Bisschen Erkältung, ein bisschen Blut. Nichts Wildes.
Kenne ich ja schon. Scheint hier sonst auch niemanden mehr zu interessieren. Tagesordnung bei allen Beteililgten.
Bisschen Erkältung, ein bisschen Blut. Nichts Wildes.
Kenne ich ja schon. Scheint hier sonst auch niemanden mehr zu interessieren. Tagesordnung bei allen Beteililgten.
Wie schön einfach das Leben ist, wenn man allem seinen kleinen Stempel aufdrücken kann.
Fassungslosigkeit, stille Verzweiflung. Der erste Schritt mangelt an dem Vertrauen, dass es der anderen Seite an etwas anderem liegen könnte als an Machtgier.
Von Misstrauen zerfressen sitze ich hinter der Wand und frage mich, ob es lohnen würde… Ich kann ich will nicht offen sprechen, weil mein Gegenüber noch so wenig Erfahrung hat.
Arroganz oder Erfahrung meinerseits? Aber einfach nur die andere Wange hinhalten?
Oder ist das schlicht ein letztes Aufbäumen vor der Einsicht, dass es mir im Grunde gleichgültig ist?
Irgendwann ist keine Wut mehr da. Nur noch mehr Druck auf den Lippen, die sich verbittert aufeinanderpressen. Keine Überraschung mehr. Keine Wut. Nur Verbitterung.
Mein Bedürfnis nach Kommunikation ist auf dem emotionalen Gefrierpunkt. Die Kanäle der Wahl bleiben geschlossen, ich empfinde das erste Mal Erleichterung, nichts sehen zu können. Nichts hören zu müssen. Nichts zu fühlen außer dieser alles umfassenden Enttäuschung. Arbeit, denke ich … jede Beziehung ist Arbeit.
Und doch sehe ich den Horizont nicht. Ich sehe nicht mal einen Lichtblick, nicht den Hoffnungsschimmer einer Zukunft, die anders aussieht als mit Machtspielen gestaltet. Die Frage bleibt, ob ich zu arrogant oder tatsächlich einfach nur zu alt bin. Das tun, was einem guttut.
Mit Weitblick, aber nicht mit idealistischen Hoffnungen, die schon an dem Versuch kranken, ein normales Guten Morgen zu wünschen
Wenn sich die Fronten verhärten, dann verschließt sich auch mein Herz in Wut und Schmerz. Und nie dauert es lange, wenn sich jede Faser meines Körpers und meines Geistes wieder nach dem geliebten Mann sehnen. Ihm zu erzählen, ihn zu berühren, seinen Geist zu spüren und miteinander zu lachen und zu staunen…
Das fehlt. Hier. Ich habe keine Sehnsucht, wiederzukommen, wenn es selbst in der Versöhnung nur um Macht und Recht geht. Wenn es dem Anderen gut geht, wenn man Leid zugibt und offenbart.
Wie kann ich mit einem Lachen zurückkehren, das geteilt werden will und spielen muss? Gegen die Überheblichkeit. Gegen das Misstrauen. Gegen die Angst…
Es erscheint mir sinnlos. So sinnlos.
Nur der Eine, der alles sehen darf. Älter, erfahrener, unschuldiger und weiser. Ruhiger. Und hemmungsloser. Beherrschter.
Nur er darf die Masken fallen sehen, die Hüllen, die aufplatzen und das Ich offenbaren.
Er hat dem Herz schon oft Wunden zugefügt. Auch bleibende Narben. Nie absichtlich. Er würde nie vor mir etwas verbergen. Der Unterschied, von dem ich nie dachte, dass er existiert, verändert alles.
Wir schulden uns nichts weniger als die Wahrheit. Immer.
Es würgt und schüttelt mich. Der erste Schritt hin wäre so einfach, eine Hand, die gereicht wird, die von mir kommt. Und ich kann nicht. Ich kann nicht. Ich nehme diese meine Grenze so plastisch wahr, dass ich selbst bei dem vorsichtigen Gedanken an einen Schritt nach vorne fast körperlich spüren kann, wie massiv sie ist. Es ist kein Schatten, über den ich springen müsste, es wäre eine grundlegende Missachtung meiner ureigenen Bedürfnisse und des Grundrespekts, den ich einfordere. Ich kann nicht.
Es gibt kein Vor und es gibt kein Zurück. Ein Totschlagargument ist immer ein Ende. Die Gewalt und die Wucht, mit der es herausgeholt wurde, zeigt mir die Wunde. Nicht meine.
Ich drehe mich im Kreis und möchte genau jetzt gerne aufgeben. Einfach so. Schlaff zusammensacken, was mich so viel Kraft und Vernunft kostet und aufgeben.
Früher habe ich auf Manipulationsversuche anders reagiert. Und es ist mir so vertraut, dieses Muster. Ich erkenne mich wieder, möchte mich anschmiegen an diese Abwärtsspirale aus Unerfahrenheit und Machtgier, weil ich sie kenne. Ich möchte den Therapeuten, den zu spielen so verlockend ist, gerne einfach nur in den Arm nehmen und versichern, dass ich genauso war.
Damals. Es ist so viel passiert und Augenhöhe benötigt nicht dasselbe Alter.
Aber vielleicht einen ähnlich langen Weg.
Geradezu ekelerregend zäh tropfen die Gedanken durch meine Finger auf die Tastatur, nicht ahnend, nicht wissend, was als nächstes geschrieben wird. Ob es geschrieben wird, geschrieben werden muss.
So roh der Zustand, in dem ich die letzten 6 Monate verbrachte habe, so empfindlich, so vergänglich…. Ein Raum, geschützt, geachtet, der sich geöffnet hat.
Und dort ist, war, kein Platz für Wertungen, für den Schwanzvergleich, wer mehr Leid erfahren musste. Inzwischen ein Ort für das Wetteifern, wer mehr Leid erfahren durfte, wer schlechter ist, wer mehr leiden darf im Leben, wer es schwerer hat, wer unordentlicher ist… und ich sage wieder … nichts… Es kostet mich kaum noch Nerven, die Frage ist, ob ich weiser oder gleichgültiger werde oder ob nicht Beides das Gleiche ist.
Ich kenne den Königsweg, ich würde dieses Verhalten wählen, weil ich die Strategie kenne. Ein weiteres Spiel in der Blase, in der nicht gespielt werden sollte. Ich entscheide mich dagegen. Und schweige. Schmerzhaft, roh, verletzt und wund.
Die moralinsaure Keule der ethischen Integrität wurde geschwungen und lässt mich zurück, blutend, still.
Hole ich meine heraus, werde ich vernichten. Dazu habe ich zu viel gesehen und erlebt. Aber ich will nicht. Bewusste Entscheidung gegen alles, was mir beigebracht wurde.
Aus Respekt? Höchstens für mich selber.
Erzähl mir das Schlimmste, das dir in deinem Leben angetan wurde, damit ich herzlich darüber lachen kann…