Trüb

Von den einzigen Menschen, die mir vielleicht beantworten könnten, was damals alles passiert ist in diesen großen schwarzen Löchern in meiner Erinnerung, an deren Rand ich einfach nur eine Gänsehaut aus Angst und Schweiß und Panik und Ohnmacht fühle, habe ich mich abgewandt.

Ich weiß nicht, ob sie mir antworten könnten oder wollten oder ob es überhaupt die Chance auf Klärung gäbe, aber sie ist vertan. Ich werde mit diesen Menschen zum Glück nichts mehr zu tun haben. Die kurzen Blitze beschränken sich nicht auf sie, bei weitem nicht. Da ist so viel mehr im Dunkel. Nichts Greifbares, nichts Substanzielles, kein Wissen. Ohnmacht, auch ein viertel Jahrhundert später. Und doch sind sie da. Wenn der schwarze Schleier sich einen Moment lang hebt und eine Ahnung loslässt, bevor alles wieder in Finsternis versinkt. Vielleicht wäre es einfacher, einfach nur seltsam zu sein, einfach akzeptieren zu können, geistig vielleicht umnachtet, krank, sonstiges. Vielleicht bin ich das sogar und alles entspringt meiner Einbildung. Ich würde so gerne loslassen können.

Grübeleien sind sinnlos, wenn es keine Antworten geben kann.

Der Brief

Ich habe eine Mail geschrieben. Und abgeschickt.

Ich mache seit einem Jahr Psychotherapie, um der unendlichen Wut in mir endlich auf den Grund zu gehen.

Vor einem Jahr habe ich herausgefunden, dass mein Ehemann mich schon länger belogen und betrogen hatte, mir und meiner Firma Geld veruntreut, Geld geklaut hat und generell nicht mehr allzu viel Lust auf unsere Ehe hat.

Meine Eltern führen sich auf wie die letzten Menschen und ich sehe durch die Augen meines Kindes zum ersten Mal die Ungeheuerlichkeiten, die sie mir angetan haben.

Mir wird übel, wenn ich darüber nachdenke, meiner Tochter auch nur das Geringste dessen anzutun, was mein Alltag war.

Mein Therapeut riet mir von dieser Mail ab. Dringend.

Zu recht, wie sich jetzt herausstellte.