Wenn man so lange für jemanden Entscheidungen trifft, weil der sich dazu nicht in der Lage sieht und man sich dann selber in einer von reiner Hilflosigkeit geprägter Situation wiederfindet, dann kann man auch nicht verlangen, dass aus dem Kind plötzlich ein souveräner Erwachsener wird, der das Gleiche für einen selbst tun kann.
wir halt
Un [lust] [mut] [geduld]
Da waren sie gestern, diese Worte. Selbstbestimmt. Verantwortungsbewusst. Klar.
Und ich habe Angst, natürlich.
Öffne ich die Arme, lade ich damit wieder zum Hineinsinken ein?
Begünstige ich Schwäche, wenn ich mich zuwende?
Ich will diese Fragen nicht stellen müssen.
Ich will nicht mal darüber nachdenken.
Ich will einfach ich sein können.
Und doch fürchte ich nichts mehr als das.
Ich muss ans Meer mit denen, die ich liebe.
Ich zähle die Tage.
Sehnsucht
Natürlich fehlst du mir.
Aber wenn du so nahe bei mir stehst, kann ich nicht dich sehen.
Nur mich, wie ich mich in deinen Augen spiegle.
Und du – du kannst nur mich sehen. Als wäre ich dein ganzes Universum. Aber das bin ich nicht. Und ich will es auch nicht sein.
Du musst einen Schritt zurücktreten. Ach, was rede ich. Zwei, drei, vier, hundert Schritte zurück.
Und wenn du mich dann ansiehst, als Teil einer Welt, dann wirst du sehen, wie groß ich bin. Wie stark. Wie schwach. Du wirst mich sehen können, wie ich bin und wie ich sein will.
Ich will kein Stern sein. Keine Sonne, um die du kreist.
Ich will ich sein.
Sendepause.
Ich war vor einigen Tagen im Fernsehen zu sehen und habe recht lange zu einem Thema gesprochen, das hier in der Stadt ein bekanntes Problem darstellt.
Und nachdem ich mit dem Aufnahmeleiter sprach, wann gesendet wird und nach Hause kam und begeistert davon erzählen wollte, mich aber mit dem Öffnen der Tür alle mit ihren Problemen und Gedanken förmlich erschlugen und mir wie so häufig den Atem nahmen und keine Luft mehr ließen, da verstummte ich. Einmal mehr. Ich bin weder Mensch noch Ehefrau, ich bin nur noch Mutter im Dienst.
Wurde heute trotzdem von zwei sehr netten Bekannten darauf angesprochen und habe mich an unerwarteter Stelle noch einmal darüber austauschen können.
Vielleicht ist das aber auch alles nicht mehr wichtig. Vielleicht werden sie auch alle irgendwann die Augen öffnen und sehen, dass ich nicht nur die bin, als die man mich gebraucht hatte.
Ausgebrannt
Schweigen ob des Makels, der nie einer hätte werden dürfen.
Vorwürfe, ungenannt. Nur gedacht vergiften sie langsam meinen Geist.
Jeden Morgen, jeden Tag. Sie machen Nähe unmöglich und der Wunsch nach Flucht ist stark. Falsche Wert- und Moralvorstellungen verbunden mit Wünschen, die nie in Erfüllung gehen werden. Falsche Entscheidungen, die ein Leben lang nachwirken werden, weil sie verpflichtet haben, lebenslang.
Falsch, falsch, falsch.
Es geht nicht vor noch zurück.
Bleibt das Hamsterrad, in dem ich jappsend und hechelnd nach einer Pause brülle, doch niemand hört mich.
Am wenigsten ich mich selber.
Zu tief sitzt die Überzeugung, dass eine Schwäche jetzt das Ende wäre.
Ich bin noch nicht bereit, den Preis für mein ganzheitliches Versagen zu zahlen.
Noch stehe ich.
Auto, vorbelastet
Als wir das letzte Mal ein größeres Auto gekauft haben, habe ich exakt eine Woche später zur selben Uhrzeit unser Kind verloren.
Das Kind, weswegen wir überhaupt nur ein größeres Auto haben kaufen müssen…
Wir behielten das Auto und es folgten noch Fehlgeburten, aber auch zwei weitere lebende Kinder.
Nun war ich letztes Jahr mit dem vierten Kind schwanger und jedesmal, wenn der Mann auch nur ansatzweise andeutete, dass das Auto hinten ja nur drei Sitze hätte, bekam ich Panik, Herzrasen, Angstzustände, das volle Programm.
Irgendwann sprach er nicht mehr von dem Auto sondern davon, dass wir dann eben erst mal nicht mehr alle zusammen wegfahren könnten und ich beruhigte mich. Seit 9 Monaten fahren wir nun nicht mehr alle zusammen Auto. Und was unter der Woche okay ist, ist an Wochenenden und in den Ferien reichlich blöd.
Also habe ich mir vor einiger Zeit ein Herz gefasst und bin mit dem Mann zur Schul- und Kindergartenzeit heimlich zum Autohändler gefahren, wo ich mich sehr sehr in ein neues Auto verliebt habe, in dem wir zusammen mit allen Kindern fahren können und sogar noch Freunde von ihnen mitnehmen können.
Wir habens bestellt und er holt es nun gerade ab.
Und weil ich mich kenne, werde ich mich bis nächsten Dienstag fragen, wer von uns wohl diesmal sterben wird.
Vertrauenssache
Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem man das Sicherheitsnetz verlässt.
Und so ist diese Erfahrung wohl für uns beide eine Lektion.
Ich vertraue ihm nicht. So wenig.
Und gleichzeitig ist er der Mensch, dem ich am meisten auf dieser Welt vertraue…
Da liegt noch etwas Wegstrecke vor mir.
Befürchtungen
Meistens will man ja nicht trotz sondern wegen etwas geliebt werden.
laut
Ja.