Magen.Darm.Chaos.

3 von 6 Personen habens bislang mitgenommen.

Der Wäscheberg wächst. Ich bekämpfe ihn zwischen Kind-abduschen, Windeln wechseln, Kotze wegwischen, selbst im Badezimmer festhängen.

Nebenher streiche ich ein Zimmer sonnengelb und quietschgrün, Balsam für die Seele zwischen Bauschutt, Haftputz, Kotze und Kacke.

Mag nicht mehr.

Das Mottenkind ist mehr als uneinsichtig und klaut zwischendurch aus der Küche Nahrung, die ich spätestens fünf Minuten später von irgendetwas wegwischen darf. Ich bringe das Baby ins Bett, das zwar rotzt und schnieft, aber immerhin ansonsten einigermaßen dicht ist und zähle die Sekunden bis zum Einschlafen, weil ich schon wieder Schrankklappern von unten höre. Noch vier Minuten bis zum Würgegeräusch, ich schuckele das Kind etwas schneller, immer den Kopf abgewendet, falls das die Bakterien oder Viren überhaupt interessiert, aber man muss es ja nicht herausfordern.

Die Augen klappen zu, der kleine Körper wird schlaff und der Mund verzieht sich zu einem entspannten Lächeln als ich von draußen den Mama-Ruf höre, gefolgt von Würgegeräuschen.

Ich entziehe mich dem Baby und hetze raus, immer in der Hoffnung, dass ich überall rechtzeitig bin, wenn etwas ist. Zwei Arme, zwei Hände. Selber krank. Es reicht einfach nicht.

Der Kobold jault über den Hausaufgaben, als ich gerade das Mottenkind wieder aus der Dusche hebe. Ich trage sie im Handtuch in ihr Bett, kurze Pause, die Augen fallen schon wieder zu vor Erschöpfung. Ich wische den Rest Durchfall der Motte aus dem Bad, übergebe mich noch kurz und wanke dann nach unten zu den Hausaufgaben, die mich selten weniger interessiert haben. Waschmaschine anstellen. Einmal dem Himmel dafür danken, dass wir einen Trockner haben. Kurze Pause, bloggen, es schreit gerade keiner. Das große Tochterkind wird gleich aus der Schule kommen und Hunger haben.

Weitermachen. Immer weiter.

Rollenbilder

„Ich bin die schöne wunderbare Prinzessin mit langen Haaren und bin hier in meinem Feenschloss gefangen!“, wedelt die Motte mit ihren neuesten Playmobilerrungenschaften herum.

„Du bist der gefährliche Ninja und rettest mich!“, fährt sie mit einem verzückten Quietschen in der Stimme fort.

Der Kobold verdreht die Augen. „Boah, Motte. Das kannst du doch ECHT selber. Da brauchst du doch niemanden für. Verhau halt einfach alle und dann bist du frei.“

[den Sinn für Romantik muss er von seinem Vater geerbt haben]

Sehnsucht

Der schwerste Gang meines Lebens war jener vor acht Jahren, weg von meinem Seelengefährten.

Nach 30 Stunden nur, in denen wir von der ersten Begegnung über die erste Berührung bis hin zu Himmel und Hölle auf Erden zugleich jedes Gefühl durchlebten, das diese Welt für uns Menschwesen bereithält.

Als wir uns verabschiedeten, wussten wir nicht, ob wir uns jemals wiedersehen, wiederfühlen würden.

Entscheidungen, die im Raum hingen, die unbesprochen, ungetroffen, unentschieden blieben.

Ich fuhr fort und weinte mehrere Stunden ununterbrochen.

Er hatte einen Teil meiner Seele berührt, dessen Existenz ich viele Jahrzehnte nicht einmal erahnen konnte und ich wusste, für mich gäbe es kein Zurück mehr in mein altes Leben, meine alte Welt.

In diesen Stunden fielen viele stumme Entscheidungen.

Ich hatte ihn freigegeben und wusste doch, dass ich ohne ihn nie wieder frei sein könnte.

Wusste nicht, ob er den Schritt gehen würde. Gehen könnte.

Sehnte mich mit jeder Faser meines Herzens danach, eine Erinnerung aus dieser Begegnung in mir tragen zu dürfen. Sie würde mein Geheimnis bleiben, sollte er ohne mich weiterziehen.

Mein Weg lag für diesen Fall klar und deutlich vor mir. Ich würde mit meiner Tochter und dem Baby, das so sehr willkommen war, alleine auf dem Land leben. Irgendwo in einem winzigen Häuschen, in dem ich die beiden in Liebe aufziehen könnte.

Meine Seele … mein ganzes Ich wurde in diesen wenigen Stunden so mit Liebe angefüllt, dass ich wusste, es würde für ein Leben lang reichen.

Wenn nicht dieser Mann, würde es keiner mehr sein.