Einer muss da bleiben.
Einer muss Präsenz zeigen.
Einer muss weitermachen.
Einer muss Kraft aufbringen.
Einer muss über seine Grenzen gehen.
Einer muss für die Kinder da sein.
Einer muss sich selbst verraten.
Einer muss sich kümmern.
Einer muss es tragen.
Einer muss kochen.
Einer muss lächeln.
Einer muss reden.
Einer muss den Preis zahlen.
Tag: 16. September 2026
Fin
Viel klarer kann man einen Schlussstrich wohl nicht ziehen.
Ich werde das akzeptieren.
Zonk
Zonk ist ein einfach gestrickter Mann.

Das meine ich ausdrücklich nicht im Sinne mangelnder intellektueller Fähigkeiten, sondern im Sinne einer beneidenswert monotonen Prioritätensetzung.
Nach Feierabend raucht Zonk schnell eine, macht ein Bier auf und möchte dann bitte Schlüsselsteine laufen. Damit sind dann auch schon sämtliche Bedürfnisse dieses Mannes nach 21 Uhr benannt.
Zonk kommt ins Discord und fragt als erstes, wer in welchem Dungeon ist und ob dort ein Platz für ihn sei. Muss er auf einen Gruppenplatz warten, geht er entweder alleine und wir werden akustische Zeugen eines Schauspiels, das seinesgleichen sucht oder er wartet einfach.
Still. Denn er hört auch nicht zu. Das ist wichtig.
Menschen erzählen Dinge. Menschen haben Namen. Menschen begrüßen sich, Menschen berichten von ihrem Tag und führen Gespräche über Gott und die Welt. Zonk befindet sich währenddessen zwar im selben Discordchannel, geistig aber mehrere Welten entfernt und ignoriert alles, inklusive seines eigenen Namens.
Bis jemand „mythisch“ sagt. Zonk Zack – da funktioniert das Hörgerät wieder.
WELCHE HÖHE?
[Das ist vermutlich der Moment, in dem Zonks gesamtes Nervensystem hochfährt.]
Zwölfer? Lächerlich. Das ist ja quasi die Stützräderversion von Dungeonruns. Für Menschen, die noch Träume haben und ihre Mitspieler mögen.
Zonk sucht nach Herausforderung!
Genauer: Nach Spielern, die der Herausforderung gewachsen sind, mit ihm zu spielen.
Im Dungeon ist Zonk ein Mitspieler, dessen Fähigkeit zur Fehleranalyse außerordentlich zuverlässig funktioniert, solange diese Fehler von anderen begangen werden.
Das Faszinierende an Zonk ist, dass er sich während jedes Keys 30 Minuten lang über sämtliche Beteiligten beschweren kann. Und kaum ist der Dungeon beendet, egal ob erfolgreich, knapp, komplett eskaliert oder nur deshalb abgeschlossen, weil die vier anderen Spieler in der Gruppe ihren persönlichen Lebenswillen geopfert haben, kommt folgende Frage: „Noch einer?“
Hinter der andauernden Meckerei steckt also ganz offenkundig zu keinem Zeitpunkt der echte Wunsch, aufzuhören, im Gegenteil. Zonk motzt sich durch Azeroth wie andere Menschen Wanderlieder singen würden.
Schimpfen ist keine innere Kündigung.
Schimpfen ist Atmosphäre.
Andere Spieler benötigen Soundtrack oder Hintergrundmusik, Zonk benötigt jemanden, dessen Spielweise er kommentieren kann.
Die Gilde besteht aus 26 Menschen, von denen 19 regelmäßig im Discord sind.
Wie heißen die? Keine Ahnung.
Was spielen die? Keine Ahnung.
Was sind das überhaupt für Menschen? Keine Ahnung.
Zonk arbeitet zwischenmenschlich mit einem sehr viel einfachen Bewertungssystem: Hat dieser Mensch einen Schlüssel?
Und wenn ja – WIE HOCH?
Der Neocortext
Ich merke, wie ich inzwischen schon weit vor Anblick der Eingabemaske nach Worten ringe, die nicht dem Verstand, sondern dem Gefühl entspringen.
Ich lese mich durch die vergangenen Jahre und Monate und merke, wie die Fähigkeit, die Amygdala sprechen zu lassen und allein die Worte im Neocortex zu formen, sich Tag um Tag zugunsten eines komplett anderen Schreibstils zurückzog und bewundere dieses wortreiche aber gefühlsarme Konstrukt aus Hypothese, These, Antithese und Thesaurus in all seiner farblosen Pracht ohne es zu ermutigen, sich häuslich in meinem Schreiben niederzulassen.
Wenn Schreiben nicht mehr Ausdrucksform ist sondern ein Plädoyer der Verteidigung wird, dient Schreiben nicht mehr dem Ich sondern dem Du.