30042026

Die Intensität der Schmerzen hat inzwischen ihr Maximum erreicht. Ich kann seit Monaten nichts mehr ohne starke Schmerzen tun, ich möchte mich einfach nur noch hinlegen und aufgeben. Ich muss zumindest für die Arthroseschmerzen dringend abnehmen. Gleichzeitig wate ich durch die wohl schwerste Depression meines Lebens und esse, um Trauer und Schmerz überhaupt zu überleben. Es ist ein Teufelskreis und es ist meiner. Hier zuhause bleibt einfach alles liegen, weil ich mich nur in Mikrofortschritten überhaupt bewege und die Tage voll sind mit Kinderbegleitung, Traumaarbeit und Weinen. Ich versuche das alles anzunehmen und auszuhalten, jeden Morgen wieder. Und über allem hängt die Frage, wieviel Sinn es überhaupt noch macht. Ich würde so gerne mal einen kleinen Moment davon abgeben. Mich anlehnen. Im Wissen, gesehen und gehalten zu werden. All das ist gerade so fern, wenn nicht gar unmöglich zu erreichen.

Ich weiß das.

Ich habs ja verstanden.

Man hat es mir oft genug mitgeteilt.

Begehren

Es gibt eine Form von Begehren, die sich auf den ersten Blick wie Intimität anfühlt, aber bei näherer Betrachtungsweise etwas ganz anderes ist.

Wenn eine Frau ausschließlich dann begehrt wird, wenn sie die Fantasien ihres Partner zu erfüllen in der Lage ist, wird sie vom Individuum zur pornografisch-emotionalen Projektionsfläche. Und Projektionsflächen haben keine eigenen Bedürfnisse – zumindest nicht in dem Raum, der Intimität ermöglichen sollte.

Echtes Begehren meint und sagt: „Ich sehe dich. Ich will dich. So wie du bist.“ Intimität entsteht in der Hinwendung zum Gegenüber in seiner Gesamtheit. Mit allen Ecken, mit Trauma, mit persönlicher Geschichte, mit all seiner Eigenwilligkeit.

Fantasiegebunde Begierde ist das Gegenteil: „Ich sehe, wie du meinen Bedürfnissen dienen kannst.“

Was das in Beziehungen auslöst, ist ein Gefühl von Selbstobjektifizierung.

Der Körper ist kein Ort von Empfindung und Hingabe mehr, sondern wird zum Instrument, das funktionieren und dienen muss, um durch die Erfüllung der Bedürfnisse des Gegenübers zumindest ein Mindestmaß an Nähe herstellen zu können. Wenn der Wunsch nach Verbindung übermächtig wird und man weiß, dass echte Begegnung unmöglich ist, dann nimmt man die Form von Nähe, die erfordert, dass man sich anpasst. Muss man seine eigenen existenziellen Grundbedürfnisse nach menschlicher Nähe über Jahre oder Jahrzehnte hintenanstellen, entsteht eine stumme Leere dort, wo Fülle vorherrschen sollte.

Echte Intimität braucht das verbindliche Gefühl, gemeint zu sein. Nur hieraus entsteht die Sicherheit, die Sexualität benötigt, um in Intimität verwandelt zu werden. Wenn Begehren an Bedingungen geknüpft ist oder wird, bricht nicht nur diese Sicherheit weg, sondern über Zeit auch ein Stück Identität.

Sexualität ist der intimste Raum, in dem wir uns zeigen, wie wir wirklich sind.

Wird dieser Raum zur Bühne seiner Fantasie, in der sie nurmehr eine von ihm benötigte und festgelegte Rolle spielt, bleibt sie selbst der Zuschauer.

24.04.2026

Es ist hart, all das loszulassen, wovon ich mein Leben lang geträumt habe.

Nun loszulassen, nach all der investierten Lebenszeit und Energie, nach den viel zu lange festgehaltenen Hoffnungen und dem Irrglauben, ich müsse nur genug Geduld, genug Liebe, weniger Bedürfnisse, weniger Ansprüche, genug Nachsicht haben, noch einen Fehler mehr verzeihen, noch eine Lüge mehr ertragen, noch einen weiteren Verrat verarbeiten, noch eine weitere zweite, hundertste, letzte Chance geben, war meine eigene Entscheidung. Ich kann all den Schmerz nicht mehr ertragen, ich kann einfach nicht mehr.

Aber all das, was mir im Namen von „wollte ich nicht“, „wusste ich nicht“ und „konnte ich nicht“ angetan wurde und dazu geführt hat, nun schlussendlich so allumfassend loslassen zu müssen, weil mein Leben ohne Glauben, ohne Hoffnung und ohne Zukunftstraum einfach keinen Sinn mehr ergibt, war nicht meine Entscheidung.

Und das Trauma, das hier entstanden ist, einmal mehr, das werde ich wohl nicht mehr aufarbeiten können.

17 Jahre

Du bist seit 17 Jahren tot. Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen, als ich um 21 Uhr ein so schmerzhaftes Ziehen in der Seele gespürt habe, dass ich den Mann gebeten habe, jetzt sofort im Krankenhaus anzurufen und zu fragen wie es dir geht. Die Frau am Telefon hat nicht geantwortet, sie hat nur gesagt, sie bringt das Telefon jetzt zu Oma, die die ganze Zeit an deinem Bett saß. Und Oma flüsterte leise, dass du vor wenigen Minuten eingeschlafen bist.

Du fehlst mir jeden Tag. Ausnahmslos.