weil das tatsächlich endlich meine Entscheidung war.

Es war alles so unnötig.

Timing

Das schwänzende Kind war gar nicht sooo begeistert, als ich verkündet habe, dass es ja ganz hervorragend sei, einen Träger mehr für die 200 Pflanzsteine zu haben, die der Kobold und ich heute Morgen abholen wollten.

[Komisch.]

Nachdem der Kobold und ich bei jedem Gang zwei 20KiloSteine in der Hand hatten und Butz mit Leidensvarianten aller Art und nur einem Pflanzstein laut hinter uns herjammerte, drehte sich der Kobold genervt um und ranzte ihn an:

„Jetzt mach dich mal gerade und sei kein Lappen!“

[Dinge, die ich als Mutter so nie kommunizieren würde, mir ist das wurscht, ob die Kinder ihre Arbeit im Schneckentempo oder maximal wehklagend erledigen, Hauptsache, sie machen sie. Aber Rüffel von großen Brüdern wirken wohl noch mal anders, denn danach lief es.]

Unter Verschluss

Die Dunkelheit, die mich und das Leben mit mir so anstrengend macht, ist fest unter Verschluss. Manchmal höre ich mich selber reden und es ist wie mit Eisbergen: die 10%, die ich da an Belanglosigkeiten aus meinem Mund kommen höre, lassen nicht erahnen, wie es in der Dunkelheit darunter aussieht.

Es vereinfacht vieles, stößt mich ab und fasziniert mich gleichermaßen, wie Menschen in diesem seichten Fahrwasser des sozialen Miteinanders überhaupt Erfüllung finden können, so ganz ohne Schmerz, ohne Lust, ohne Leidenschaft, ohne Tiefe. Aber es macht das Leben – vor allem für die, die es mit mir leben, wesentlich einfacher. Die absolute Hingabe, die Hitze der Intensität und auch das Unbehagen der gottlos ungefilterten Ehrlichkeit, denen ich jene aussetze, die sie wirklich wollen und mittragen können, fehlt.

Aber nur unvollständig leben zu können, zieht sich schon immer wie ein roter Faden durch mein gesamtes Leben, also werde ich das jetzt wohl auch überstehen.