Trüb

Von den einzigen Menschen, die mir vielleicht beantworten könnten, was damals alles passiert ist in diesen großen schwarzen Löchern in meiner Erinnerung, an deren Rand ich einfach nur eine Gänsehaut aus Angst und Schweiß und Panik und Ohnmacht fühle, habe ich mich abgewandt.

Ich weiß nicht, ob sie mir antworten könnten oder wollten oder ob es überhaupt die Chance auf Klärung gäbe, aber sie ist vertan. Ich werde mit diesen Menschen zum Glück nichts mehr zu tun haben. Die kurzen Blitze beschränken sich nicht auf sie, bei weitem nicht. Da ist so viel mehr im Dunkel. Nichts Greifbares, nichts Substanzielles, kein Wissen. Ohnmacht, auch ein viertel Jahrhundert später. Und doch sind sie da. Wenn der schwarze Schleier sich einen Moment lang hebt und eine Ahnung loslässt, bevor alles wieder in Finsternis versinkt. Vielleicht wäre es einfacher, einfach nur seltsam zu sein, einfach akzeptieren zu können, geistig vielleicht umnachtet, krank, sonstiges. Vielleicht bin ich das sogar und alles entspringt meiner Einbildung. Ich würde so gerne loslassen können.

Grübeleien sind sinnlos, wenn es keine Antworten geben kann.

Umdeutung

Nein, hier ist auch nicht richtig.

Ich sehne mich nach der moralisch unfehlbaren Bloggerin, die ich einst darstellte… Bevor Anne in mein Leben trat und alles veränderte. Sie hat angestoßen, in mir bewegt, mich bewegt, ich habe mich verliebt. Und ich zog die Kraft daraus, mich so anzunehmen, wie ich bin, sein will, mit Ecken und Kanten. Ehrlich zu sein.

Sie, die mir von ihrem kindlichen Missbrauch erzählte, von ihrer Multiplizität, die sich mir öffnete… Und ich habe all dem den Rücken gekehrt, was ich vorher hatte. Um weiterzugehen. Mit ihr gemeinsam.
Sie ist wieder dort, wo sie früher war. Ich bin… im Nichts. Irgendwo. Gefangen, befreit. Belogen.

Sie wurde nicht missbraucht, sie ist nicht multipel. Sie sagte es mir ins Gesicht und es bleibt die Frage, wie dreist jemand sein kann. Und ich frage mich, warum sie mich so sehr belogen hat. Warum sie so sein wollte.

Alles geht weiter, alles ist wieder prima bei ihr. Sechs lange und intensive Monate mit mir werden als Depression und Verwicklung in sich selbst abgetan und abgehandelt und waren nur negativ und ich vermute, dass es genau das ist. Sie ist einfach nur krank.

Nur Depression würde ich es nun nicht nennen.
Münchhausen vielleicht schon eher.

Beschissen

Soviel Katzenscheiße wie ich seit Monaten jeden Tag wegputze zehrt Nerven auf wie fünf zusätzliche Kinder.

Von Pfützen mal ganz zu schweigen. Heute ist dann wie jede Woche mal wieder Durchfall angesagt, das heißt, ich kniee also buchstäblich in der Scheiße. Wunderbar.

Noch einen Test gemacht.

Nonstop Sex gehabt. Eisprung, davor, danach, das Gefühl sagt nein und der Verstand sagt: müsste doch. Und es ist nichts.

Erfrischenderweise sagt ja sonst das Gefühl ja und der Verstand nein. Wie viele Fehlgeburten sind es inzwischen jetzt in Folge? Drei. Vier? Nicht gesichert.
Vor einem Jahr die vorletzte. Am 3. August, zwei Tage nach der Fehlgeburt 300 km weit weggefahren und einen Irrsinn mitgemacht, den ich mir im Nachhinein nur mit geistiger Umnachtung erklären kann.

Und vielleicht mit der verzweifelten Suche nach Liebe.
Abhaken. Weitermachen. Nächstes Jahr, nächstes Leben.
Alles gleich, sagt der Verstand, und die Hände bewegen sich unaufhaltsam und misten aus.

So langsam kommen wir vom Kleinen ins Große und was nun wochenlang kaum bemerkbar war, verursacht Gänsehaut.

Alles bleibt anders. Alles zurück auf Anfang.

Ekel

Benutzt, weggeworfen, beschmutzt.

Das ist so das, was ich empfinde, wenn ich lese, wie die intensivste Beziehung außerhalb meiner Ehe zu etwas degradiert wird, was man im besten Fall noch als Krankheit oder vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit bezeichnen kann.
All die Versprechen, die Worte, die Liebesbekundungen… nichtig. Nicht einmal trotz des katastrophalen Endes „damals wunderbar“ sondern einfach nur von Anfang an schlecht. Alle Worte und Gefühle aus 7 Monaten negiert. Stattdessen wird der große Held eine Figur aus dem Nebenschauplatz, die so lange keine Rolle spielte, wie man mich belogen hat. Vielleicht auch dabei.

Wer weiß das schon.

Tränenmeer, Anne

Weinend vor dem Computer zu sitzen ist ein guter Moment, seine Grenze zu definieren. Und auch mitzuteilen. Warum nur habe ich das Gefühl, Schuld zu tragen? Am Misslingen? So müde.
Jetzt ist es raus und es wird sich nichts ändern. Wie konnte ich nur so blöd sein.
Es ist an der Zeit, Lebewohl zu sagen.

Zu spät

Da ist er also, der Zeitpunkt, an dem jene Grundwahrheit, lange bezweifelt, lange bekämpft und schließlich glückstaumelnd angenommen, ihr wahres Gesicht zeigt.

Das der Illusion. Und alle Illusion zerfällt zu Staub. Staub der Lächerlichkeit.
Haha, selber schuld. Hättest du mal, wärst du doch…

Zu spät. Einfach nur zu spät,

Lebensmüll

Ich muss Ballast loswerden.

Diesen ganzen Müll, den man Einrichtung schimpft. Ich fühle mich beklemmt, wenn ich mich umsehe. Weg. Nur weg damit. Äußere und innere Ordnung. Altlasten.

Dinge, auf denen die Namen meiner Eltern stehen.

Weg.

Gildenleitung

Erkenntnis. Da ist keine Freude mehr, kein freudiges Hallo, keine Umarmung, kein Willkommen um seiner selbst Willen. Es wurde erwartet, dass mit Erreichen der Endphase automatisch eine Überlegenheit einstellen würde. Nun ist das nicht passiert, in einer ganzen Woche nicht und was bleibt ist die Enttäuschung darüber, nicht bestätigt zu bekommen, was man doch eigentlich längst wusste: Besser zu sein. Wertvoller für die Gruppe. Und ich kann nur schulterzuckend nach vorne sehen und meinen Weg weitergehen. Und auch das stößt auf. Ich habe in den letzten Monaten Aufbau und Management so viel für andere getan, dass ich erleichtert aufatmen kann und mich auf nächste Woche freue. Das ist für mich. Nur für mich. Verdient. Ich habe mich bemüht und angestrengt und habe Kontakte geknüpft neben diesem ganzen anderen Tagwerk, dass immer nur darauf ausgerichtet war, eine Gruppe von Egomanen zu einer Gemeinschaft zu führen. Wir sind auf dem Weg, aber noch lange nicht irgendwo, wo man sagen könnte: das wird was. Ausnahmen gibt es. Wenige. Sehr wenige. Zu wenige.
Mein Fehler, mich so sehr davon abhängig zu machen, dass es läuft. Reibungspunkte waren bis vor ein, zwei Wochen quasi nicht vorhanden. Erst jetzt, wo jeder ein wichtiger Teil sein will, sieht man, dass das Fundament fehlt. Unentbehrlich sein zu wollen verträgt sich nicht mit Gemeinschaft. Und Lernresistenz nimmt auch noch den letzten Spaß.
Ach, das macht doch nichts. Machen wir es halt nochmal.


Ja. Verharren in der Mittelmäßigkeit. Ohne Anspruch an uns selber.

Endgültig [Anne]

Das Wissen darum, dass jeder Schrei, jede Träne im Nichts landet, ohne Hoffnung, ohne Zuspruch, weicht der bittersüßen Erkenntnis, dass es dann kein großer Verlust sein kann, mein Leben.
Ein letzter Blick zurück ins Nichts. Kein Seil, kein Anker, keine Hand. Das solls dann gewesen sein. Das war es. Der nächste Schritt ist der in den Abgrund und ich winke ein leises Lebewohl nach hinten.

Es wird niemanden interessieren.