Wenn ich dich doch nur spüren könnte…
7 Monate trage ich dich nun schon und spüre dich kaum. Als würdest du etwas zurückhalten, etwas wissen, das ich noch nicht wissen darf…
Hab Vertrauen, sagt dein Vater…
Wenn ich dich doch nur spüren könnte…
7 Monate trage ich dich nun schon und spüre dich kaum. Als würdest du etwas zurückhalten, etwas wissen, das ich noch nicht wissen darf…
Hab Vertrauen, sagt dein Vater…
„Ach, Sie nehmen aber so viel ab, Mensch, wie machen Sie das nur?“
Meine Antwort: „Ich übergebe mich viel“, war nicht das, was mein Gegenüber hören wollte, auch wenn es der Wahrheit entspricht und ich nicht verstehe, wie Frauen so besessen auf Gewichtsreduktion sein können, dass sie eine massive Gewichtsabnahme in der Schwangerschaft als glückselig machend empfinden.
Mir ist das momentan relativ egal, weil ich andere Dinge habe, die mich beschäftigen. Ich freu mich dann später. Oder so.
Und da ich es von weiblicher Seite schon mehrfach gehört habe, dass die verlorenen Kilos bei mir durchaus einen Unterschied machen, habe ich vor einiger Zeit mal den Mann gefragt, wo ich denn seiner Meinung nach nun abgenommen hätte. Der sagte, er könne nicht erkennen, dass ich überhaupt abgenommen hätte.
Soviel dazu. Beweisvortrag abgeschlossen. Nächstes Thema.
Der Arzt auf meine sachliche Frage, ob und welche Art Schmerzmittel für mich in Betracht käme, weil die verrenkte Hüfte mich weder richtig schlafen noch laufen noch meinen Alltag bewältigen lässt.
Danke. Danke für diese einfühlsame nette und menschliche Art. Danke für den Beweis dafür, dass Ärzte sozial kompatible sachlich argumentierende Menschen sein können. Nicht.
Ich würde weinen, wenn ich mir diesen Moment der Schwäche zugestehen würde. Ich will nicht. Diese Schwangerschaft noch und dann wird final operiert.
Ich werde mich mein Leben lang weder noch einmal einem solchen Zustand aussetzen noch der Behandlung der Asozialen, die sich Ärzte nennen.
Okay, bis zur Hälfte des Tages verbuche ich also eine weitere Talfahrt auf meiner ganz persönlichen Depressionsachterbahn, habe Kopfschmerzen und immer noch eine vereiterte Nasennebenhöhlenentzündung, habe mit dem Jugendamt, dem Amtsgericht und einer Anwaltskanzlei gesprochen, nach langer Zeit nenne ich wieder einen Anwalt mein eigen, habe mit dem Horrorhühnerhaufen des Kindergartens eine Grundsatzdiskussion über Impfen, Schokolade, Geburtstage für 4jährige mit Schatzsuche mit geschriebenen Hinweisen, die keiner der Gäste lesen kann und unangeschnalltes Autofahren geführt und meine Hüfte ist nach wie vor ausgerenkt/verrenkt/ähnliches, während heute Morgen die Parkplatzsituation so war, dass jede Mutti zwei Parkplätze blockierte und ich somit vom nahegelegenen Supermarktparkplatz einen halben Kilometer mit besagter Hüfte und im siebten Monat schwanger den Berg hochhumpelte.
Zwanzig Minuten für eine Strecke. Ich liebäugle noch mit dem Marathon.
Damals, bei der Steißbeinwasauchimmer in der Schwangerschaft mit dem Kobold ließ man mich erst vier Stunden im Krankenhaus warten, während derer ich stehen musste, dann musste ich mich vor Schmerzen schreiend auf eine Krankenhausliege legen, während man mir sagte, dass man mich weder röntgen noch mir etwas gegen die Schmerzen geben würde. Schwangerschaft und so. Auf wiedersehen und sehen Sie doch zu, wie sie zurechtkommen.
Ich kam zurecht und deswegen erspare ich mir aus Effizienzgründen den Besuch dort, auch wenn ich gestern Nacht kurz davor war, den Krankenwagen zu rufen. Nur wofür?
Das Verhalten der meisten (Krankenhaus-)Ärzte ist der letzte Dreck, da diese zuallererst an ihre Haftpflichtversicherung denken. Und asozial noch dazu. Umgangsformen legt man zumindest im Krankenhaus wohl spätestens während des ersten Patientenkontaktes ab.
Heute dann nur noch eine kleine geschmeidige Frenektomie beim großen Kind (der Gefrierschrank ist RANDvoll mit Wassereis) und der Versuch, heute zumindest so lange aufzubleiben, bis die Kinder im Bett sind, um mit dem Mann den Streit von gestern Abend fortzusetzen.
Ein ganz normaler Montag also. Da geht noch was. Ist ja erst 1 Uhr.
Jetzt erst mal wieder eine Handvoll Schmerzmittel und weiter im Laufrad.
Okay, lieber Körper. Ich tue, was ich kann. Ehrlich. Dieses eine Menschlein nur noch, nur dieses Eine noch heile ein paar Wochen beherbergen, okay? Dann gehörst du wieder dir und mir allein.
Ich finde es wirklich entzückend, wenn mir jeden gottverdammten Morgen Galle und Blut durch Nase und Rachen laufen, wenn ich kotzend unter der Dusche stehe, mit Wehen, Magenkrämpfen und in Gegenwart von drei Kindern, die bei dem dazugehörigen Wimmern nun mal um die Ecke schauen. Ich weiß, es ginge noch schlimmer, ehrlich. Das tröstet aber nur begrenzt. Und wenn ich wieder eine Nacht beschissen geschlafen habe, weil du mit deinem verfickten Gehirn jede einzelne Missbrauchssequenz mit meiner Mutter wieder hochholst, ich weiß, es ginge schlimmer. Du Arschloch.
Ich kümmere mich um dich. Ich passe auf mich auf. Ich schleppe dich zu jedem Arzttermin, damit du auf Herz und Nieren überprüft wirst und am Ende ist es sogar das, was diese enorme Abwehr hervorruft.
Aber dieses eine Baby noch, ja? Ich spare mir die schnöden Worte, ich könnte nicht mehr, denn ich kann noch. Ich kann noch sehr viel mehr ertragen als deine blöden Wehen und die panische Angst, dass dieses Baby jetzt stirbt. Jede gottverdammte Minute meines Lebens denke ich daran, warum ich meinen Sohn nicht spüre. Nur noch 15 Wochen. Das schaffen wir.
Pflaster mich meinetwegen zu mit deinen Kopfschmerzen und deinen Krämpfen und Wehen, dem massiven Gewichtsverlust und weiß der Teufel noch was. Ich stehe jeden Morgen wieder auf. Das ist etwas, das ich gelernt habe. Jeden verfluchten Scheißmorgen kannst du mich gängeln und geißeln bis ich abends um 8 Uhr erschöpft ins Bett falle. Um mich dann im Schatten der Nacht mit meinen Erinnerungen zu quälen. Bis um 6 Uhr, wenn ich wieder aufstehe, weil ich den Geschmack meiner eigenen Galle wieder im Mund habe.
Fick dich selber, wenn du mit mir durch bist.
Nichts fasse ich an, ich werde nichts tun. Vielleicht morgen, so Gott mir einen Mann erspart, der am Abend nach der Arbeit alles wegräumt, weil er das Chaos nicht ertragen kann. Mein Chaos.
Meine wirren Gedanken zu Flucht und einem eigenen Leben und Affen und Klopapier und Fruchtzwergen auf dem Flurboden. Wer weiß es schon so genau, wo das Ich aufhört und das Außen anfängt.
Wohnraum als Metapher der inneren Ordnung. Aufräumen als Selbstgeißelung. Bis es blutet. Aber warum ist es wichtiger, sich um das Geschirr als um mich zu kümmern? Mich kann man im Gegensatz zur Wäsche auf dem Fußboden anscheinend in meiner Verzweiflung einfach liegenlassen. So sehr scheine ich in meinem Schmerz zumindest nicht den geregelten Tagesablauf zu stören.
Und ich lese Texte von genervten Müttern, die alle ihr Schicksal beklagen und sich Kinder- und Babyklappen herbeisehnen und ein Leben als Single und ohne Verpflichtung und nicke geistig ununterbrochen mein Hohelied der Verzweiflung, bis der unsägliche Teil kommt, in dem das Kind abends zuckersüß murmelt: Ich hab dich lieb, Mami.
Und alles ist wieder rosa.
Vielleicht ist das die wahre Lüge. Liebe und Zahnpastaschnuten reichen nicht. Nicht hier. Nicht für mich. Nicht mehr. Die Freiheit schreit lautstark nach Befriedigung und die pure Lust pulsiert durch mein Gehirn allein bei dem Gedanken, nicht zurückzublicken.
ur weitergehen. Lauf, Jane, lauf.
Rosa Zuckerwatte klebt nicht alles fest. Ich bin schon in der Phase mit dem Waschlappen und der Seife.
Ich will mein Baby zurück.
Das Gefühl, als hätte mir jemand Säure ins Gesicht gekippt, schwindet nicht. Die Haut ist roh und schmerzhaft und blutig und juckt, so dass ich sie am liebsten in Fetzen vom Fleisch reißen möchte, einfach nur um das Gefühl loszuwerden. Alles besser als dieser Zustand. Jede selber zugefügte Wunde, jeder Schnitt am Arm würde das Leben erleichtern, weg von dem alles verzehrenden Verlangen, mich aufzulösen und das Gesicht zu zerkratzen, zu zerschneiden, zu verbrennen.
Ein wenig Linderung nur.. nur ein wenig…
Bisschen Erkältung, ein bisschen Blut. Nichts Wildes.
Kenne ich ja schon. Scheint hier sonst auch niemanden mehr zu interessieren. Tagesordnung bei allen Beteililgten.