Ich merke, wie ich inzwischen schon weit vor Anblick der Eingabemaske nach Worten ringe, die nicht dem Verstand, sondern dem Gefühl entspringen.
Ich lese mich durch die vergangenen Jahre und Monate und merke, wie die Fähigkeit, die Amygdala sprechen zu lassen und allein die Worte im Neocortex zu formen, sich Tag um Tag zugunsten eines komplett anderen Schreibstils zurückzog und bewundere dieses wortreiche aber gefühlsarme Konstrukt aus Hypothese, These, Antithese und Thesaurus in all seiner farblosen Pracht ohne es zu ermutigen, sich häuslich in meinem Schreiben niederzulassen.
Wenn Schreiben nicht mehr Ausdrucksform ist sondern ein Plädoyer der Verteidigung wird, dient Schreiben nicht mehr dem Ich sondern dem Du.