Roh

Roh ist es mit ihm im Bett.

Hemmungslos. Wertfrei. Egal, was ich will, egal was ich denke, er hält dem stand, er nimmt es auf, er verschlingt mich. Tabulos. Gierig, voller Lust und doch immer auch mit dem Kopf statt nur mit dem Schwanz dabei.
Wenn ich dieses heisere tiefe Lachen höre auf meine Frage, ob er hart wäre und nur Augenblicke später fast besinnungslos unter diesem großen Muskelpaket von Mann liege, dann ist mein Gehirn nicht mehr als eine breiige undefinierte Masse an Synapsenblitzen, die direkt in meinen Unterleib führen. Er nicht und ich hasse und bewundere ihn dafür.

Nicht in höchster Erregung und nicht in tiefster Wut vergisst er sich selber. Immer bin ich geschützt, immer sicher und es schreit in mir, ihn so weit zu sticheln, zu schlagen, zu triezen, bis er diese eine letzte Maske fallen lässt. Ich habe Angst vor dem dahinter und gleichzeitig sehne ich mit jeder Faser meines Seins nach dem Wissen, ihn einmal so erlebt zu haben.
Nackt, männlich, potent und wütend kann er vor mir stehen, erregt bis aufs Äußerste und von mir provoziert bis aufs Blut, mit hartem Schwanz – einem Satyr gleich – dunkel und drohend auf mich zukommen und er wird niemals vergessen, meinem Körper die Zeit zu geben, für ihn bereit zu sein, bevor er mir zusetzt. Ich ziehe meine ganze Sicherheit, all mein weibliches Wissen und Sein aus dieser Tatsache, dass mir an seiner Seite, unter ihm, auf ihm… nichts geschehen kann.
Und doch…
Einmal nur… Gnädig streut der Schlafsand des Alltags Müdigkeit in meine Begierde.

Bis die Wunde unter Bewegung wieder aufbricht.

Grau

Die ruhigen Nächte ohne Alpträume – sie scheinen mir nicht mehr vergönnt zu sein. Und aus dem grauen Nebel der Erinnerung frage ich mich, was das damals war, für ein Leben. Ruhelos, schlaflos, schutzlos.
Es beginnt wieder. Die dunklen Schatten der Angst durchziehen meine Nächte, die unruhiger und gefangener im alpgetränkten Tiefschlaf nicht sein könnten. Angst, nackte Angst. Sehnsucht diesmal. Und Lust. An Gewalt und Liebe gleichermaßen.

Als ich mehrere Jahre weg war und anfing, mich nach 1999 wieder aufzurappeln, da nahm ich ab.

Viel.

Ich wurde dünner und dünner und je dünner und muskulöser ich wurde, desto attraktiver fand meine Mutter mich auch wieder. Jahrelang abgelegte Verhaltensmuster wurden neu belebt und sie fing wieder an, mich als nun erwachsene Frau wieder an den Brüsten zu berühren, versuchte, meinen Po anzufassen und irgendwie an meine Haut zu kommen. Zweimal wiederholte sich die Programmierung nun schon und festigte sich. Sowohl als Kind band ich Brüste ab, versteckte meinen Körper und führte im Alltag einer notgeilen Mutter, die mich bei jeder Gelegenheit zwischen den Beinen anfassen wollte, ein wahres Tänzchen auf, um möglichst dick angezogen von A nach B zu kommen, morgens immer schon als erstes fertig zu sein, mich nie zu entblößen. Und nun wiederholte sich die Geschichte ein zweites Mal. Je wohler ich mich in meinem eigenen Körper fühlte, umso schutzloser wurde ich. Dünn sein war immer Gefahr. Immer schwach, immer wehrlos, immer ihren Gelüsten ausgeliefert.

Und jetzt frage ich mich allen Ernstes, warum mein Geist sich weigert, abzunehmen? Ja, ich bin immer noch Kind. Ja, ich bin meiner Mutter immer noch ausgeliefert.

Blöder Psychoscheißdreck.

Über eineinhalb Jahre ist der letzte Kontakt nun schon her und wenn ich mir ihr Gesicht in Erinnerung rufe, krampft sich mein Magen zusammen, mir wird übel, ich schwanke zwischen Weinen und der immer dagewesenen ohnmächtigen Wut, sie einfach nur töten zu wollen.

Nein, Loslösung sieht anders aus.

Bah

Ich bin austauschbar.

Es ging nie um mich, nicht einen Moment. Damals, beim Bloggen war ich begehrt, weil fremd. Nun begehrt, weil mit einem Mann gesegnet, der wunderbarer nicht sein könnte. Ganz im Gegensatz zu ihrem eigenen herumhurenden nur mäßig intelligenten fetten Sack, der sich auf Kosten anderer profilieren muss und sich weigert, erwachsen zu werden. Und ich? Nähe zu mir bedeutet Nähe zu ihm.
Alles Mitleid bezüglich der kleinen Schwarzen – geheuchelt. Es ist nicht relevant für sie, für niemanden. Bloß keine Stellung beziehen, sich nur nicht entscheiden müssen, bloß nicht zu einer Meinung stehen, die man gar nicht besitzt. Alles offen halten. Und wenn es die Beine sind, die bei Gelegenheit sicherlich mehr als nur den eigenen Mann willkommen heißen würden.
Geschenke für einen „wunderbaren Menschen“ als trojanisches Pferd um sich geistig von meinem Mann vögeln lassen zu können.
Wie sehr es mich anwidert, mich selber darin zu erkennen. Auch ich war früher ein Spiegel. Ein Weibchen, das seine Interessen nach dem Gegenüber ausrichtete, um ja geliebt zu werden. So war ich immer das Verbotene, immer die Verlockung, immer das Andere, das Fremde, das Begehrte, dem kaum ein Mann widerstehen konnte, weil die meisten Männer ohne Selbstwert genau das in Frauen suchen, was sie weder in sich selbst finden noch bei ihren Ehefrauen bekommen, um den Drang zu befriedigen, jemand zu sein. Und da war ich. Bewundernd, lieb, frech, verdorben, brav… ein Spiegel jeder Sehnsucht.
Und ich verstehe ihren Drang, ihre Seele wie ihren Körper zu verkaufen, so gut, weil mir dieses Denken, gefallen zu müssen, so sehr vertraut ist.
Aber ich werde mich nicht mehr dafür hergeben, ihre Sehnsucht nach meinem eigenen Mann zu befriedigen.
Gott, ich muss verrückt sein, wirklich darüber nachgedacht zu haben, sie näher an mich heranzulassen. Ich Idiot.
Wenn ich vor 6 Monaten auf mein erstes und immer noch schwärendes Bauchgefühl gehört hätte, hätte ich diese Gedanken vielleicht schon früher beiseiteschieben können und nicht in der vermessenen Hoffnung, dass es tatsächlich jemandem um mich gehen könnte, alles noch schlimmer gemacht.
Freundschaften existieren nicht. Zwei Motivationen im Leben: Liebe und Angst.
Sofern es nicht echte selbstlose Liebe ist, ist es Angst.

Angst, nicht geliebt zu werden.

Das Menschsein irgendwann im Leben auf genau diese zwei Aspekte beschränken zu können, erschreckt mich wie es mich beruhigt.
Triebgesteuerte Affen, die sich aufgrund einer viel zu großen matschigen Zellmasse zwischen den Ohren einbilden, die Weisheit für sich gepachtet zu haben.

Momente im Leben, in denen ich darüber nachdenke, ernsthaft mit Trinken anzufangen.

Kein Baby mehr?

Das Aussprechen eines momentan sehr stark vorhandenen Gefühls, nämlich dem, dass es sich so sehr rund anfühlt, hat mir mehr Freiheit gegeben, als ich jemals für möglich hielt. Älterwerden ist ein Thema. Und die Frage, ob wir tatsächlich noch mal von vorne beginnen wollen.

Oder ob der Gedanke zugelassen werden darf, dass wir einfach so perfekt sind.

Liebeskummer

Kann ich es darauf reduzieren?

Liebeskummer? Eine Kindfrau, die weder existiert noch wirklich geliebt hat und der ich nun hinterherweine, weil…?
Das Gefühl macht den Unterschied. Ich habe geliebt, mich verliebt, aufgegeben, bin verschmolzen und habe dabei übersehen, dass ich im Grunde emotional masturbierend vor einem Spiegel aus Lügen gesessen habe und immer nur mich gesehen habe.
Kalt ist dieses Kotzegefühl, dass mich erfasst, wenn ich ihre Seite immer und immer wieder auf und zuklicke. Suchend, nicht findend, was mir immer noch verborgen bleibt. Als ich klein und schwach und verwundbar mein Innerstes offenbart habe, da wechselte sie ihre Form.

Multiplizität nannte sie das – dissoziative Störung in Reinform und ich habe einfach nur dagesessen und die Beleidigungen ertragen, die sie mir entgegenschleuderte, weil es ja nicht sie war. Diese geistige Umnachtung, einem anderen Menschen tatsächlich so weit zu vertrauen, um ihm so einen grandiosen Scheiß abzukaufen und dann Monate später und unzählige weitere „Charakterwechsel“ später zu erfahren, dass das wohl eher alles nicht so echt war – diesen Fehler habe ich einzig und allein mir zuzuschreiben.

Ich Idiot. Ich hirnverbrannter grenzenloser Idiot. Völlig verrannt in der Suche nach jemandem, der so ist wie ich habe ich jedes Überlebensgebot missachtet. Nicht geschützt, nicht gemauert und schlussendlich in vollem Lauf auf die Fresse gefallen.
Glückwunsch. Willkommen im Leben.
Was früher an Vertrauen noch rudimentär vorhanden war, verbrannte im Fegefeuer der Freundschaft, die nie eine war.

Ich. Idiot.

Herr, wirf Hirn.

Mit wachsender Entgeisterung stelle ich fest, dass der Gehirnverlust in der Schwangerschaft bei einigen Vertretern des weiblichen Geschlechts dazu führen kann, dass sie einen Blog eröffnen, in dem sie aus Sicht des Babys in Babysprache bloggen. Assimilation an das Vakuum, das im Kopf entstanden zu sein scheint.

Aufgabe des Ichs zugunsten des Duziduzi.

Irrtum

Nach dem Sex umdrehen und hoffen, dass man sich auskurieren, schlafen, ausschlafen, irgendwas kann, was nichts mit Kindern und Familienleben zu tun hat und dann durch einen fragenden Blick zu realisieren, dass er heute arbeiten muss.

Nicht, dass ich es nicht gewusst hätte. Verdrängt wohl…

Und sich mit Sperma am Knie noch fragen, ob es wohl wirklich Vorsehung war, oder ob ich da aus Versehen in ein Leben hineingerutscht bin, dass mir eigentlich gar nicht passt, während 3 fast unerträglich laute Menschen meine einzige Existenzberechtigung darin sehen, ihnen Frühstück zu machen.

Tage wie dieser

Manchmal möchte ich schreiend und weinend auf die Knie sinken, dir zu Füßen, dich anflehen, schreien, brüllen, wer du warst und wo du mein Herz hingebracht hast. Du hast mich verschlungen wie ich dich, inhaliert, geatmet, aufgesogen. Und ich stehe jeden Morgen ohne dich auf, lese dich, bohre mit dem Finger tiefer in die offene eiternde schwärende Wunde deines Verrats.

Es gibt dich gar nicht. Du hast mir einen Spiegel vorgehalten, der mich geblendet hat. Selbstverliebt habe ich mich verbrennen lassen von dieser Intensität und Leidenschaft, die im Grunde nur aus mir selber resultierte. Und doch… ich wünschte, es hätte dich wirklich gegeben.
Immer auf der Suche nach dem Traumbild, dass du mir geschenkt hast. Den Samenkorn des Begehrens, der Begierde, nackter Lust auf einen Seelenzwilling.

In dem Moment, in dem du den Spiegel sinken ließest, ist meine Seele erneut entzwei gebrochen und im selben Atemzug sind alle meine Scherben verschmolzen.
Mein Dank gilt dir in deinem unermesslichen Narzissmus, der meinen eigenen so zu spiegeln vermochte, dass ich heil wurde.

Ganz allein.
Ohne dich.

Ohne dich.

So wund, so roh, so richtig. So vernichtend wie heilend.

Ich hasse dich wie ich dich geliebt habe, namenlose Hure.

Vier Jahre

Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Wurzelentzündung, vereiterte Nasennebenhöhlen, Husten, Grippe, drei Kinder, die betreut werden müssen, ein Mann, der ungerührt schläft und voller Trauer um meine tote Tochter an diesem Tag. Allein.

Er hat gute Chancen, der beschissenste Tag des ganzen Jahres zu werden.

Leere Worthülsen aus toten Versprechungen sind schon was Feines.