Spaß mit Arzthelferinnen

Eigentlich hatte ich ja heute Glück in der Zuteilung der Arzthelferin beim Frauenarzt. Eigentlich.

Denn der graue Haus- und Hofdrachen der Praxis hat nun mal so einige Wehwehchen und meckert darum nur vom Tresen aus, was sehr wohltuend ist, wenn man dort nicht verweilen sondern von Labor zu Toilette zu CTG zu Arztzimmer muss und dabei von der jungen sehr empathischen Arzthelferin begleitet wird, die einen Patienten tatsächlich neben der Karteikarte noch als Menschen wahrnimmt. Blutabnehmen, messen, wiegen, in einen Becher pinkeln, CTG, all das lief hervorragend, bis… ja bis sie zur Ärztin rein musste um zu assistieren und der Drache kam, mich vom CTG abzukabeln. „Sie liegen ja auf dem Rücken!!“ (Weit aufgerissene Augen, als hätte ich gerade einen Mitpatienten erschossen.)

– Ähm. Ja. So liege ich am besten. „Haben Sie jetzt etwa die GANZE DREIVIERTELSTUNDE so gelegen?????“ (Gefühlte 15 Fragezeichen und so ein wilder Ausdruck in den Augen.)
– Ja. Ich kann nicht anders liegen, ohne starke Schmerzen zu bekommen.
„Sie DÜRFEN in ihrem Zustand nicht auf dem Rücken liegen!!“
Ich seufze. Ich erkläre, dass ich beidseitig klemmenden Ischiasnerv habe und grundsätzlich auf dem Rücken liege. Seit 8 Monaten. Wie in jeder der bisher 9 Schwangerschaften.
„Das muss ich Frau Doktor mitteilen, die spricht mit Ihnen darüber. Sie DÜRFEN nicht so liegen.“

Ich seufze. Ich unterbreche sie. Ja, ich weiß das mit der Vene. Ja, ich bin aufgeklärt worden. Ja. Ja. Ja.  Ich frage mich, was aus der guten alten Anweisung geworden ist, dass man Schwangere nicht aufregen sollte, denn mein Puls ist trotz äußerer Ruhe inzwischen jenseits von Gut und Böse.

Rettung naht. Die nette Arzthelferin kommt ins Zimmer und will nachsehen, warum der Drache so brüllt. Und wird spontan selber angemeckert, dass sie mich auf dem Rücken hätte liegen lassen. Vene und so. Und mein Zustand. Ich lächle sie ein wenig gequält an, als sie einfach nur ruhig mitteilt, dass sie jetzt wieder übernehmen würde. (Beruf und Berufung, einmal mehr)

Nachdem ich mich an so ziemlich allen Körperteilen habe anfassen und begutachten lassen, darf ich nun jede Woche einmal zum Arzt. Ich habe absolute Vorzeigewerte, es ist alles in Ordnung, aber Risikoschwangerschaft. Ne? Ich wüsste ja. Müsste sein. Na klar. Ich weiß ja. Muss ja sein.

Noch maximal sechs Wochen und dann könnt ihr mich alle mal am Arsch lecken.

Ne? Wisst ja.

Vom BMI und anderen Lügen

Nachdem ich heute den Bericht aus der Praenataldiagnostik bekommen habe, musste ich mir erst ein Schmunzeln und dann ordentlich Wut verkneifen. Wenn man nicht mal in der Lage ist, eine (Gewichts-) Zahl richtig abzulesen, dann erhöht man nach der Berechnung mit dieser Zahl meinen BMI mal eben durch einen Zahlendreher um knappe 10 Punkte. 10 Punkte.

Gut, dass sie keine Anästhesistin geworden ist. Die Narkose hätte vermutlich gereicht, zwei Mammuts zu betäuben.
Und wenn man dann noch auf drei Seiten Bericht unter jedem einzelnen verfickten Punkt (mit einkringeln, sehr schön) schreibt, dass aufgrund dieses hohen BMIs eine genaue Aussage zum Thema Fehlbildungen und Herzfehler nicht möglich sei, dann zeugt das wirklich einfach nur von Inkompetenz.

Ich bin dann für heute wirklich fertig mit der Welt im Allgemeinen und mit Ärzten im Besonderen.

Seufzen

So dankbar, so demütig, dass die Zeiten vorbei sind, in denen es Schmerz brauchte, sich wahrhaft lebendig zu fühlen.

Missen möchte ich sie nicht, jene Zeiten meines Lebens, meine Narben trage ich stolz, aber nicht zur Schau.

Es fehlt die Sehnsucht zurück. Bereue nichts.

Dankbar, weitergegangen zu sein.

Es ist gut so wie es ist. Alles hat seine Zeit.

Kleiner Kollaps

Es ist zu heiß. Dabei ist es nicht mal heiß. Nur schwül und drückend und bah und ich will Regen und Kühle und dass alles so ist wie noch letzte Woche. (und Panama – Panama riecht nach Bananen…)

Es kommt mir vor, als ob alle Menschen außer mir bewegliche anmutige Gazellen wären und ich bin der Riesenpottwal an Land. Mit Asthma.

Mein Bauchumfang sprengt so ziemlich alles und der Mann sagt mir auf Spaziergängen (auf denen mich Schnecken überholen) so Dinge wie: Das ist ein süßes kleines Schwangerschaftsbäuchlein.

Ich sehe an mir runter, an diesem Fass von Bauch, das angeblich nur Gebärmutter, Fruchtwasser und ein winziges Baby enthält und kann nur ahnen, wo meine Füße sind, die vermutlich so von Wasser angeschwollen sind, dass ich in der Wüste damit 3 Wochen überleben könnte – wie ein Kamel, nur ohne Höcker. Dafür mit Wöcheln.

Der Mann ist beim Training – noch so ein Stachel – und bewegt sich… (obwohl ich persönlich jeden Gegner einfach plattwalzen würde, Energie hin oder her)… während ich mich selbst geißele und Videos von durchtrainierten Frauen ansehe, die auch noch singen können. Oder nicht singen können, dafür aber hammermäßig lange Beine auf Stühle stellen und dabei zum Niederknien aussehen.

Ich denke an meine Wöchel und daran, wie lange ich sitzen könnte, bevor der Stuhl unter mir einfach zusammenbrechen würde. Vermutlich würde der Mann dann etwas über die minderwertige Qualität von Stühlen im Allgemeinen von sich geben und mich damit noch wütender machen.

Ich atme nicht mehr, ich schnaufe. Ich hasse schnaufende Menschen. Ich habe 15 Kilo abgenommen, weil ich jeden Tag kotzen muss und schnaufe, als hätte ich im letzten halben Jahr zwei Zentner Gewicht zugelegt. Ich finde das unfair. Und doof.

In meiner Phantasie sind schwangere Frauen losgelöste ätherische Wesen, die mit offenen Haaren in Sommerkleidchen über Wiesen schweben und geradezu überirdisch schön von innen heraus strahlen.

Ich stampfe dann mal hinter ihnen her und kotze die Wiese voll.

Man will ja immer das…

Ich wette, sobald das Baby da ist und mein Körper wieder mir allein gehört, habe ich keine – aber auch wirklich gar keine – Ambitionen mehr, aus einem Flugzeug zu springen, den Dschungel zu durchkämpfen oder einen Ozean zu durchschwimmen.

Von der terminlich gerade leider nicht in meinen Kalender passenden Kampfpilotenausbildung mal ganz zu schweigen, die mir aktuell heute Morgen heiße Tränen in die Augen trieb, weil ich mit einem Babybauch und kleinen Kindern an ein Leben gefesselt bin, das in Stimmungsschwankungen aussieht wie ein kleines Kerkerloch bei Wasser und Brot.

Ich hasse diese Scheißhormone.

Bah

Immerhin, das Paracetamol puffert den Schmerz ein wenig. Bei der Menge vielleicht auch kein Wunder, ich bezahls wie immer mit Magenkrämpfen. Aber gut.
Dafür beim Nachhausefahren festgestellt, dass das Zahnfleisch an mehreren Stellen einfach angefangen hat zu bluten.
Krönender Abschluss für einen Montag.

Problemlösungen

Heute Morgen in einem akuten Anfall von Luftnot und Bauchschmerzen die Boxershorts des Mannes angezogen. Hölle, ist das bequem.

[Und Oma sagt ja auch immer nur: „Kind, zieh dir IMMER einen frischen Schlüpfer an!“ – von Männer- oder Frauenunterwäsche hat sie nichts gesagt]

Wehen

Sie begleiten mich schon einige Wochen, immer mal wieder, immer nur kurze Zeit – eine Stunde, zwei Stunden… aber als deutliches Zeichen: Stopp – bis hierhin und nicht weiter.
Und so absurd es mir vorkommt, denn ich habe nur 3 Kinder, die auch noch in einem Alter, in dem sie notfalls wirklich alles alleine machen können und ein relativ geordnetes und übersichtliches Leben, ich mache langsam.
Ich watschle durch Supermärkte, über Spielplätze, durch die Gegend, ich brauche gefühlt 20 Minuten für 4 Treppen – ich watschle so durch mein Leben, um dieses Kind nicht zu gefährden.

Die einfachsten Sachen sind nur noch sehr eingeschränkt und sehr langsam möglich und das kotzt mich sehr an. Im gleichen Atemzug bin ich grundlegend dankbar, nicht liegen zu müssen, noch die Wahl zu haben, die Dinge überhaupt tun zu können, wenn auch auf eine Art, die mich innerlich Amok laufen lässt.

Ich bin unruhig, innerlich. Sehr. Meine Haut spiegelt meine Seele wie immer durch massive Neurodermitisanfälle, Juckreiz und Schmerzen. Meine Narben haben sich in den letzten Tagen dort wieder intensiv rosarot gefärbt, wo schon ein sanftes Perlmutt schimmerte, das ihr Alter verrät. Bah, alles. Erinnerungen hängen leuchtend bunt und kreischend in der Luft, wo ich auch hinsehe. Meine Mutter, an vorderster Front, und Ekel und Würgereiz überkommt mich.

Auch hier, Wehen. Geistig. Ich versuche, die Bilder zuzulassen, in sie hineinzuatmen, die Tränen zuzulassen, wenn sie kommen und Schritt für Schritt weiterzugehen. Ich bin sicher. Ich kann das. Ich schaffe das. Berührungen sind fast unerträglich geworden, mir graut es wie jedes Mal vor dem Stillen des Babys. Immer noch triggert gerade der Brustbereich auf grausame Art und Weise.

Ich sehe sie wieder vor meinem Bett sitzen, streicheln, sich langsam vortasten, mir in meine Abwehr sagen, ich solle mich doch nicht so anstellen…
Hier fahren die Wächter aus ihrem Schlaf und lassen mich in tröstender Dunkelheit versinken.

Und ich gehe weiter im Alltag. Aufstehen, mich um alles kümmern, 12 Stunden später dankbar sein, dass da noch zwei Hände sind, die die beiden Abendstunden übernehmen können, schlafen. Bis zum nächsten Morgen. Oft liege ich wach und denke über den nächsten Schritt nach. Keine Kinder mehr. Familienplanung abgeschlossen. Mein Herz schreit, wimmert, bittet… und der Bauch und der Kopf atmen auf. Ich merke, wie ich schwächer werde. Neunte Schwangerschaft. Mein Körper wehrt sich und ich verstehe ihn so gut.

Allein, mein Herz…
Wehen veratmen. Im realen Leben und auch hier im Schreiben.
Der Bauch kommt langsam wieder zur Ruhe, ich warte darauf, meinen Sohn heute vielleicht spüren zu dürfen, nur ein kleines Zeichen.

Vielleicht später.