Ich hätte einfach sagen können „Du, ich kann heute nicht mehr.“
Hätte ich.
Ich hätte nicht mal aufzählen müssen, was mich gerade hindert, weder Husten noch Depression noch Übermüdung noch Sorgen noch Stress, nichts.
Ich weiß, dass er verstanden hätte.
Stattdessen spachtel ich weiter wie eine bekloppte Irre, die dafür bezahlt wird, weil ich ja so glücklich bin und denke, ich muss das jetzt tun, weil ich so gesegnet bin. Kein Meckern mehr erlaubt.
Wo ich doch die letzten drei Wochen täglich vor Augen geführt bekam, dass es die Ruhe und manchmal auch die Langsamkeit ist, die mich stark macht.
Wir lernen uns neu kennen.
Neu kennen, neu lieben, neu hassen, neu miteinander sein.
Und das ist noch mal etwas ganz anderes, jetzt.
Wir taumeln noch etwas verloren im Raum herum, wie zwei Sterne, die umeinander kreisen, jeder mit seinen Gedanken, Sorgen, Plänen, aber urplötzlich aus unserem Universum geworfen, in dem wir so lange verweilt haben.
Alles ist anders, die gewohnten Rituale sind alleine schon räumlich nicht mehr durchführbar, wir suchen einander, ohne uns schon wiedergefunden zu haben.
Alles, worauf wir hingearbeitet haben, ist da.
Vier Kinder, drei gemeinsame, Exfrau ausbezahlt, Scheidungsvertrag so lange Jahre erfüllt, Häuser verkauft, Exmann ausbezahlt, Schulden übernommen, komplett von den Eltern abgenabelt, wir allein, wir zwei, wir sechs, wir.
Jeder für sich.
Vieles, das es in den letzten Jahren dazu gab, wollten wir beide nicht, sind aber Schritt für Schritt weitergegangen. Fehlgeburten, Totgeburt, Anwaltsschreiben, Streitereien, Gerichtstermine, Rückschläge, Depression und völlige seelische Erschöpfung.
Und auch das harte letzte Jahr, in dem wir erkennen mussten, was es heißt: in schlechten Zeiten, als alles auf der Kippe stand, nicht der Liebe wegen, sondern der Umstände wegen, die plötzlich die Möglichkeit einer Trennung in den Raum stellten, um uns die Freiheiten zu ermöglichen, die wir gemeinsam niemals erfahren könnten, auch dieses Jahr liegt erst einmal hinter uns.
Wir haben unser Traumhaus gekauft, der Mann tritt in kurzer Zeit eine neue selbstgewählte Stelle an, wir sind frei, alles ist erst einmal so da, wie wir es 8 Jahre lang täglich bearbeitet und herbeibesprochen haben.
Und plötzlich macht es pffffff…. und man ist glücklich aber … leer.
Das Ziel ist plötzlich weg und hinterlässt eine Lücke. Eine große Lücke.
Wie bescheuert.