Die Lückenbüßer

Lidl

Parmesan
Pommes
Äpfel
Bresaola 2,99 2x
Wasser klein
Mandarinen 1,5kg 1,99

Golden Sun
Langkornspitzenreis
im Kochbeutel
8x125g

Warum Parmesan und Bresaola nicht direkt untereinander stehen, weiß wohl nur der Autor. Es ist nicht mal nach Laufwegen sortiert.
Völlig ziellos scheint der Geist hier umherzuirren, auf der Suche nach fehlenden Kleinigkeiten, die man entweder nachkaufen muss oder auf absurdeste Art und Weise miteinander kombinieren möchte.
Wer so ruchlos Parmesan und Tiefkühlpommes untereinander schreibt, während er zwei Zeilen weiter bereit ist, 6 Euro für ein paar Scheiben hauchdünnen Bresaola auszugeben, dem sollte man die Küchenlizenz entziehen.

Langkornspitzenreis. Aber im Kochbeutel.
Noch einmal so verzweifelt sein.
Immerhin Obst und Wasser. Aber das nur klein.

Ich sage Single. Maximal junges Pärchen.

Frei

Ich bitte Butz um Mithilfe bei einer sehr unschönen Aufgabe, die mit ziemlich viel Muskelkraft und Schweiß verbunden ist.

Er blickt mich nachdenklich an. „Das klingt nicht gut. Kann ich Nein sagen?“

Ich denke an Uroma und antworte, was sie mir in solchen Situationen halb summend, halb lächelnd in den Raum gestellt hat:

„Natürlich, Kind. Du bist zu jeder Zeit Herr deines Schicksals und deines Glückes Schmied.“

Der kleine Sohn überlegt. „Aber das hat Konsequenzen, oder? Dann musst du es machen? Und dir geht es nicht gut. Außerdem backst du ja meinen Kuchen, weil ich morgen Geburtstag habe… Ich mach es!“

[Ich vermisse dich, Oma.]

leer

Ich schleppe mich durch die Tage.

Natürlich weiß ich, warum ich seit Wochen krank bin und mich nicht auskurieren kann. Natürlich weiß ich, wo der Schwindel herkommt. Natürlich weiß ich, warum ich so viel schlafen muss. Natürlich weiß ich, wo die Schmerzen herkommen. Natürlich…

Ich habe mich die letzten Monate leer geredet, leer gehört, leer geschrieben, leer geweint. Viel Substanz bleibt nicht mehr, also schleppe ich diese Hülle, die mal so voller Leben, Liebe und Hoffnung war, mit aller Kraft zusammengehalten durch die Tage, um den Anschein zu wahren, dass ich weitergehen … kann? Will?

Ich weiß es nicht.

Ich habe bald alle Jahre aus meinen offline-Archiven herausgeschaufelt. Alles noch mal durchgelesen, angesehen, durchlitten, durchwütet. Ertragen, mit all der Wut und Frustration, die ich als Zukunft bereits kenne und mir als Vergangenheit doch nicht vermitteln kann. Werde ich das in 10 Jahren ebenfalls denken, wenn ich dies hier nachlese? Bin ich dann überhaupt noch da?

Ich weiß es nicht.

Ich kann meine Einträge nicht korrigieren, nicht mal anfassen, weil es in der Vergangenheit die Gegenwart spiegelt, in seligem Unwissen dessen, wieviel Leid und Ernüchterung die Zukunft bringen würde.
Ich bin so wütend auf dieses naive Menschenkind, das so fest an die Macht der Liebe geglaubt hat.

Heute weiß ich, dass Liebe ewig, aber nicht allmächtig sein kann.
Es war ein harter Fall.

Ich kann aber wählen, was ich behalte. Das ist erstaunlich viel. Ich habe mich nur bei sehr wenigem entschieden, es zu löschen oder nicht hierher zu übertragen. Einiges war zu intim, einiges zu heiß, einiges so kalt, dass es in Vergessenheit geraten darf. Ich schreibe hier zwar nicht nur für mich, ich schreibe auch für jene, die später wissen wollen, wer ich war und warum ich so geworden bin, aber es gibt einige klare und harte Entscheidungen, was jetzt im Nebel meiner Erinnerung verschwinden darf.

Ich bin die Letzte, die all diese Geheimnisse trägt und die meisten davon werde ich mit ins Grab nehmen. Die Geschichte von Gewalt und Missbrauch endet bei mir.

Das ist meine Superkraft.