Amuse-Bouche

Es ist Monate her, dass wir uns gesehen haben. Dementsprechend sorgfältig inszeniert ist mein Auftritt. Ich trage offene dunkelbraune Locken, einen bodenlangen grauen Mantel mit weißem Fellbesatz und hohe Stiefel. Als wir das Restaurant betreten, sind er und seine Frau schon da. Er steht auf, wie immer, wenn eine Dame den Raum betritt. Ich schätze das. Sein Sohn macht das nicht. Der Bauer.

Ich sehe, wie sich der Ausdruck in seinen Augen verändert, als er mich von oben bis unten ansieht. Du siehst gut aus. Er flüstert, während er mir aus dem Mantel hilft. Sein Sohn hat sich bereits hingesetzt und verlangt lautstark nach der Karte. Ich blicke mich kurz um. Ein unpassender Ort für einen so grobschlächtigen Menschen wie ihn.

Er wiederum tritt hinter meinen Stuhl, zieht ihn ein Stück zurück und schiebt ihn formvollendet an den Tisch, während ich mich setze. Seine rechte Hand streift meinen Oberarm und ich spüre seine Wärme durch die dünne Bluse auf meiner Haut. Die Berührung dauert einen Moment zu lange, wie so oft, wenn wir uns begegnen. Einen Sekundenbruchteil nur, nur den Moment eines winzigen Augenblicks.

Ich sitze ihm gegenüber, blicke in seine Augen und lasse die Sticheleien meiner Schwiegermutter an mir vorbeiziehen. Mein Mann ist innerhalb kürzester Zeit in ein Gespräch mit seiner Mutter vertieft.

Meine Karte liegt geschlossen vor mir. Ich streiche mit den Fingernägeln über den ledernen Einband und blicke zu ihm. Er hat seine Lesebrille auf und blickt von seiner geöffneten Karte zu mir, auf meine Finger und wieder zurück. Laut räuspert er sich.

Für dich Kalb, wie immer? Dann suche ich dir etwas heraus.

Ich nicke. Ich bin mir sicher, du weißt, was mir jetzt gut tun würde.

Unsere Blicke treffen sich. Blauer Stahl und orange glühendes Feuer.

Vielleicht vorher noch etwas zum Appetit anregen? Er lächelt. Es ist ein wissendes Lächeln, mit der gesamten Weisheit und Erfahrung seines Alters.

Ich grinse. Breit.

Als wir später spazierengehen, bietet er mir den Arm an. Sein Sohn und seine Frau laufen ein Stück voraus. Ich schmiege mich einen Moment mit der Wange an seine Schulter und atme den Duft seines Rasierwassers ein.

Kalte Winterluft schlägt uns entgegen und ich ziehe den Mantel enger um mich. Noch maximal eine halbe Stunde, dann würden sich unsere Wege wieder trennen.

Hingabe

Ihre schweren und vollen Brüste drücken gegen meinen Oberarm, als sie sich zu mir herüberbeugt und mir etwas zeigen will. Durch den dünnen Stoff spüre ihr ihre harten Brustwaren auf meiner Haut. Ich erschauere. Sie weiß, was sie tut. Ich weiß es auch.

Ich neige den Kopf zur Seite und kann sie überdeutlich riechen. Sie riecht nach Pfefferminz und Blumen. Ich sehe den zarten Flaum, der ihr Gesicht überzieht. Die kleinen Ohren mit den langen goldenen Ohrringen. Die hellbraunen Locken. Ich sehe in dunkelbraune Augen, die so warm und tief sind, dass ich mich darin verlieren möchte.

Ich habe einen Freund. Sie haucht es mehr als dass sie es sagt.
Ich nicke. Ich weiß. Ich hebe meine rechte Hand zu ihrem Gesicht und streichel sanft ihre Wange. Eine Locke fällt ihr vorwitzig über die Augen. Ich nehme sie vorsichtig zwischen die Finger und lege sie sorgfältig wieder oben auf ihren Lockenkopf. Ihre Bewegung ist winzig, aber ich sehe, wie ihre großen Brüste sich unter dem T-Shirt bewegen und ich stöhne leise. Du machst mich wahnsinnig. Sie schließt die Augen. Ich bewege mich in Zeitlupe. Richte mich auf und beuge mich über sie. Sie hat jede Chance, sich mir zu entziehen. Sie bleibt.

Ich drücke sie behutsam nach hinten in den Kissenstapel und knie mich über sie. So weich. Alles an ihr ist so weich. Dieser üppige Körper. Ich möchte mich in sie hineinsinken lassen, in jede Falte, in jede Wölbung, in jeden Hügel. Sie beobachtet mich. Hält sich an meinen Schultern fest. Greift in meine Haare. Zieht mich näher an sich heran. Das muss niemand wissen, flüstert sie leise, bevor ich meinen Mund auf ihre vollen Lippen drücke. Sie zuckt zusammen und keucht leise. Drückt ihren Rücken durch und wölbt mir ihren Oberkörper entgegen. Diese Brüste. Ich stöhne in einer Mischung aus Faszination und Erregung. Meine Hand wandert unter ihr Oberteil und ich greife in üppige Weiblichkeit. Diese Haut. Wie Seide. Warme, fließende Seide. Ich schiebe meine Hände weiter nach oben bis an den Ansatz ihrer prallen Brüste. Ich erschauere. Du bist so schön. Sie zerrt und zieht inzwischen an meinem Körper und bringt mich in Position. Ich knie zwischen ihren Beinen, sie wölbt mir ihren Unterleib entgegen. Ich lächle. Hier sind die Spielregeln andere.

Ich bringe meinen Mund neben ihr Ohr und fange an zu erzählen. Sie klammert sich wie eine Ertrinkende verzweifelt an mich, ihr Atem geht stoßweise, keuchend. Ich spüre, wie mich die Macht durchströmt, die ich in Händen halte und lasse mich vollends in sie fallen.

Fürsorge

Du musst etwas essen.

Ich saß rittlings vollkommen nackt auf seinem Schoß. Er saß auf dem großen Ledersessel in seinem Wohnzimmer, vollständig angezogen. Mir lief der Schweiß in Strömen den Körper herab. Ich schüttelte den Kopf.

Er legte mir ruhig den Finger auf die Lippen. Ich weiß, du isst nur alleine. Ich habe heute Morgen Lasagne gemacht und in den Kühlschrank gestellt. Ich gehe gleich ins Schlafzimmer. Dann hast du Zeit.

Ich nicke. Seine Hand gleitet an meiner Wange entlang und umfasst halb meinen Kopf. Er stöhnt. Langsam zieht er meinen Kopf wieder näher an sich heran. Gesicht an Gesicht halten wir inne. Leuchtendes Blau sieht mich im Halbdunkeln hungrig an. Seine Finger gehen auf Wanderschaft. Er lockt, mit lasziver Trägheit. Keine Bewegung zu viel. Langsam. Genüsslich. Er hat keine Eile. Seine Stimme lässt meine Seele vibrieren. Ja, genau so. Gutes Mädchen.

Ich will meinen Rücken durchbiegen und den Kopf in den Nacken legen, doch er lässt mich nicht. Bleib bei mir. Sieh mich an.

Das Leuchten durchdringt mich tiefer als der Akt an sich es je tun könnte. Ich will dich sehen.

Mit letzter Kraft halte ich diesem Blick stand, keuchend, schwitzend, stöhnend, laut schreiend schließlich, bis ich erneut auf ihm zusammensacke.

Der erste Kuss

Ich kann sein Keuchen mehr spüren als hören, als ich meinen Körper gegen seinen schiebe. Er riecht nach Flieder. Nach Mann. Nach Lust. Jeder Millimeter seines Körpers ist hart. Unnachgiebige, harte Muskelmasse. Ich lasse meine Finger über seine Brust gleiten. Er greift fester zu. Seine Hände liegen an meinen Hüften und ziehen mich noch dichter heran.

Ich lege meinen Kopf in den Nacken und biete ihm meine Kehle dar. Die Nacht gehört uns. Immer schon. Direkt über mir der Komet, strahlend hell, ein Stück Ewigkeit im Wimpernschlag, den ich lebe. Ich schließe meine Augen. Sein Atem hat meinen Hals erreicht.

Zeig dich. Es ist nur ein leises Flüstern. Ich brenne lichterloh.

Ich spüre, wie sich die Fesseln lösen.

Da bist du ja. Er lächelt. Lass uns spielen gehen, meine Wölfin.

Die Welt dreht sich. Ich lasse mich hineinfallen. Weiche Lippen senken sich auf meine. Ein Stromschlag nach dem anderen fährt durch meinen Körper. Ich will kämpfen. Erobern. Besitzen.

Er lässt mich nicht. Unnachgiebig bestimmt er das Tempo, den Takt, unseren Rhythmus, bis ich mich ergebe.

Der Autor

Wir sind allein in der Bibliothek. Meine Bewegungen verlangsamen sich. Ich fixiere ihn.

Ich habe es gelesen. Ein … interessantes Buch. Ich blicke träge auf seine Lippen. Wieder in seine Augen. Er schluckt.

Hat es dich abgestoßen? Dem Meister der Worte kommt diese Frage fast zu hektisch über seine Lippen. Von dem Autoren mit Doktortitel, der mein Deutschlehrer ist, ist nicht mehr viel übrig.

Ich komme vor ihm zu stehen.
Ich beuge mich noch ein Stück nach vorne.

Nein.

Kaum noch Abstand zwischen uns. Ich senke kurz den Blick und beiße mir auf die Unterlippe. Das mag er. Im Unterricht macht es ihn verrückt. Seine Körperwärme ist deutlich spürbar. Noch ein paar Zentimeter und wir berühren uns. Aber keiner bewegt sich.

Ich würde mit Ihnen gerne über die verwendete Art der Metaphern sprechen, als er seinen Schwanz in der Hand hatte und sich hinter sie gekniet hat.

Ein rauhes Stöhnen kommt aus seiner Kehle.

Er zuckt zusammen als es klingelt.
Meine Freistunde ist zuende. Pause.

Bis morgen im Unterricht, flüstere ich noch, bevor ich mich umdrehe und gehe.