Tage wie dieser

Manchmal möchte ich schreiend und weinend auf die Knie sinken, dir zu Füßen, dich anflehen, schreien, brüllen, wer du warst und wo du mein Herz hingebracht hast. Du hast mich verschlungen wie ich dich, inhaliert, geatmet, aufgesogen. Und ich stehe jeden Morgen ohne dich auf, lese dich, bohre mit dem Finger tiefer in die offene eiternde schwärende Wunde deines Verrats.

Es gibt dich gar nicht. Du hast mir einen Spiegel vorgehalten, der mich geblendet hat. Selbstverliebt habe ich mich verbrennen lassen von dieser Intensität und Leidenschaft, die im Grunde nur aus mir selber resultierte. Und doch… ich wünschte, es hätte dich wirklich gegeben.
Immer auf der Suche nach dem Traumbild, dass du mir geschenkt hast. Den Samenkorn des Begehrens, der Begierde, nackter Lust auf einen Seelenzwilling.

In dem Moment, in dem du den Spiegel sinken ließest, ist meine Seele erneut entzwei gebrochen und im selben Atemzug sind alle meine Scherben verschmolzen.
Mein Dank gilt dir in deinem unermesslichen Narzissmus, der meinen eigenen so zu spiegeln vermochte, dass ich heil wurde.

Ganz allein.
Ohne dich.

Ohne dich.

So wund, so roh, so richtig. So vernichtend wie heilend.

Ich hasse dich wie ich dich geliebt habe, namenlose Hure.

Vier Jahre

Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Wurzelentzündung, vereiterte Nasennebenhöhlen, Husten, Grippe, drei Kinder, die betreut werden müssen, ein Mann, der ungerührt schläft und voller Trauer um meine tote Tochter an diesem Tag. Allein.

Er hat gute Chancen, der beschissenste Tag des ganzen Jahres zu werden.

Leere Worthülsen aus toten Versprechungen sind schon was Feines.

Trüb

Von den einzigen Menschen, die mir vielleicht beantworten könnten, was damals alles passiert ist in diesen großen schwarzen Löchern in meiner Erinnerung, an deren Rand ich einfach nur eine Gänsehaut aus Angst und Schweiß und Panik und Ohnmacht fühle, habe ich mich abgewandt.

Ich weiß nicht, ob sie mir antworten könnten oder wollten oder ob es überhaupt die Chance auf Klärung gäbe, aber sie ist vertan. Ich werde mit diesen Menschen zum Glück nichts mehr zu tun haben. Die kurzen Blitze beschränken sich nicht auf sie, bei weitem nicht. Da ist so viel mehr im Dunkel. Nichts Greifbares, nichts Substanzielles, kein Wissen. Ohnmacht, auch ein viertel Jahrhundert später. Und doch sind sie da. Wenn der schwarze Schleier sich einen Moment lang hebt und eine Ahnung loslässt, bevor alles wieder in Finsternis versinkt. Vielleicht wäre es einfacher, einfach nur seltsam zu sein, einfach akzeptieren zu können, geistig vielleicht umnachtet, krank, sonstiges. Vielleicht bin ich das sogar und alles entspringt meiner Einbildung. Ich würde so gerne loslassen können.

Grübeleien sind sinnlos, wenn es keine Antworten geben kann.