Angekommen

Wir sind in den Ferien angekommen. Alle. Zwei volle Wochen hat es allerdings gebraucht, bis keiner mehr wusste, welcher Wochentag eigentlich ist. Da der Mann gerade intern eine neue Stelle angetreten hat, ist Urlaub mit allen Familienmitgliedern diesen Sommer nicht drin und wird verschoben bis in den Herbst.

Das Mottenkind hat noch eine Woche Kindergartenferien und möchte dann auch wieder hingehen. Vorschulkind und so. Außerdem kommt der attraktive Jüngling angehende Erzieher dann noch einmal zu Besuch, der beim Praktikum so viele Herzen gestohlen hatte.

Die Schulkinder machen mit allem Pause. Schwimmen, Kampfsport, Fußball, Turnen, Ballett, was es alles so gibt. Einiges davon läuft zwar in den Sommerferien weiter, aber Ferien sind Ferien.
Habe letzte Woche eine Mutter getroffen, die ihrem Kind tägliche Übungsaufgaben gibt, damit es „nicht außer Übung kommt“. In meinen Augen ist das Quälerei. Wie soll man denn da abschalten?
Das immer-mal-wieder-Tageskind wird ohne Vorwarnung ab und an hier abgegeben und irgendwann wieder abgeholt. Es ist nicht leicht, aber immer noch das Richtige.

Unsere Nachbarn wollen uns kennenlernen. Leider sind unsere Söhne in derselben Klasse und leider ist ihr Kind auch oft hier, aber das ist wirklich kein Grund, beim ersten Treffen darauf zu bestehen, dass wir gemeinsam baden. Ich weiß, der Pool ist neu und ich weiß, sie zeigen ihr Geld gerne, aber nein. Nein, danke. Ich sehe, die neue Nachbarschaft hat zwar weniger Kriminalität, dafür deutlich mehr Narzissmus.

Meine alten Nachbarn fehlen mir ein bisschen. Das Gestöhne und Gewackel von unten. Das ältere Ehepaar, das immer wollte, das die Kinder sie mit Tante und Onkel ansprechen. Unsere portugiesischen Lieblingsnachbarn, die mir in 8 Jahren wirklich ans Herz gewachsen sind. Die Herzlichkeit. Das Gegrüße.

Hier sind viele Witwen und ältere Ehepaare und Neureichs von schräg gegenüber und alter Geldadel auf der anderen Straßenseite und grüßen kann ich hier höchstens Gärtner oder den Postboten. Der Postbote ist immerhin derselbe geblieben. Egal, ich ziehe hier nie wieder weg. Ein Garten und im Haus ein Geräuschpegel, der wirklich jeden Menschen zu Ohrenschutz zwingen würde, wenn er nicht gerade auch Kinder hat, die trampeln, brüllen, schreien, juchzen, tanzen, hoppsen, Spaß haben.

Und ich genieße es mehr als alles andere, das nicht mehr reglementieren zu müssen. Was mir da an Lebensqualität verloren gegangen ist im Laufe der Jahre mit der einen klopfenden und klingelnden Nachbarsfamilie – ich möchte nicht mehr drüber nachdenken.

Übermorgen der nächstlogische Schritt. Ich bin so weit zur Ruhe gekommen, dass ich eine 10 Jahre dauernde Internetfreundschaft tatsächlich in mein Leben lasse. Und das auch gleich so konsequent, dass mich mein Mut selber überrascht.

Aber ich habe keine Angst mehr. Da ist ganz viel. Vorfreude, Aufregung, Nervosität, alles. Aber keine Angst. Sie weiß von so vielen Narben in meinem Leben, dass es gar nicht mehr darauf ankommt, ob sie vielleicht die auf meiner Haut sehen wird.

Sie kennt sie ja schon.
Alles wunderbar.
Leben.
Liebe.
Und so.

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