Fürsorge

Du musst etwas essen.

Ich saß rittlings vollkommen nackt auf seinem Schoß. Er saß auf dem großen Ledersessel in seinem Wohnzimmer, vollständig angezogen. Mir lief der Schweiß in Strömen den Körper herab. Ich schüttelte den Kopf.

Er legte mir ruhig den Finger auf die Lippen. Ich weiß, du isst nur alleine. Ich habe heute Morgen Lasagne gemacht und in den Kühlschrank gestellt. Ich gehe gleich ins Schlafzimmer. Dann hast du Zeit.

Ich nicke. Seine Hand gleitet an meiner Wange entlang und umfasst halb meinen Kopf. Er stöhnt. Langsam zieht er meinen Kopf wieder näher an sich heran. Gesicht an Gesicht halten wir inne. Leuchtendes Blau sieht mich im Halbdunkeln hungrig an. Seine Finger gehen auf Wanderschaft. Er lockt, mit lasziver Trägheit. Keine Bewegung zu viel. Langsam. Genüsslich. Er hat keine Eile. Seine Stimme lässt meine Seele vibrieren. Ja, genau so. Gutes Mädchen.

Ich will meinen Rücken durchbiegen und den Kopf in den Nacken legen, doch er lässt mich nicht. Bleib bei mir. Sieh mich an.

Das Leuchten durchdringt mich tiefer als der Akt an sich es je tun könnte. Ich will dich sehen.

Mit letzter Kraft halte ich diesem Blick stand, keuchend, schwitzend, stöhnend, laut schreiend schließlich, bis ich erneut auf ihm zusammensacke.

Der erste Kuss

Ich kann sein Keuchen mehr spüren als hören, als ich meinen Körper gegen seinen schiebe. Er riecht nach Flieder. Nach Mann. Nach Lust. Jeder Millimeter seines Körpers ist hart. Unnachgiebige, harte Muskelmasse. Ich lasse meine Finger über seine Brust gleiten. Er greift fester zu. Seine Hände liegen an meinen Hüften und ziehen mich noch dichter heran.

Ich lege meinen Kopf in den Nacken und biete ihm meine Kehle dar. Die Nacht gehört uns. Immer schon. Direkt über mir der Komet, strahlend hell, ein Stück Ewigkeit im Wimpernschlag, den ich lebe. Ich schließe meine Augen. Sein Atem hat meinen Hals erreicht.

Zeig dich. Es ist nur ein leises Flüstern. Ich brenne lichterloh.

Ich spüre, wie sich die Fesseln lösen.

Da bist du ja. Er lächelt. Lass uns spielen gehen, meine Wölfin.

Die Welt dreht sich. Ich lasse mich hineinfallen. Weiche Lippen senken sich auf meine. Ein Stromschlag nach dem anderen fährt durch meinen Körper. Ich will kämpfen. Erobern. Besitzen.

Er lässt mich nicht. Unnachgiebig bestimmt er das Tempo, den Takt, unseren Rhythmus, bis ich mich ergebe.

Der Autor

Wir sind allein in der Bibliothek. Meine Bewegungen verlangsamen sich. Ich fixiere ihn.

Ich habe es gelesen. Ein … interessantes Buch. Ich blicke träge auf seine Lippen. Wieder in seine Augen. Er schluckt.

Hat es dich abgestoßen? Dem Meister der Worte kommt diese Frage fast zu hektisch über seine Lippen. Von dem Autoren mit Doktortitel, der mein Deutschlehrer ist, ist nicht mehr viel übrig.

Ich komme vor ihm zu stehen.
Ich beuge mich noch ein Stück nach vorne.

Nein.

Kaum noch Abstand zwischen uns. Ich senke kurz den Blick und beiße mir auf die Unterlippe. Das mag er. Im Unterricht macht es ihn verrückt. Seine Körperwärme ist deutlich spürbar. Noch ein paar Zentimeter und wir berühren uns. Aber keiner bewegt sich.

Ich würde mit Ihnen gerne über die verwendete Art der Metaphern sprechen, als er seinen Schwanz in der Hand hatte und sich hinter sie gekniet hat.

Ein rauhes Stöhnen kommt aus seiner Kehle.

Er zuckt zusammen als es klingelt.
Meine Freistunde ist zuende. Pause.

Bis morgen im Unterricht, flüstere ich noch, bevor ich mich umdrehe und gehe.