09.01.2013

Loch, tief.
Souverän geht anders. Ich merkte schon, wie falsch ich lag, als die Wut sich wie ein hartes Knäuel in meinem Bauch zusammenballte. Und machte trotzdem weiter. Wenn die Mechanismen nicht greifen, merke ich, wie nackt ich bin. Wie schutzlos, wehrlos, schwach, klein. Und wütend, weil ich nie anders sein durfte. So etwas darf nicht passieren, so etwas darf einfach nicht passieren. Und so ist der einzige Trost auf dieser Welt, mir die Last von der Seele zu schreiben, ein wenig an den goldenen Locken meines Sohnes zu schnuppern und mir diese Schwäche zuzugestehen, um mir vielleicht irgendwann verzeihen zu können.
Es gibt viele Ausreden, warum ich diese Frau gerade angeschrien habe, mit so viel Wut aber eben auch mit so viel Tränen im Bauch. Keine davon darf greifen, weil diese Dinge einfach nicht passieren dürfen. Sie lassen das Kartenhaus einstürzen, das ich mir so mühevoll jeden Tag aufbaue, so lange ich in meiner Verletzlichkeit bleiben will. Ich war nicht immer so. Arroganz und Kälte bieten so viel mehr Geborgenheit für mich. Sarkasmus, Ironie, Sadismus so viel Schutz für meine eigene geschundene Seele. Ein großer Teil meiner Selbst schreit danach, endlich die Verletzlichkeit wieder abzulegen, die ich damals bei der Geburt meiner Tochter angenommen habe und für die ich mich jeden Tag aufs Neue entscheiden muss.

Ich kann nicht Kinder erziehen und lieben ohne echt zu sein. Aber ich reibe mich daran auf. Völlig schwachsinnige Dinge bringen mich aus der Fassung und nehmen Dimensionen an, die Paranoia und Depression befeuern ohne zu wissen, wann es außer Kontrolle gerät.

Ich weiß, dass ich da gerade meine Mutter angeschrien habe.

Vielleicht reicht das für heute als Erkenntnis.

08.01.2013

„Mama?“
Hm?
„Wir haben doch auch so ein Frühstückstablett, oder?“
Ich erinnere mich dunkel, dass wir mal so ein Frühstücks-Holz-Ding hatten, das aber immer umkippte und mit mehreren Kindern… und so …
Tochterkind, ich glaub, das haben wir weggeworfen.
„Ach. Schade.“
Wieso?
„Ach, ich dachte, wir könnten auch mal wieder damit im Bett frühstücken und uns das schönmachen, so wie früher, weißt du noch?“
Ich nicke, lächle und wir wenden uns wieder dem Mittagessen zu.
Ich finde das Gespräch irgendwie seltsam und frage, wie sie darauf kommt.
„Ach, wir haben uns über Weihnachtsgeschenke unterhalten und K. und C. haben erzählt, dass sie beide ein Tablett zu Weihnachten bekommen haben und da fiel mir ein, dass wir doch auch mal eins hatten.“

Ab heute dann hier im Haus: elektronische Aufklärungsarbeiten.

07.01.2013

Erschöpft.
Anwaltsbriefe.
Keine Entscheidung der Hauseigentümer.
Warten.
Warten.
Das Neue Jahr bleibt dem alten Jahr treu und doch ist alles anders.
Altlastenentsorgung. In diesem Fall: meine Eltern. Hoffe, sie können nun ihr Leben weiterleben in ihrem Hass und ihrer Kälte. Aber meines wird nun wieder geschlossen. Die letzte Öffnung wurde verbarrikadiert, zugemauert und nun schieben wir noch einen Schrank davor, der in Form eines roten Ordners die Briefe ihrer Anwälte und meine Antworten darauf enthält. Für später.
Vielleicht auch für das Feuer, irgendwann, wenn sie tot sind.
Tot. Ohne „endlich“ davor.
Es berührt mich nicht mehr.
Ich.

04.01.2013

Kopfschmerzen aus der Vorhölle. Panisches Aufwachen in der Nacht, immer und immer wieder, lauschen nach diesen Geräuschen. Rastlos.
Wenn die Kopfschmerzen mich nicht wachgemacht haben, dann die Panik, etwas verpasst zu haben. Horchen, mit Pulsschlag bis zum Hals, erschöpftes Wiedereinschlafen.
Wenn sich alles so falsch und so wund anfühlt, dass man nicht einmal weiß, welches Gefühl davon man zuerst leugnen muss, um einen Alltag leben zu können.

Uropa, gut durch

„Uropa ist schon gestorben.“, erklärt die Motte der Frau, die wir beim Einkaufen getroffen haben. „Und als er tot war, haben wir ihn gebraten.“

Ich sehe entgeistert auf meine Tochter, als der Kobold sich einmischt. „Wir haben ihn doch nicht gebraten, Blümchen. Uropa wollte geBACKEN werden.“

Die ohnehin schon weit aufgerissenen Augen unseres Gegenübers weiten sich noch einmal mehr, als ich nach schier endlosen Sekunden endlich erkenne, wovon die Kinder reden.

„Kinners. Uropa ist nach seinem Tod verBRANNT worden.“

Aufatmen bei unserer Gesprächspartnerin, leicht irres inneres Gekicher bei mir und Schmollen bei den beiden Mittelkindern.

„Haben wir doch gesagt!“

Hmhmm.