48 [Vom Überleben, Leben und Sterben. Und von der Liebe.]

48 also.

Das ist schon eine ganz beachtliche Leistung für jemanden, der seinen ersten Selbstmordversuch hinter sich hatte, bevor seine Lebenszahl zweistellig wurde.

Gestorben bin ich irgendwo auf halber Strecke trotzdem. Gleich zweimal hintereinander, ich pflege, die Dinge gründlich zu machen. Da ich währenddessen auf einem OP-Tisch lag und einen Teil meines eigenen Herzens in die Welt entlassen habe, wäre es damals aber auch egal gewesen. Ich hatte das Kostbarste ja schon erschaffen. Ich. Unfassbar.

Rückblickend wäre mir ohne die erfolgreiche Reanimation dennoch einiges entgangen.

Ich hätte nicht erlebt, wie allumfassend ich mich aus den Fesseln von Gewalt und Missbrauch würde befreien können. Was Liebe ist. Echte Liebe. Wie kompromisslos ich einen kleinen Menschen würde lieben können, den das Universum mir anvertraut hat. Mir. Und wie gnadenlos ist all das Destruktive beendet habe, was bis dahin Teil meines Lebens war.

Ich hätte den Mann nicht kennengelernt. Den Menschen, der mir ermöglicht hat, innerlich zur Ruhe zu kommen. Der mir Freiheit, Sicherheit, Frieden und ein Zuhause geschenkt hat.

Ich hätte die vier Lieben meines Lebens nicht begleiten können. Und Gott, was hätte ich verpasst. Zu sehen, wie sich aus diesen so ersehnten Babys neugierige Kinder und schlussendlich wunderschöne selbstwirksame Erwachsene entfalten. Wie ihre Verpuppungen immer neue Versionen ihrer Selbst hervorbringen, die ich kennen- und immer wieder neu lieben lernen darf.

Ich hätte meinen Seelenhund nicht getroffen, der mich nun schon 10 Jahre begleitet und mit unbeirrbarem Blick aus seinen bernsteinfarbenen Augen in der Gegenwart hält, wannimmer die Dunkelheit mich zu verschlingen droht.

Ich hätte das Enkelbaby nicht getroffen. Dieses perfekte Geschöpf – aus einer Eizelle entstanden, die seine Mutter bereits im Körper trug, während sie noch unter meinem Herzen lebte. Niemand kann mir erzählen, dass das Leben keine Wunder für uns bereithielte.

Und schlussendlich hätte ich sehr allumfassend verpasst, mich selbst zu finden. Es ist noch gar nicht so viele Jahre her, dass ich begonnen habe, mich losgelöst von all meinen Mechanismen und Programmierungen mal zu fragen, wie dieses „glücklich und frei“ für mich persönlich eigentlich aussieht.

Was ich eigentlich wirklich brauche, um am Ende sagen zu können: Ja. Das war mein Leben und es war gut.

Und die Antwort war so überraschend wie deutlich: Erstaunlich wenig.

Ein paar Jahre dürfen es gerne noch sein, aber bis ans Maximum gelebt und geliebt?

Ja. Das habe ich.

1 Kommentar zu „48 [Vom Überleben, Leben und Sterben. Und von der Liebe.]“

  1. sehr schöne Erkenntnis 🫶.
    Du lebst und du hast Leben erschaffen, geformt und siehst bereits die nächste Generation, die es ohne dich nicht geben würde, ist es nicht großartig? Hab einen ganz besonders tollen Tag 🍀.
    LG
    Anja mit Lucy Lou

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