Knapp 3000 Fotos wandern vom Desktop in den Ordner 2025.
Damit schließt sich ein weiteres Jahr meines Leben und ein weiterer Ordner an Erinnerungen, die für sonst niemanden interessant sind.
Es sind eh inzwischen hauptsächlich Hunde, Essen, Garten…
Knapp 3000 Fotos wandern vom Desktop in den Ordner 2025.
Damit schließt sich ein weiteres Jahr meines Leben und ein weiterer Ordner an Erinnerungen, die für sonst niemanden interessant sind.
Es sind eh inzwischen hauptsächlich Hunde, Essen, Garten…
Natürlich erinnere ich mich an dich. Ich habe im Laufe der Jahre oft an dich gedacht und mich gefragt, was du wohl inzwischen tust.
17 Jahre ist es her, dass wir uns begegnet sind und ich habe den Austausch mit dir sehr geschätzt bis er sich auf eine Ebene verlagerte, für die es die falsche Zeit und der falsche Ort war.
Ich weiß nicht, was passieren würde, würden sich unsere Universen heute erneut berühren.
Und ich glaube, es ist kein guter Moment, um das herauszufinden.
Zauber der Weihnacht…
Was die Weihnachtszeit für mich so besonders macht, sind die Menschen um mich herum. Menschen, die den Gedanken und die Vorstellung von dieser Zeit im Jahr mit mir teilen.
Die es warm und gemütlich mögen, die Kekse backen oder verzieren oder essen wollen, die aufgeregt sind, den Baum zu schmücken, die sich daran erfreuen, dass überall Weihnachtsdekoration herumsteht und hängt und aktiv und zugewandt mit mir diese Zeit begehen wollen. Wenn alle aufgeregt sind, die Geschichte aus dem Adventskalenderbuch vom Tannenbaum Immergrün zu hören.
Wenn jemand für mich die großen Lichterketten aufhängt, weil alle wissen, wie sehr ich dieses Licht im Haus ab Anfang November brauche. Wenn man mir einen neuen Anhänger für den Baum schenkt, den man selbst ausgesucht oder gebastelt hat, so wie die unzähligen, die ich schon habe, die mir alle die Geschichte von Freundschaft und Liebe erzählen.
Pakete und Päckchen und Briefe und Postkarten, die hier den ganzen Dezember über eintrudeln. Wenn wir gemeinsam überlegen, wer welches große Adventsonntagsessen kocht, was es zu Heiligabend gibt, was wir an den Weihnachtsfeiertagen essen wollen.
Ich liebe es, an Heiligabend mit der Familie in die Kirche zu gehen, ich genieße es so sehr, inmitten von anderen Menschen dort zu sitzen, zu singen, zu beten, die Weihnachtsgeschichte zu hören und in dieser festlichen Stimmung nach Hause zu kommen, wo man zusammensitzt und dankbar dafür ist, von seinen Liebsten umgeben zu sein.
Sollte ich irgendwann merken, dass dies von den wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht mehr mitgetragen wird, wird das mein letztes Weihnachten.
„Zeig dich.“, flüstert sie. Ich war mir bislang nicht sicher, ob es eine gute Idee war. Aber es beginnt, wie es immer war. Es braucht nur wenige Momente Kontakt zwischen uns, bis wir beide brennen. Ich spüre, wie in mir alles weit wird. Keine Regulation mehr. Nur noch sein dürfen. Ungehemmt, ungebremst, unzensiert. Da ist jemand, der das tragen und vor allem ertragen kann. Wir tanzen vier Stunden am Abgrund, nur wir beide und die Gedanken, die sonst niemand hören darf. Und doch ist es anders. Die letzten Jahre haben die Hoffnung von ihr gerissen. Hoffnung darauf, dass das Leben anders werden kann, dass es eine Chance gibt, irgendwann etwas zu finden, wo man zur Ruhe kommen kann, wenn man dessen überdrüssig wurde, jederzeit alles haben zu können. Ich spüre, dass sie nicht mehr nur angreift. Es ist Verteidigung in ihrem Verhalten. Müdigkeit. Erschreckend viel Müdigkeit.
Ich frage mich, ob ich einen Blick in die Zukunft werfe oder schon in ihr angekommen bin.
Ich will das nicht.
Es ist ziemlich genau drei Jahre her – einige Monate nach dem Suizid meines Vaters habe ich sie das letzte Mal getroffen. Warum ich immer noch betonen muss, dass es ein Suizid war, erschließt sich mir noch nicht in Gänze. Es ist, als würde ich der Welt pedantisch mitteilen wollen, dass er nicht einfach so gestorben ist, wie Menschen das nun mal tun, sondern sogar das Leben und den Tod selbst manipulieren musste, wie er alles manipuliert hat, dessen er habhaft werden konnte. Ich konnte ihm nicht viel verweigern, aber den Umstand, einfach gestorben zu sein, den wird er nicht für sich beanspruchen können.
Ich habe sie also getroffen und wie jedes Mal zog sie mich sofort in ihren Bann. Meine Sprache wurde klarer, offen für das Unaussprechliche, das ich niemandem anvertraue, das nur als Nicht-Echo in dem schwarzen Loch verschwindet, das ihre Seele bildet. Und ich genieße es. Wie jedes Mal. Ich habe in dem Moment aber auch erkannt, wie gefährlich sie für meine wackelige Stabilität sein würde, also habe ich mich verweigert. Nicht nur den Anrufen, den Spontanbesuchen, nein, auch dem puren Denken an ihre Existenz.
Nachdem ich letzte Woche davon berichtet habe, dass ich sie getroffen habe, kam keine Reaktion. Man sollte meinen, dass Menschen, mit denen man schon so lange sein Leben teilt, ein natürliches Interesse an mir hätten, Fragen stellen oder sich besorgt erkundigen würden, was das mit mir gemacht hat, aber ich habe nach ein paar Tagen die leisen Gesprächsversuche eingestellt, die resonanzlos im Nichts verhallten.
Wir sind verabredet. Heute. Und ich weiß, dass ich gleich wechseln werde. Sie ist ein gefährlicher Mensch für mich, sie zeigt mir, was ich haben könnte, wenn ich mich anders entscheiden würde. Sie nimmt sich. Alles. Männer, Frauen, Sex, Geld, Gelegenheiten, Vorteile. Und sie hat kein Gewissen. Nie gehabt. Sie lügt, sie betrügt, sie verrät, sie tut im Grunde das, was alle Menschen tun, aber ohne das zerschlissene Deckmäntelchen des vorgetäuschten Anstands, das die anderen über ihr eigenes Verhalten breiten.
Sie manipuliert alles und jeden – auch mich, natürlich. Und sie tut es in einer an Anstößigkeit grenzenden Wonne, so dass ich ihr mit jeder Minute Zusammensein mehr verfalle als gut für mich und mein mühsam erlerntes Gutmenschentum ist. Ich genieße ihre rohe und obszöne Echtheit. Wie vulgär sie die Dinge beim Namen nennt, wie sie die Maske von restlos allem reißt, bis ich nackt vor ihr stehe und meine Wahrheiten aussprechen darf. In der Gewissheit, sie nicht schockieren zu können, einfach sein zu dürfen.
Es ist bestimmt kein guter Zeitpunkt. Das ist es nie. Ich merke, wie mein Leben gerade kippt. Die letzten Jahre haben aufgezehrt, was mich voller Hoffnung durch die Welt getragen hat.
Wir werden sehen, was sie mir geben kann.
Wenn man in seinem Leben doch nur diese Handvoll Menschen überhaupt erreicht hat – wenn überhaupt – und wenn der Unterschied, den man gemacht hat, so verschwindend gering war, dass das Leben auch ohne mich seinen Weg gefunden hätte, welche Bedeutung habe ich dann überhaupt? Wenn alles Interesse an mir in meiner Funktion begründet liegt, wenn all mein Wirken mit meinem Rückzug nicht nur in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, sondern auch in seiner bloßen Existenz fraglich würde, warum sollte ich dann auch nur noch einen einzigen Schritt in eine Zukunft machen, die nach Erfahrungswerten mit der Vergangenheit und den Menschen darin nichts anderes erwarten lässt als weiteren Schmerz, weitere Enttäuschung, weitere Lügen und weiteren Verrat? Wenn ich mich nun aus diesem Hamsterrad befreie, in wie vielen Stunden, Tagen werde ich vergessen sein? Die Gewissheit, dass ich in Wochen oder Monaten selbst für Menschen, die nun behaupten, ich sei für ihre Leben wertvoll und wichtig, nur noch eine dieser vagen Erinnerungen sein werde, die einem wie nicht aussprechbare Worte hinten auf der Zunge liegen und dann beim Finden einer Umschreibung einfach in Vergessenheit versinken, macht mein Leben so unwichtig wie wertlos. Und im nächsten Schritt muss man vielleicht erkennen, welch Freiheit in diesen Erkenntnissen liegt. Mit welcher Kompromisslosigkeit sie einen Menschen von den Ketten des Richtigseins, Richtigtuns und Richtiglebens befreit. Wenn die Vorstellung von einem Vermächtnis so übermächtig wurde, dass man vergisst, dass dieses Leben vielleicht nur dazu dient, hedonistisch alles mitzunehmen, was es einem anbietet. Wo Begriffe wie Moral oder Ethik nur denen dienen, die sich ihrer ohnehin widersetzen, ist die beständige Predigt von Tugenden doch die schärfste Waffe derjenigen, die sich selber unmoralisch und skrupellos nehmen, was sie wollen. Und in Abwesenheit einer Hölle bleibt dieses Verhalten ohnehin ungestraft, ungesühnt. Davon fantasieren nur die, die denken, dass wir als die Krone der Schöpfung, als Gottes Meisterwerk in irgendeiner Form fürs angepasste Brav sein belohnt werden.
Werden wir aber nicht.
Ich habe mich Zeit meines Lebens als gewalttätigen und aggressiven Menschen beschrieben, weil Wut so sehr zu meiner Natur gehört, dass es mir ohne sie kaum möglich ist zu atmen.
Ich lerne jetzt erst, dass meine Wut nie dazu da war, irgendjemanden oder irgendetwas zu vernichten. Sie war immer nur dafür gedacht, mich selbst zu schützen, weil es nie einen Menschen gab, der das getan hat.
Meine Wut verschiebt sich gerade von Waffe zu Kraft, zeigt mir ihr volles Potential von Schutz statt Zerstörung.
Wie ein Raubtier richtet sie sich auf, endlich bereit, gnadenlos all meine Grenzen zu verteidigen, weil ich meinen Wert nicht mehr davon abhängig mache, für andere Menschen zu funktionieren.
Ich will nicht mehr als Regulativ gebraucht werden. Ich will gesehen, geliebt, umworben und wertgeschätzt werden.
Um meiner selbst willen.
Wenn man nachhaltig seine Grenzen kommuniziert hat und sie wiederholt überschritten werden – was bleibt einem dann noch? Wenn man den Tag morgens schon weinend beginnen muss, weil das „Ich kann es besser und ich entscheide, dass deine Grenzen nichts wert sind“ dieser Person nur noch mehr Chaos und noch mehr Arbeit bringt?
Verzweiflung, Wut und immer wieder die Frage: Wie hoch muss ich die Mauer denn bauen, damit meine Grenze endlich respektiert wird?
Wie laut muss ich werden, wie viel Wut muss ich generieren, wie weit muss ich mich entfernen?
Ich nähere mich mit riesigen Schritten dem Punkt, an dem ich alle Brücken hinter mir nur noch niederbrennen will.