Kollateralschaden

Das krankhafte Bestreben, alles im Leben sichtbar, diskutierbar und begreifbar machen zu müssen, dient weniger dem Zweck als solchen, sondern vielmehr der eigenen Unfähigkeit, Dinge in Schwebezuständen ertragen zu können.

Was bei Projekten, Strategien und Lebensplanung ein durchaus wünschenswertes Vorgehen ist, verliert in den zarten Zwischenräumen menschlicher Intimität nicht nur seine Wirkung, sondern zerstört genau den Zauber, der sich nur im Vagen halten kann.

Und so zerrt man den ersten zerbrechlichen Spross einer wertvollen Pflanze mit einer Vehemenz aus dem schützenden Boden ans grelle Sonnenlicht, um ihn genau betrachten, intellektuell sezieren zu können, um sich selbst nicht der Unsicherheit preisgeben zu müssen, bis er in gleißender Hitze einen qualvollen Tod stirbt.

Geopfert auf dem Altar der Angst, die nur dann ertragen werden kann, wenn restlos alles seine Unberechenbarkeit verloren hat.

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