Ich zähle nicht mehr die gebrochenen Versprechen, ich zähle die Male, die sich die Wunde des Ungeliebtseins Millimeter um Millimeter weiter schließt. Was auf den ersten Blick paradox erscheint, ist eine kompromisslose Rückkehr zu selbstwirksamer Stärke, die nicht am Verhalten eines anderen Menschen hängt, weil sie weiß, dass sie sich selbst genügt.
Und je weiter ich einen Pfad in diese Wildnis schlage, umso weiter wird der Riss in der steinernen Hülle in mir, die den Lavastrom aus Kreativität, Lust, Schaffensdrang und Lebendigkeit bändigt. Ich spüre, wie sie förmlich birst und diese grenzenlose Energie aus mir herausbricht.
Ich habe in diesem Jahr keine einzige Stunde im Garten gearbeitet. Zu schmerzhaft, dem Wachstum beizuwohnen, das ich in mir nur so mühsam unter Kontrolle halten kann, um nicht zu weit vorauszueilen. Um zu warten, dass ein Anderer bereit ist. Ich konnte es schlicht nicht ertragen, ich will das Entfalten von Lebendigkeit nicht bezeugen, wenn ich es in mir beschneiden muss.
Es ruft. Die Kreativität. Das Klavier. Der Garten. Das peitschende Verlangen, etwas Neues auszuprobieren, zu scheitern, zu triumphieren, den Schmerz des Versagens zu fühlen, sich der Lust zu ergeben, die jeder Sieg über sich selber durch den Körper laufen lässt.
Ich bin noch da. Ich stehe. Nach all der Zeit.
Ich stehe noch.