Nackt

Zu den eher unangenehmen Momenten meines Lebens gehört das Sitzen auf einer Polizeistation um 2 Uhr nachts, in der mir die Jacke abgenommen wird, die wenigstens ein bisschen Wärme spendete. Beweismaterial. Bitte ausziehen und hier in den Sack stecken…

Ich sitze ohne BH in einem dünnen Pullover dort in eisiger Kälte und werde von Beamten befragt, wieviel Unterwäsche ich zum Zeitpunkt des Übergriffs denn überhaupt angehabt hätte.

Ein Traum. Kommt gerne auch mal als Alptraum wieder.

Der einzige Schutz, den ich damals hatte, war mein Hund. Als die Polizisten nachts in meine Wohnung kamen, mehrere Männer – verlangten sie als erstes, den Hund zu sichern.

Die zweite Aussage war ein anklagendes: „Warum haben Sie dem Hund denn das Blut von der Schnauze gewaschen?“

Ich hatte damals weder Kraft noch Mut, etwas zu entgegnen. War nur froh um dieses weiche helle Fellbündel, das endlich auch wieder sauber sein sollte. Das durfte ich leider nicht mitnehmen, als ich in einem großen Polizeiwagen in die Polizeistation gefahren wurde.

Hinten, wo die Verbrecher sitzen. Allein. Vorne die Männer, die sich lustig scherzend über ihren Abend unterhielten. Stunden später wurde ich genauso wieder nach Hause gekarrt.

Um weitere Stunden später am nächsten Morgen aus der Wohnung geklingelt zu werden, weil das BKA vor der Tür stand. Ein schwacher Trost, dass die wenigstens vernünftige Autos hatten, mit denen ich in ein Polizeigebäude gefahren wurde, in dem ich einige Stunden meines Lebens verbracht habe.

Nach zwei Stunden Verhör Protokoll wusste ich allerdings nicht mehr, wer nun der Täter und wer das Opfer war. Es folgten weitere Stunden, in denen jede einzelne Sekunde des Tathergangs immer und immer wieder wiederholt, hinterfragt und aufgeschrieben wurde. Von hinten – eher von hinten links oder eher von hinten rechts? Roch der Atem? Wonach? Roch der Körper? Welche Teile? Wonach? War er gewaschen? Schmutzig? Und alle halbe Stunde der Hinweis, dass eine Falschaussage strafbar sei.

Ich hatte später erschöpft und weinend meine Mutter angerufen. Es war der Punkt, an dem es tiefer nicht mehr ging und die einzige Sehnsucht war die nach einer Mutter. Nach Trost in seiner reinsten Form. Eine Mama. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Hilf mir.

„Du schaffst das schon.“, sagte sie und verabschiedete sich in den Urlaub.

Die folgende Einsamkeit und Stille war ohrenbetäubend. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hörte etwa zwei Wochen lang nichts mehr. Gar nichts. Mein Anker war mein Kater Timon. Er legte sich zu dieser Zeit immer wieder unbeirrbar – egal, wie oft ich ihn runterschubste – auf mein Herz und fing sofort an zu schnurren.

Irgendwann kapitulierte ich dann und schlief hemmungslos weinend vor Erschöpfung ein. Wachte ich auf, sah ich in zwei Katzenaugen, die mich wachsam ansahen. Er hat sich kaum von der Stelle gerührt, wenn ich schlief. War ich sehr unruhig, legte er sich an meine Schulter, hielt aber immer den Körperkontakt.

Der Hund machte es ähnlich. War er damals schon so weit erzogen, dass er eigentlich seinen Platz im Korb kannte, schlich er seit dem Tag immer wieder ins Bett und legte sich neben mich. Er drängte mich an die Wand, so dass er zwischen mir und der Tür liegen konnte. Wann immer ich im Halbschlaf zu ihm sah, lag er dort, majestätisch wie die Sphinx selber mit aufgerichtetem Kopf – die Ohren wachsam zur Tür gestellt. Manchmal knuffte er mich mit der Schnauze zur Beruhigung und nahm dann wieder seine Stellung ein.

Wenn jemand zu dicht an meiner Haustür vorbeiging, kam ein leises tiefes Grollen aus seiner Kehle und ich spürte, wie sich jeder einzelne Muskelstrang anspannte.

Aufbruch

Einige wenige Wochen, nachdem wir uns vor dem Standesbeamten und unseren besten Freunden ewige Treue und Wahrheit und Ehrlichkeit und den ganzen Schmonz geschworen hatten, war ich mit unseren Mitbewohnern in unserer Wohnung. Ich räumte ein bisschen herum und mir fiel mir ein kleines schwarzes Buch in die Hände. Es sah aus wie ein Tagebuch. Jetzt ist es so, dass – wenn man mit drei Männern zusammenlebt – es nicht immer eindeutig ist, wem was gehört. Ich ging also ins Wohnzimmer und fragte: Gehört einem von euch dieses Buch hier? und sah in zwei entsetzte Männergesichter.

Meine neugierige Seite dachte noch belustigt, dass ich bei diesen Gesichtsausdrücken besser hineingesehen hätte… Einer der beiden stürzte auf mich zu und riss mir das Buch aus der Hand. „Hast du reingesehen?? Das ist meins!“

Ich blickte ihn irritiert an und zu meiner Neugierde gesellte sich ein seltsames Gefühl. Ich sah in seine Augen.
Zu dem Buch.
In seine Augen.

„Du lügst mich an, Owi.“

Sein Augenausdruck bestätigte mir, dass ich Recht hatte.

„Du LÜGST! Gibt mir das Buch!“

Er nahm es fester in die Hand und verschränkte die Arme. „Nein.“

Für Moral, Anstand oder weiteres Denken war in meinem Kopf kein Platz mehr. Mein ganzes Dasein fokussierte sich darauf, dass ich den Inhalt dieses Buches kennen muss.

„Es gehört ihm, oder? Gib mir das Buch oder sag mir, was dort hineingeschrieben wird!“

„NEIN!“

Ich sah nur noch rot und mein Denken bestand nur noch aus schwarz und weiß. „Wenn du es mir nicht gibst, erzähle ich deiner Verlobten, dass du  am Wochenende auf dem Kneipenklo ihre beste Freundin gevögelt hast.“

In dem Moment, in dem ich es aussprach, wusste ich, dass unsere Bekanntschaft zuende war. Ich habe einen Preis zu zahlen. Immer. Und in der Tat, einige Tage später sollten wir unsere Wohngemeinschaft auflösen. Druck erzeugt immer Gegendruck. Er sackte in sich zusammen. Sein Fokus war wieder bei sich selber. „Woher weißt du das?“

„Du hast es mir gerade bestätigt. Gib mir das Buch.“

Hochrot und wutentbrannt schleuderte er mir das Buch entgegen und rannte aus der Wohnung. Die Tür fiel ins Schloss und es herrschte Totenstille. Ein Paar Männeraugen blickte mich an.

Sascha, der all das stumm verfolgt hatte, sah mich an und sagte nur leise: „Ich würde das an deiner Stelle nicht lesen, Süße.“

„Ich muss.“, sagte ich und er neigte den Kopf zur Seite und steckte sich eine neue Zigarette an.

„Ja. Vielleicht. Sei dir nur sicher, dass du mit der Entscheidung leben kannst.“

Ich blickte ihn an und hob das Buch auf.

„Soll ich gehen?“, fragte er und blies den Rauch in die Luft.

„Ja.“

Er stand auf, nahm seine Jacke von der Garderobe und blieb vor mir kurz stehen. Nahm meinen Kopf in seine Hände und drückte mir einen Kuss auf die Stirn. „Ich bin bei meinem Freund, wenn du jemanden brauchst, komm zu uns.“

Ich nickte.

Als ich allein war, setzte ich mich in meinen Sessel und holte tief Luft. Ich schlug das Buch auf. Ein Tagebuch. Das Tagebuch meines frischangetrauten Ehemannes. Ich überblätterte Kriegsberichte, kleine und größere Affären und irgendetwas trieb mich, die Zeit um unseren Hochzeitstag zu suchen. Da stand es. Dreiundzwanzigster Mai, geschrieben morgens, einige wenige Stunden vor unserer Hochzeit.

„Oh Gott, warum liebe ich Imme nur so? Warum kann Imme mich nicht genauso lieben wie ich sie? Ich brenne vor Sehnsucht und möchte ihren zierlichen kleinen Körper im Arm halten und ihr blondes Haar streicheln. Für immer. Mit ihr alt werden. Gestern Abend habe ich ihr alles gestanden und sie hat mich umarmt und mir Glück gewünscht. Sie liebt mich nur als besten Freund. Nicht mehr. Habe wieder die ganze Nacht von ihr geträumt…“

Ich blinzelte. Ich klappte das Buch zu. Und blinzelte noch mal. Ich stand auf und ging im Raum herum. Setzte mich wieder hin. Blinzelte, schlug das Buch auf und las noch mal. Und noch mal. Und noch mal.

Mir wurde kalt und ich saß dort. Stundenlang. Hatte weder Wut noch Trauer in mir, nur völlige Fassungslosigkeit. Mein Geist weigerte sich, diese Worte zu verstehen. Ich las immer und immer wieder, blätterte noch vor und zurück und entdeckte mehr Dinge, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließen. Eiskalt.

Das war der Mann, der in der Nacht zuvor liebevoll geflüstert hatte: „Ich möchte ein Baby von dir.“ Das. Genau das.

Ich habe viel geblinzelt und noch mehr den Kopf geschüttelt, aber es wurde nicht besser. Ich nahm die Information nicht auf, die da gnadenlos immer wieder an mein Gehirn gesendet wurde. Irgendwann stand ich auf und wenige Minuten später hörte ich den Schlüssel im Türschloss. Er war zuhause. In voller Kampfmontur, Waffe noch am Körper.

„Ich hab dein Tagebuch gefunden und gelesen.“

Da macht man sich Gedanken, was man in so einer Situation tun würde, überlegt sich die hitzigsten Auftritte und dann kommt so ein schlaffer Satz aus dem Mund.

Ich sehe, wie sein Körper sich anspannt. Die Wut steigt hoch und die Adern fangen an zu pochen. Und ich fühle mich einfach nur wie ein nasser Sack.

„Ich hab auch die Stelle gelesen, an der du geschrieben hast, dass du Imme liebst. Und dass du beim Sex mit mir an deine Exfreundin Sandra denkst.“

Der Mann vor mir wuchs vor lauter Wut in Höhe und Breite. Ich war fast morbide neugierig darauf, was nun passieren würde. Egal war es mir in dem Moment allemal. Wie betäubt mein Denken und Fühlen. Er schrie. Ziemlich laut.

„Was hast du an meinen Privatsachen zu suchen???“

Ich war irritiert. Ich erfahre, dass er eine andere liebt und beim Sex mit mir an seine Exverlobte denkt und er macht sich Gedanken über so was?

„Du liebst Imme!“

„JA UND???“, schreit er mir voller Zorn entgegen. „WAS HAST DU AN MEINEN SACHEN ZU SUCHEN???“

Ich höre ihn, ich verstehe sein Problem nicht. Als ob er Imme nicht lieben würde, wenn ich es nicht gelesen hätte. Wo ist der Unterschied?

„Du hast dir am Tag unserer Hochzeit gewünscht, mit ihr zusammen zu sein!! Warum hast du mich denn überhaupt geheiratet???“

Das Gefühl kam langsam wieder.

„WEIL SIE JA NICHT WOLLTE!!!!“

Er stampfte an mir vorbei und mein Gehirn hatte wieder leichte Verarbeitungsprobleme. Der Abend und die Tage und Wochen und Monate die folgten, waren gelinde gesagt bizarr.

Ich war jung, ich war dämlich, ich hatte mir in den Kopf gesetzt, nicht kampflos gegen eine kleine blöde Blondine die Flinte ins Korn zu werfen und meine Ehe zu beenden. Nicht mit mir! Ich sollte Monate später erkennen, dass ich genau das tatsächlich war: Jung und dämlich und ich Idiot hatte den Falschen geheiratet.

Als ich ihm an einem  Montagmorgen im darauffolgenden Frühling mitteilte, dass in einigen Stunden das Umzugsunternehmen kommen würde, ich hätte eine neue Wohnung, sagte er nur: „Ja. Dann machs gut. Ich muss zur Arbeit.“

Meine Tante Erika war da und beruhigte die besorgten Möbelpacker, dass mein lautes Schreien und Weinen nichts mit ihnen zu tun hätte und reichte Brötchen mit Hack und Zwiebeln.

Meine Hälfte der Möbel war verstaut, wir waren fertig. Ein letzter Blick durch die Räume und ich schloss die Tür hinter mir und warf den Haustürschlüssel durch den Briefkastenschlitz.

Der kleine fünfmonatige Welpe neben mir, den mein Mann mir zur „Versöhnung“ geschenkt hatte, sprang an mir hoch und jappste danach aufgeregt die Treppen runter. Biss einen der Möbelpacker spielerisch ins Bein und sprang danach laut kläffend in den kleinen MiniCooper, den ich damals fuhr.

„Sind Sie dann soweit?“, fragte der Fahrer des Umzugslasters.

„Nein.“, antwortete ich. „Aber lassen Sie uns fahren.“

Der Brief

Ich habe eine Mail geschrieben. Und abgeschickt.

Ich mache seit einem Jahr Psychotherapie, um der unendlichen Wut in mir endlich auf den Grund zu gehen.

Vor einem Jahr habe ich herausgefunden, dass mein Ehemann mich schon länger belogen und betrogen hatte, mir und meiner Firma Geld veruntreut, Geld geklaut hat und generell nicht mehr allzu viel Lust auf unsere Ehe hat.

Meine Eltern führen sich auf wie die letzten Menschen und ich sehe durch die Augen meines Kindes zum ersten Mal die Ungeheuerlichkeiten, die sie mir angetan haben.

Mir wird übel, wenn ich darüber nachdenke, meiner Tochter auch nur das Geringste dessen anzutun, was mein Alltag war.

Mein Therapeut riet mir von dieser Mail ab. Dringend.

Zu recht, wie sich jetzt herausstellte.

Der Chauffeur

Es ist 1997.

Wir waren im teuersten Café der Stadt verabredet.

Ich hatte am Telefon direkt ihn am Apparat, es sei dringlich, er würde mich gerne kurzfristig treffen, es ginge um eine Stelle als Fahrerin, er könne zurzeit nicht selber fahren.

Ich hatte alles dabei. Bewerbungsunterlagen, Referenzen. Ich war gut angezogen und zufrieden mit mir selber.

Ich fuhr mit dem Fahrstuhl in die oberste Etage und war wie erschlagen von der Rundum-Panoramasicht durch große Glasscheiben. Ich konnte die ganze Stadt überblicken. Für einen kurzen Moment hielt ich beeindruckt inne.

Eine Mitarbeiterin trat mir entgegen und blickte mich etwas unfreundlich an. Hm. Vielleicht doch nicht angemessen angezogen? Ich wünsche einen guten Tag und sagte, ich sei mit Herrn S. verabredet, er würde mich hier erwarten. Ihr Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig.

„Natürlich!“, lächelte sie mir plötzlich verdächtig freundlich zu und bat mich, ihr zu folgen.

Sie führte mich an einen Zweier-Tisch, an dem ein gutaussehender Mann Mitte, vielleicht Ende 50 saß. Er stand auf und begrüßte mich herzlich. „Sie sind jung!“

Ich wusste nicht, ob das jetzt von Nachteil oder von Vorteil sein würde und nickte erst mal vorsichtig. Ohne dass ich irgendetwas bestellt hätte, wurde mir eine Tasse Kaffee und ein Stück Torte gebracht. Ich schaute irritiert. „Lassen Sie uns erst einmal gemütlich miteinander Kaffee trinken!“

Ich war unsicher. Das war kein normales Vorstellungsgespräch. Ich legte also meine Mappe zur Seite und nippte an meinem heißen Kaffee. Ich hasste Kaffee. In der folgenden halben Stunde sprachen wir über Gott und die Welt. Es wunderte mich, wie schnell er Themen wechselte, aber ich hielt mühelos mit, das war meine Welt, hier war ich zuhause.

Irgendwann blickte er mich nachdenklich an und stellte nicht unfreundlich fest: „Sie haben keine Ahnung, wer ich bin, oder?“

Ich hatte das Gefühl, ich war gerade durch einen wirklich wichtigen Test gefallen. Nein, ich hatte wirklich keine Ahnung, wer er war. Ich durchforstete mein Gehirn nach seinem Nachnamen, aber der war nun nicht wirklich etwas besonderes. Ich muss verlegen dreingeblickt haben, denn er lachte plötzlich.

„Kommen Sie!“

Ich stolperte unbeholfen hinter ihm her und wir fuhren nach unten, verließen das Gebäude. „Wo gehen wir hin?“ Ich klang atemlos. Nicht sehr souverän. Super. Ich sah mir meinen neuen Job schon entgleiten, obwohl ich nicht mal wusste, was genau dieser Mann eigentlich wollte.

Er blieb stehen. Ich sah ihn irritert an. „So.“ brummte er und nahm meine Hand. Er drehte sie um, dass die Handfläche nach oben zeigte und legte einen Schlüssel hinein. Ich war ein einziges Fragezeichen.

Er zeigte nach links. Und da stand er.

Wir standen direkt neben einem offensichtlich niegelnagelneuen Audi S8. Meine Augen wurden groß. Mein Schwiegervater liebte diese Autos. Und sie waren weit außerhalb meiner eigenen Preisklasse.

„340 PS“ flüsterte er liebevoll.
„Dann zeigen Sie mir mal, was Sie können.“

Routinen

Alles ist noch still.

Ich schließe die Tür auf – ich habe inzwischen einen eigenen Schlüssel -und schiebe mich vollbeladen mit Bäckertüten ins Haus.

Die Frauen scheinen noch zu schlafen, also gehe ich leise in die Küche und lächle, als ich den Anderen hinten an der Heizung lehnen sehe. Er strahlt mich an. „Hast du wieder Schokobrötchen dabei?“ Ich lächle und reiche ihm eine Tüte. Ich frage mich, wie man so einen Körper behalten kann, wenn man den ganzen Tag nur Süßkram futtert, aber er liebt es.

Ich lade meine Einkäufe auf der Theke ab und beginne, das Frühstück zu machen. Die Kaffeemaschine läuft wenig später ebenfalls und ich gehe an meine Arbeit. Ich kontrolliere die Zimmer, ziehe hier noch eine Decke zurecht, prüfe die Kondomschälchen, schaue unter Betten, ob mir gestern Nacht noch irgendetwas entgangen ist, aber es sieht alles pikobello aus. Ich hebe die Gleitgelspender an und der in Zimmer 4 erscheint mir etwas leicht. Ich nehme ihn mit zum Vorratsraum und fülle ihn auf. Gerade als ich ihn zurückräumen will, klingelt es. Ich blicke kurz auf die Uhr. Wir öffnen erst in 20 Minuten. Ich höre im Obergeschoss Schritte, so langsam scheint Leben ins Haus zu kommen, die Badezimmertür fällt zu.

Na gut. Ich öffne die Tür, sehe ein unbekanntes Gesicht und bitte den Mann lächelnd hinein. „Sie sind aber ein Frühaufsteher!“ stelle ich fest und führe ihn ins Wohnbüro. „Kaffee? Wasser? Cola? Was kann ich Ihnen bringen? Die Mädchen sind noch oben, wir öffnen erst in 20 Minuten.“ Er lächelt mich unsicher an. „Ich habe meine Frau gerade zum Friseur gebracht und soll sie in zwei Stunden wieder abholen.“ Ich blicke ihn aufmunternd an. „Na, das hört sich doch so an, als würde das gut passen. Sie können hier hinterher gerne noch mal duschen, wenn Sie sich dann wohler fühlen, ich lege Ihnen Handtücher raus.“ Er nickt dankbar.

Vor Kunden bin ich angehalten, die Frauen als Mädchen zu bezeichnen. Ich habe mich auch nur einige Tage darüber mit den Frauen gestritten und dann aufgegeben.

Natascha schaut nackt um die Ecke und hat sofort ihr verführerischstes Lächeln angezogen. „Ohhh, was haben wir denn da für attraktiven Besuch?“ Sie schaut ein bisschen schüchtern und hält sie die Hände vor Scham und Brüste. Sie ist raffiniert. Ich kenne ihre Bilanz. Sie ist gut. Richtig gut. Die Männer fallen jedes Mal darauf rein.

Nach einigen Wochen Arbeit weiß ich aber auch, was ich mir nachher von den anderen Frauen anhören darf, wenn Natascha diesen hier ohne Wettbewerb verschleppt. „Frühstück steht in der Küche.“, sage ich knapp und wende mich dem Mann zu. „Wir wollen doch, dass die Mädchen bei Kräften bleiben, nicht wahr?“ Ich mustere ihn bewundernd von oben bis unten. „Ich glaube, das werden sie brauchen.“

Er nickt eifrig und grinst selig.

Der Eine kommt zur Arbeit und ich höre ihn mit dem Anderen in der Küche über Kalorien in Schokobrötchen streiten.

Abläufe

Es ist 1998.

Es war anstrengender als ich dachte.

Das Telefon hatte ich schnell im Griff, auch wenn Anita und Natascha mich jedes Mal skeptisch ansahen, wenn ich nicht hineinstöhnte, sondern mich ordentlich meldete.

Anita und Natascha unterhielten sich auch in meiner Gegenwart in polnisch. Das wurde recht schnell zu einem Hintergrundrauschen, das ich ganz angenehm fand. Ich war ohnehin damit beschäftigt, einen Drucker, einen Locher und einen Aktenordner zu suchen, weil DEM Peter seine handschriftliche Loseblattsammlung auf dem Schreibtisch eine Vollkatastrophe war.

Dann klingelte es. An der Tür diesmal. Anita blickte mich erwartungsvoll an. Anscheinend war das meine Aufgabe? „Du gehst hin und begrüßt ihn und dann darf er sich eine Frau aussuchen.“ Zeitgleich mit dem Klingeln kamen 3 weitere Frauen in Reizwäsche ins Zimmer geschlendert, die sich auf dem Ledersofa drappierten und anscheinend nicht wissen wollten, wer ich bin. Es klingelte erneut. Ich war überfordert. Natascha knurrte in meine Richtung: „Tür. Gehst du.“

Und ich ging.

Kunde. Es ist ein Kunde, ich bin freundlich und professionell, ich kann das.

Es klingelte ein weiteres Mal. Ich reiße also die Haustür auf und starre einen völlig durchschnittlichen Mann an, der mich ebenfalls anstarrt. „HALLO!“, sage ich zu laut und zu hektisch und er fokussiert mich wie ein Rehkitz im Scheinwerferlicht.

Er scheint sehr offensichtlich zu überlegen, ob er sich einfach umdrehen und wegrennen sollte. Ich starre weiter. Was sagt man zu einem Freier? KUNDE, skandiert meine innere Betriebsaufsicht sofort und ich trete einen Schritt zurück und öffne die Tür. Ich zwinge mir ein Lächeln aufs Gesicht. „Kommen Sie doch herein!“

Er scheint sich ganz und gar nicht sicher zu sein, ob er hereinkommen möchte und bleibt lieber stehen und starrt weiter. Ein Räuspern. „Ich… habe angerufen? Ich hab das noch nie gemacht.“

Na super. Dann haben wir ja beiden unseren ersten Tag im Puff. Ich verfluche mich, meine Schnapsidee, den Peter und diese Situation im Allgemeinen.

Aber gut, irgendwie muss ich ihn ja zu den ganzen Frauen kriegen, die da im Wohnbüro sitzen und sich vermutlich fragen, was zur Hölle so lange dauert. Also ziehe ich ihn halb herein und schließe die Tür hinter ihm. Er zuckt zusammen. Fantastisch.

„SO!“, sage ich laut und in einem Tonfall, der ihn erneut zusammenzucken lässt. „DANN WOLLN WIR MAL!“

Ach du meine Güte. Daran würde ich noch arbeiten müssen. Ich schiebe ihn ins Wohnbüro und er läuft knallrot an. 5 halbnackte Frauen lächeln verführerisch und kommen auf ihn zu. Inzwischen möchte auch ich davonlaufen. Anita blickt mich auffordernd an. Ich stottere herum. „Äh. Ja. Also ich hole Ihnen mal was zu trinken und Sie machen es sich gemütlich und suchen sich was Schönes aus!“

Irgs. Ausbaufähig. Anita guckt etwas entsetzt, widmet sich dann aber dem Mann. Der sieht maximal überfordert aus. Natascha hat sich auf seinen Schoß gesetzt und leckt ihm das Ohr ab. Ich möchte ihn retten. Mich stößt die Szenerie im selben Maße ab wie sie mich fasziniert.

Eine halbe Stunde und ein sehr deutliches Feedback in meine Richtung von Anita später kommt der Mann mit der rothaarigen Frau, die er sich ausgesucht hat, wieder herein. Ich straffe die Schultern und erkundige mich, ob alles zu seiner Zufriedenheit gelaufen ist. Er lächelt selig und ich begleite ihn zur Haustür, wünsche ihm noch einen schönen Tag und erkläre ihm, dass er jederzeit willkommen sei.

Ich lehne mich von innen an die Tür, als die Rothaarige zur mir kommt. Sie drückt mir beiläufig einen beunruhigend schleimigen Riesendildo in die Hand und sagt: „Du kannst das Zimmer dann wieder fertig machen. Ich bin übrigens Claudia.“

Ich starre auf das Ding in meiner Hand, schlucke ein paar Mal trocken und frage: „Kann das in die Spülmaschine?“

Claudia dreht sich noch mal um, wirft ihre langen roten Haare zurück und ihre nackten Brüste wackeln, während sie aus vollem Halse lacht.

„Willkommen im Team!“

Der erste Arbeitstag

Es ist 1998.

Ich stehe vor dem niedlichen roten Haus in einer teuren Bremer Wohngegend und schaue noch mal gewissenhaft auf meinen Zettel mit der Adresse.

Ich trug einen figurbetonten Hosenanzug mit Nadelstreifen, eine elegante Hochsteckfrisur und hatte meine Ledertasche mit Schreibutensilien dabei. Ich war bereit.

Ich atme einmal tief aus und drücke auf den Klingelknopf. Die Tür summt, ich gehe hinein und starre in der Diele auf zwei nackte Frauen.

„Hi! Ich bin Anita!“, lächelt die Blonde. Die mit den kurzen schwarzen Haaren sagt nichts. Sie starrt mich misstrauisch an. „Und das ist Natascha!“, sagt Anita. Ich blinzle. Sie haben immer noch nichts an.

Gibt man nackten Frauen die Hand zur Begrüßung? Ich kannte Knigge, aber das Kapitel muss ich übersprungen haben. Ich stottere etwas unbeholfen meinen Namen und dass ich heute meinen ersten Arbeitstag habe. Ich wäre das neue Mädchen für alles.

Natascha wechselt plötzlich von Mörderblick zu Lächeln und winkt mich heran. „Ah, ich dachte, der Peter hätte unabgesprochen noch eine Nutte eingestellt.“

Ich gebe den nackten Frauen die Hand und außer mir scheint wirklich niemand irgendetwas seltsam zu finden. Ich umfasse meine Ledertasche etwas fester. Sie verschwinden in einem Zimmer, aus dem ich Gespräche höre und lassen mich stehen. Langsam schaue ich mich um. Alter Mosaikfußboden. Holztreppen, in dunkel. Es war schön hier. Es roch allerdings nach einem Geruch, den ich nicht wirklich zuordnen konnte. Ich entschied mich, mich umzusehen. Ich ging einen Flur entlang, das Zimmer, dessen Tür offenstand, sah nach Küche aus. In der Tür prallte ich zurück. Zwei große muskulöse Männer standen in einem plötzlich viel zu kleinen Raum. Enganliegende schwarze Kleidung. Bestimmt zwei Meter groß und genauso breit. Kurzgeschorene Haare. Schwere Stiefel. Einer hielt eine winzige Kaffeetasse in der Hand und hielt inne. Musterte mich von Kopf bis Fuß.

„Wir kaufen nix.“

Mittlerweile zweifelte ich an meinem Verstand, dem Peter überhaupt zugesagt zu haben und sagte mein Sprüchlein auf. Der andere lachte plötzlich laut.

„Oh, was ein Glück! Wir brauchen hier dringend jemanden, der den Überblick behält!!“

Ja. Ja, das kam mir auch so vor.

Der Eine und der Andere zeigten mir meinen Arbeitsplatz. Ein gigantischer Raum mit großer schwarzer Leder-Eckcouch, auf der man gut und gerne 20 Leute unterbringen konnte. Eine kleine Schreibtisch- und Arbeitsecke für mich, eine Fernsehwand.

„Hier empfängst du die Kunden, unterhältst dich, hier entspannen die Mädchen, wenn sie wollen, du kannst fernsehen. Da ist die Getränkebar, Gläser, Kaffeemaschine für die Kunden, kleine Snacks.“

Ich nicke eifrig.

„Die Mädchen kassieren selber ab, du verwaltest aber hinterher das Geld. Schreib alles auf. Danach muss das Zimmer gereinigt und wieder hergerichtet werden, das Telefon muss immer beantwortet werden, die Preisliste ist hier auf deinem Schreibtisch.“

Ich beuge mich darüber und versuche, die handgeschriebene Liste zu entziffern. „Was steht hier, nach Anal?“ – „Fisting.“ – „Oh.“

Plötzlich wird es laut. Ein Tumult. Der Peter platzt in den Raum. „DA ISSE JA!!!“ Er strahlt wie ein Honigkuchenpferd, zwei Reihen strahlendweißer Zähne sind das letzte, was ich sehe, als ich in den Muskelbergen seiner Arme verschwinde. Ich scheine von einer Angestellten zu einer guten Freundin aufgestiegen zu sein.

„KOMMSTE KLAR, WA?“

Ich bin mir nicht sicher, ob das eine besorgte Nachfrage oder eine Aussage war und setze gerade zum Abarbeiten meiner inneren Fragenliste an, die meine Arbeit und meinen Arbeitsplatz betreffen. Der Peter winkt ab. „Kommste klar, wa!“

Ah, okay. Er tippte auf seine goldene Uhr am Handgelenk. „Steckste das Telefon ein, geht los!“ Meine Augen wanderten zum Schreibtisch und suchten die Telefonbuchse. Aber er war schneller. Ein voluminöses Muskelpaket tauchte unter den Schreibtisch und im selben Augenblick fing das Telefon an zu klingeln.

„Los, stöhn ins Telefon!“ Er klappste mir aufmunternd auf den Hintern.

„Ich stöhne nicht in Telefone.“ gab ich etwas pikiert zurück, aber er war mit dem Einen und dem Anderen schon auf dem Weg nach draußen.

Ich war wohl auf mich allein gestellt.

Der Peter

Es ist 1998.

„Fickenblasenanalundwaskannichfürdichtun?“
Ich blinzelte. Starrte das Telefon an und legte vor lauter Schreck gleich wieder auf. Sah nochmal in die Zeitungsanzeige und tippte die dort stehende Nummer erneut.

„IchbinJasminundwillvondirgeficktwerdenundwerbistdu?“
Ich schüttelte den Kopf und ließ wieder fast den Hörer fallen. Zum dritten Mal las ich die Telefonnummer in der Anzeige, sprach die einzelnen Zahlen laut vor mich hin und tippte.

„AlleswasduwillstichbinJasminundwaskannichfürdichtun?“
Mein Gehirn verknotete sich so ein bisschen und ich vergaß, aufzulegen.
„Hallo???“

„Oh, äh, Entschuldigung, ich hab mich wohl verwählt.“

„Rufste auf die Anzeige an??“
*umpf*
„Äh. Ja. Aber dort steht, Sie suchen eine Sekretärin.“
„Ah, der Peter ist schon ein Lustiger. Wart, ich reich dich weiter!“
Bevor ich anmerken konnte, dass ich eigentlich gar nicht weitergereicht werden wollte, meldete sich schon eine tiefe Männerstimme.
„Oh?“
„Oh“ ist nun nicht gerade die Art, von der ich erwarte, dass ein potentieller Arbeitgeber sich am Telefon meldet, aber irgendwie kam ich aus der Sache nicht richtig raus.
Ich sagte mein Verslein auf, wie ich heiße, dass ich die Anzeige gelesen hätte und Berufserfahrung als Sekretärin vorweisen könne und mich nun vorstellen wollte.
„Japp.“
„Äh… Japp im Sinne von?“
„Ja, kommste her!“
Ich atmete und sammelte mich. Die letzten beiden Stellen, die ich hatte, waren eine Stelle als Sekretärin, bei der ich im Kostüm und mit Dutt schon fast aufreizend gekleidet war und bei der der Tonfall ein sehr steifer war und eine Stelle als persönlicher Chauffeur eines Geschäftsmannes und gleichzeitig dekorative Begleitung auf geschäftlichen Anlässen. Auch hier ein sehr formeller Umgangston.

Und nun konnte ich mit „Japp, kommste her“ nur schlecht umgehen.
Um welche Arbeit es sich denn genau handeln würde, fragte ich also und bekam die erfrischend ehrliche Antwort: „Ich hab nen Puff und hier ist Chaos. Ich brauch Hilfe.“
Ich war jung und wollte ja unbedingt die Welt kennenlernen…

Und so verabredete ich mich für den Abend mit „dem Peter“ im September in Bremen. Meine Lieblingskneipe.

„Der Peter“ war so sehr Klischee, dass ich ihn erst einmal konsequent ignoriert habe, weil ich dachte, das kann es nicht sein.
Tarnhose, enganliegendes Muskelshirt, Goldketten, dicke Uhr und gegelte Haare. Muskelberge, die darauf schließen ließen, dass auch viel Gehirn mit wegtrainiert wurde.

Atmen schien mit den vielen Muskeln ein echtes Problem zu sein.
Solariumhaut und blitzeweiße Zähne. Ich dachte, ich bin im falschen Film. Der Peter war es dann aber wohl doch und so ging ich hin und stellte mich vor.
Mit Vor- und Nachnamen und nettem Sprüchlein.
„Ich bin der Peter.“
Äh. Ja.
„Peter…?“

„Genau. Der Peter. Einfach nur der Peter.“

Ich setzte mich und legte meine Unterlagen auf den Tisch an die Seite. Der Peter blitzte mich mit seinen weißen Beißerchen an und strahlte.
„Was hastn da mitgebracht?“
„Bewerbungsunterlagen. Lebenslauf, Referenzen.“
„Achduscheiße.“
Oh. Die Reaktion war neu.
„Den Scheiß lassen wir weg. Ich muss dich mögen und dann kannste deine Bewerbungsscheiße dem nächsten Sesselpupser in den Arsch schieben. Und wenn ich dich nicht mag, dann mag ich dich nicht. Dann wird das auch mit der Unterlagenscheiße nix. Sach ich mal so.“

OhGott.

Ich blickte ein wenig fassungslos vor mich hin und fragte mich, wie ich aus der Situation wieder rauskam.

„Ey, Schnecke! Kaffee, aber Hopphopp!“

Ich zuckte zusammen und machte ungefähr so große Augen wie die Kellnerin, die angesprochen war. Das nächste, das ich bemerkte, war, dass ich mit Alkohol gerechnet hatte. Er bestellte aber Kaffee.

Der Peter grinste mich strahlendweiß an und fing an zu erzählen.
Ja, er hätte da so eine Idee gehabt und mit Nutten kann man nun mal viel Geld machen und das wär auch total toll und so und die Mädels sind total lieb und wenn man mal über eine drübersteigen wollte, wär das auch kein Problem, die „sind da nicht so“.
Ich überlegte derweil, wie ich am schnellsten nach Hause käme.
Ich lächelte unverbindlich und sagte, das wäre nicht so ganz das, was ich mir vorgestellt hätte und just in dem Moment klingelte dem Peter sein Handy.

„Jetzt heul doch nicht! Wenn er zu groß ist, ist er zu groß! Haste Gleitgel probiert? Was? Ja. Ja, nee, wenns nicht passt, passt es nicht. Hat er schon bezahlt? Will er nun alles zurück? War er denn schon so ein bisschen drin in der Muschi??“

Ich schloss die Augen und mir war sehr deutlich bewusst, dass die gesamte Kneipe sehr ruhig geworden war. Ich versuchte zu atmen und mich zu beruhigen und gleichzeitig nicht laut loszulachen. Ich wollte ja unbedingt mehr Abenteuer vom Leben. Hatte ich nicht erst vor einigen Wochen, als das Geld vom letzten Job alle war, darum gebeten, mal was Verrücktes machen zu können?

Der Peter war inzwischen sehr rot angelaufen und fuchtelte noch so ein bisschen mit seinen dicken kurzen Armen.
„Ja, was können denn wir dafür, wenn der so einen Pferdeschwanz hat? Geschäft ist Geschäft!“

Ich kicherte. Sehr unprofessionell, sehr kindisch. Aber mir war so.
Der Peter sprang auf und bedeutete mir zu folgen. Ich raffte meine Unterlagen zusammen und lief hinter ihm her. Auf dem Weg am Tresen vorbei steckte er der Kellnerin, die schon böse kuckte, einen Hunderter in den Ausschnitt und sagte: „Puppe, freundlicher!“

Ich lief hinter dem Peter her, bis wir draußen waren. Er beendete sein Telefonat und sah mich ratlos an.

„Ich braucht echt Hilfe, du. Und ich find dich toll.“
Der lebenshungrige Teufel in meinem Kopf übernahm die Führung und ich hörte mich fragen: „Wieviel?“
„200 Kröten am Tag. Grundgehalt. Plus Provision.“

Mir wurden die Knie weich.

„7 Tage die Woche. von 8 Uhr morgens bis 24 Uhr nachts.“
„7 Tage??? 300.“
„250“
„Morgens erst ab 9 Uhr“
„Im Nuttenoutfit“
„Hosenanzug“
„Tief ausgeschnitten!“
„Nein“
„Enganliegend“
„Figurbetont höchstens“
„Heute Abend anfangen.“
„Morgen früh.“


„Okay.“

Amuse-Bouche

Es ist Monate her, dass wir uns gesehen haben. Dementsprechend sorgfältig inszeniert ist mein Auftritt. Ich trage offene dunkelbraune Locken, einen bodenlangen grauen Mantel mit weißem Fellbesatz und hohe Stiefel. Als wir das Restaurant betreten, sind er und seine Frau schon da. Er steht auf, wie immer, wenn eine Dame den Raum betritt. Ich schätze das. Sein Sohn macht das nicht. Der Bauer.

Ich sehe, wie sich der Ausdruck in seinen Augen verändert, als er mich von oben bis unten ansieht. Du siehst gut aus. Er flüstert, während er mir aus dem Mantel hilft. Sein Sohn hat sich bereits hingesetzt und verlangt lautstark nach der Karte. Ich blicke mich kurz um. Ein unpassender Ort für einen so grobschlächtigen Menschen wie ihn.

Er wiederum tritt hinter meinen Stuhl, zieht ihn ein Stück zurück und schiebt ihn formvollendet an den Tisch, während ich mich setze. Seine rechte Hand streift meinen Oberarm und ich spüre seine Wärme durch die dünne Bluse auf meiner Haut. Die Berührung dauert einen Moment zu lange, wie so oft, wenn wir uns begegnen. Einen Sekundenbruchteil nur, nur den Moment eines winzigen Augenblicks.

Ich sitze ihm gegenüber, blicke in seine Augen und lasse die Sticheleien meiner Schwiegermutter an mir vorbeiziehen. Mein Mann ist innerhalb kürzester Zeit in ein Gespräch mit seiner Mutter vertieft.

Meine Karte liegt geschlossen vor mir. Ich streiche mit den Fingernägeln über den ledernen Einband und blicke zu ihm. Er hat seine Lesebrille auf und blickt von seiner geöffneten Karte zu mir, auf meine Finger und wieder zurück. Laut räuspert er sich.

Für dich Kalb, wie immer? Dann suche ich dir etwas heraus.

Ich nicke. Ich bin mir sicher, du weißt, was mir jetzt gut tun würde.

Unsere Blicke treffen sich. Blauer Stahl und orange glühendes Feuer.

Vielleicht vorher noch etwas zum Appetit anregen? Er lächelt. Es ist ein wissendes Lächeln, mit der gesamten Weisheit und Erfahrung seines Alters.

Ich grinse. Breit.

Als wir später spazierengehen, bietet er mir den Arm an. Sein Sohn und seine Frau laufen ein Stück voraus. Ich schmiege mich einen Moment mit der Wange an seine Schulter und atme den Duft seines Rasierwassers ein.

Kalte Winterluft schlägt uns entgegen und ich ziehe den Mantel enger um mich. Noch maximal eine halbe Stunde, dann würden sich unsere Wege wieder trennen.

Hingabe

Ihre schweren und vollen Brüste drücken gegen meinen Oberarm, als sie sich zu mir herüberbeugt und mir etwas zeigen will. Durch den dünnen Stoff spüre ihr ihre harten Brustwaren auf meiner Haut. Ich erschauere. Sie weiß, was sie tut. Ich weiß es auch.

Ich neige den Kopf zur Seite und kann sie überdeutlich riechen. Sie riecht nach Pfefferminz und Blumen. Ich sehe den zarten Flaum, der ihr Gesicht überzieht. Die kleinen Ohren mit den langen goldenen Ohrringen. Die hellbraunen Locken. Ich sehe in dunkelbraune Augen, die so warm und tief sind, dass ich mich darin verlieren möchte.

Ich habe einen Freund. Sie haucht es mehr als dass sie es sagt.
Ich nicke. Ich weiß. Ich hebe meine rechte Hand zu ihrem Gesicht und streichel sanft ihre Wange. Eine Locke fällt ihr vorwitzig über die Augen. Ich nehme sie vorsichtig zwischen die Finger und lege sie sorgfältig wieder oben auf ihren Lockenkopf. Ihre Bewegung ist winzig, aber ich sehe, wie ihre großen Brüste sich unter dem T-Shirt bewegen und ich stöhne leise. Du machst mich wahnsinnig. Sie schließt die Augen. Ich bewege mich in Zeitlupe. Richte mich auf und beuge mich über sie. Sie hat jede Chance, sich mir zu entziehen. Sie bleibt.

Ich drücke sie behutsam nach hinten in den Kissenstapel und knie mich über sie. So weich. Alles an ihr ist so weich. Dieser üppige Körper. Ich möchte mich in sie hineinsinken lassen, in jede Falte, in jede Wölbung, in jeden Hügel. Sie beobachtet mich. Hält sich an meinen Schultern fest. Greift in meine Haare. Zieht mich näher an sich heran. Das muss niemand wissen, flüstert sie leise, bevor ich meinen Mund auf ihre vollen Lippen drücke. Sie zuckt zusammen und keucht leise. Drückt ihren Rücken durch und wölbt mir ihren Oberkörper entgegen. Diese Brüste. Ich stöhne in einer Mischung aus Faszination und Erregung. Meine Hand wandert unter ihr Oberteil und ich greife in üppige Weiblichkeit. Diese Haut. Wie Seide. Warme, fließende Seide. Ich schiebe meine Hände weiter nach oben bis an den Ansatz ihrer prallen Brüste. Ich erschauere. Du bist so schön. Sie zerrt und zieht inzwischen an meinem Körper und bringt mich in Position. Ich knie zwischen ihren Beinen, sie wölbt mir ihren Unterleib entgegen. Ich lächle. Hier sind die Spielregeln andere.

Ich bringe meinen Mund neben ihr Ohr und fange an zu erzählen. Sie klammert sich wie eine Ertrinkende verzweifelt an mich, ihr Atem geht stoßweise, keuchend. Ich spüre, wie mich die Macht durchströmt, die ich in Händen halte und lasse mich vollends in sie fallen.