Elementares

Darf ein Fels in der Brandung wanken? Was, wenn man ihn wanken gesehen hat? Ist er dann nach wie vor ein Fels, sobald er seinen Halt wiedergefunden hat?

Oder ist das Gefühl, sich in jeder Situation daran festklammern zu können, ein für alle Mal verloren?

Schwebend zwischen den Dingen…

Beinahe…

Beinahe etwas ganz ganz Böses gesagt.
Beinahe nicht rechtzeitig meine Selbstbeherrschung zurückgewonnen.
Beinahe weich geworden.
Beinahe zu wütend geworden.
Beinahe aus der Haut gefahren.

Geschafft, abzuwarten.
Es brodelt, es wütet, es tobt in mir.
Ich werde nicht denselben Fehler machen wie meine Eltern.

Ich werde auch nicht das Gegenteil dessen tun, was meine Eltern gemacht haben.
Ich kann will und werde meinen eigenen Weg finden, damit umzugehen.
Und sie ist alt genug, auch man einen Moment alleine dazustehen.

Wer Mist macht, darf auch einen Moment darin sitzen bleiben.
Wütend, enttäuscht, traurig… bleibt die Frage, was sie davon sehen darf.

Verwundet

Traue mich kaum zu schreiben, weil es eine Grenze, eine andere, eine fremde, verletzen könnte. Mache die ersten zaghaften Schritte nach vorne und hoffe inständig, dass wir den Weg weitergehen können.

Vielleicht sind es gar nicht die großen gewaltigen Dinge und Geschehnisse, die eine Beziehung für immer verändern, die Rollen tauschen, in denen man sich jahrelang so wunderbar eingefunden hat… vielleicht braucht es bloß eine Stunde, eine Welt auf den Kopf zu stellen und sie neu betreten zu müssen, wie man sie zuvor noch nie betreten hat.

Falsche Entscheidungen sind nicht rückgängig zu machen, man muss mit ihnen leben oder sterben. Solange der Tod keine Wahlmöglichkeit darstellt, muss man sich arrangieren.
Schuldgefühle, auf ganzer Linie. Hätte ich doch nur, wäre ich doch nur früher dort gewesen, wäre ich nur dageblieben…

Kenne meine Rolle nicht mehr, meine Aufgabe und merke doch, wie nach nun fast zwei Wochen die Aufmerksamkeit langsam nachlässt und die Müdigkeit kommt. Vertauschte Rollen, so kommt es mir vor und ich fühle mich so falsch..

Die Achtsamkeit fordert meine ganze Konzentration und ich frage mich, wie tief die Wunde ist. Wie stark die Verletzung.
Ob sie die Seele erreicht hat.

Traue mich nicht, in die Vergangenheit zu blicken, weil ich werten würde.
Von mir wird erwartet, diese Dinge einfach auszuhalten. Schmerz, Hilflosigkeit, gehört ja dazu, ist ja natürlich. Ich werde damit allein gelassen bis es nicht mehr anders geht. Für sich selber beansprucht man eine ganz andere Behandlung und bekommt sie natürlich auch, denn ich bin nunmal niemand, der andere Menschen im Stich lässt, wenn es ihnen schlecht geht.

Auch noch auf der Flucht vor mir selber.
Und gleichzeitig Fels in der Brandung.

Hilflos.

Selten…

…habe ich mich über Blut so gefreut.

Der Alptraum hat endlich ein Ende.

Und ich habe in aller nur denkbaren Deutlichkeit erfahren, dass, obwohl ich dieses Kind ausgetragen hätte und es genauso willkommen und geliebt wäre wie alle anderen Kinder, ich die richtige Entscheidung getroffen habe.
Ich habe keine Kraft mehr, mit noch einem weiteren Kind alleingelassen zu werden.

Erleichterung, auf ganzer Ebene.

Dafür ein, zwei neue Baustellen, die nun aber in etwas hellerem Licht.

Das Geschenk?

Es erscheint mir mit meiner Vergangenheit so vermessen – so unglaublich undankbar – um das zu bitten, was ich mir wünsche.

Warten, einmal mehr. Auf? Ja, worauf eigentlich?
Kann eine Welt zusammenbrechen, wenn man ein Geschenk erhält?
Muss man für jedes Geschenk dankbar sein?

Darf man für ein Geschenk undankbar sein, wenn es doch immer gewollt und geliebt aber in diesem Fall nun einmal nicht freiwillig gewählt worden wäre?
Ich tue mich schwer damit.

Ich gehe jedem Gedankenspiel aus dem Weg, weil es mich innerlich auffrisst, zerreißt bald, diese Ungewissheit. Seit Tagen stehe ich neben mir, zähle Stunden, achte auf kleine Anzeichen und versuche dabei, nicht verrückt zu werden.

Ich kann das nicht.
Ich will das nicht.

Angst. Nackte Angst.

Wut

Bei allem nötigen Respekt für meine selbstgewählte Erziehungsgrundlage, Probleme ohne Gewalt zu lösen – manchmal wünschte ich, meine Kinder würden hingehen und diesen unsozialen Ablegern anderer Menschen einfach mal eins aufs Maul geben…

Kampf gegen die Muster meiner Kindheit.