Während ich knietief durch Kotze und Durchfall wate, klingelt es an der Tür.
Der Tischler, unangekündigt, der jetzt den Fenstergriff austauschen wollte, weil er eh gerade hier in der Gegend war.
Ich sehe ihn etwas verdutzt an, da wir um eine Terminabsprache gebeten hatten und er fragt (um halb neun Uhr) augenzwinkernd und chauvinistisch lächelnd tatsächlich, ob er mich aus dem Bett geklingelt hat.
Augenzwinkernd.
Mein Adrenalin wäre kurz vorm Überschwappen, wäre ich wach genug…
Ich antworte:
[Jetzt hör mir mal zu, Jungchen. Du warst vor zwei Tagen hier und hast gesehen, dass ich vier Kinder habe. Eines davon läuft gerade aus allen Körperöffnungen aus. Seit 16 Stunden. Ich habe nicht geschlafen. Ich habe heute Nacht um 2 Uhr neben einem weinenden Kind vor der Dusche gestanden und gewartet, bis sich ein Magen und ein Darm völlig entleert haben und glaub mir, es passt viel rein in so ein Kind. Ich habe heute Nacht ununterbrochen beruhigende Geräusche von mir gegeben, habe unbequem neben einem Baby gelegen und bin 12 Mal Kotze wegtragen gewesen, habe mehrfach ein Bett und ein Kind neu bezogen und habe dem großen Sohn den Kopf gehalten. Außerdem ist so ziemlich alles in diesem Haus nun mit Kot oder Mageninhalt beschmiert. Ich habe keinen vernünftigen Haushalt. Wir leben auf einer Baustelle. Und du kleiner Muck, der du fast mein Sohn sein könntest, fragst mich, ob ich Hausfrau und Mutti, die sonst nichts zu tun hat, gerade dekadent aus dem Bett gefallen bin?]
– kurze Disziplinierung meinerseits –
„Nein haben Sie nicht, aber Sie können hier jetzt leider nicht herein, Sie würden sich sonst eventuell mit Noroviren infizieren.“
Entsetzen breitet sich in seinem Gesicht aus und er weicht zurück, als hätte ich ihm Pest, Lepra und Cholera an den Hals gewünscht.
„Oh Gott…“, stammelt er bleich.
Dass er kein Kreuz und Knoblauch hochhielt, war eigentlich alles.
[Ich wäre so gerne eine Insel…] [so müde manchmal]