Ich möchte nicht mehr. Ich möchte heute niemanden zum Sport fahren, ich wollte gestern niemandem zum Tanzen bringen, ich will morgen niemanden zum Reiten fahren, ich will nicht mehr abwechselnd zu Physiotherapie und Zahnarzt hetzen, ich will keine anderen Menschen in Kliniken fahren, ich will keine Arztgespräche mehr führen und weder putzen noch einkaufen noch arbeiten noch mir die Sorgen anderer Menschen anhören. Ich möchte nicht eingeladen werden, mit niemandem essen oder ins Kino gehen oder auf einer Hochzeit eine Rede halten, nein. Nein. Nein.
Ich will schlicht und ergreifend meine Ruhe haben. Ich will nicht reden, ich will mir nicht jeden Tag den gleichen Sermon anhören und verständnisvoll nicken, Problemlösungen anstoßen, Taschentücher reichen und vor allem kann ich diesen Körperkontakt kaum noch ertragen. Man könnte mit Fug und Recht behaupten, dass ich urlaubsreif bin, aber das will ich ja nicht einmal. Ich will nur das gleiche Recht wie jeder kranke Mensch haben, sich einfach in Ruhe und Schweigen zurückzuziehen und über alles, was über Nahrungsaufnahme, Körperhygiene und Gesundwerden hinausgeht, nicht mehr funktionieren zu müssen. Ich weiß, wie sehr sie mich brauchen. Ich weiß, wie sehr das letzte Jahr alle Reserven aufgebraucht hat, die die letzten Jahre über geschaffen wurden. Ich weiß, dass diese Scheißsache mit der Operation und dem langen Heilungsprozess nun so ungelegen kommt wie ein Kropf. Ich weiß es doch. Ich spüre, wie ich stärker und heiler und hoffnungsvoller werde und kann auf der anderen Seite keinen Schritt mehr weitergehen, weil alles in mir einfach nur ausgebrannt ist.
Mein Körper kreischt bei jeder Bewegung. Ich schlafe nicht gut. Ich habe Schmerzen.
Ich fühle mich alleingelassen und ich trage zu viel.
Ich möchte, will und kann einfach nicht mehr. Nur noch wenige Stunden, bis ich wieder in zwei Arme flüchten kann, die mich zumindest einen Moment halten werden.
Licht in der Dunkelheit.