Morpheus vs. Merowinger

Es ist meine absolute Lieblingsszene aus allen Matrixfilmen.

Der Merowinger, pure Laszivität, Lust an Sprache, Inhalt und Form. Er spricht mit einer an Anstößigkeit grenzenden Lebendigkeit, bleibt dabei außerhalb jeder Berechnung, er ist das Spiel.
Das macht ihn so verführerisch.

Morpheus. Morpheus ist zu Fels gewordene Überzeugung.
Es gibt nur falsch und richtig.
Das macht ihn so verführerisch.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Morpheus ohne jede Regung, ohne Grautöne, ohne jeglichen Zweifel mehr verkündet als behauptet:

Everything begins with choice.

Der Merowinger zögert ebenfalls nicht in seinem Widerspruch:

No, wrong. Choice is an illusion created between those with power and those without.

Und beide haben Recht.

Würgen

Ungeschützt.

Einmal mehr.

Ich hänge über dem Klo und würge mir die Verletzlichkeit aus der Seele, Närrin, ich. Eiskalte Schauer über meinen Rücken. Die Bedrohung, die keine ist, ich weiß es ja. Und doch kommt die Ohnmacht wieder. Aushalten. Ausharren. Was hat man alles preisgegeben? Was werden sie gegen mich verwenden? Vergangenheit und Gegenwart diffundieren, bis sie sich nicht mehr voneinander trennen lassen. Die Amygdala würgt weiter, bis der Magen leer ist. Lauf! Flieh! Kämpfe! Ertrage! In meinem Kopf dreht sich alles, bis ich erschöpft zur Seite kippe. Da war.. Hoffnung. Da ist… Erkenntnis, nicht gesehen zu werden. Nicht von ihm. Nicht von dem, der all die Wunden geschlagen hat. Der den Weg noch schwerer gemacht hat. Und leichter. Wir dürfen nicht vergessen, dass es Gutes gab. Natürlich gab es Gutes! Aber die Amygdala kann keine Dankbarkeit. Keine Demut. Das kann nur der Neocortex. Und der hat mich zu oft verraten. Einmal noch vertrauen, diesmal ist es anders, vielleicht hat er sich geändert, vielleicht noch eine Chance, noch eine Chance, noch zwei Chancen, noch hundert Chancen, noch ein Jahr, noch 10 Jahre, noch einmal…