Okay, lieber Körper. Ich tue, was ich kann. Ehrlich. Dieses eine Menschlein nur noch, nur dieses Eine noch heile ein paar Wochen beherbergen, okay? Dann gehörst du wieder dir und mir allein.
Ich finde es wirklich entzückend, wenn mir jeden gottverdammten Morgen Galle und Blut durch Nase und Rachen laufen, wenn ich kotzend unter der Dusche stehe, mit Wehen, Magenkrämpfen und in Gegenwart von drei Kindern, die bei dem dazugehörigen Wimmern nun mal um die Ecke schauen. Ich weiß, es ginge noch schlimmer, ehrlich. Das tröstet aber nur begrenzt. Und wenn ich wieder eine Nacht beschissen geschlafen habe, weil du mit deinem verfickten Gehirn jede einzelne Missbrauchssequenz mit meiner Mutter wieder hochholst, ich weiß, es ginge schlimmer. Du Arschloch.
Ich kümmere mich um dich. Ich passe auf mich auf. Ich schleppe dich zu jedem Arzttermin, damit du auf Herz und Nieren überprüft wirst und am Ende ist es sogar das, was diese enorme Abwehr hervorruft.
Aber dieses eine Baby noch, ja? Ich spare mir die schnöden Worte, ich könnte nicht mehr, denn ich kann noch. Ich kann noch sehr viel mehr ertragen als deine blöden Wehen und die panische Angst, dass dieses Baby jetzt stirbt. Jede gottverdammte Minute meines Lebens denke ich daran, warum ich meinen Sohn nicht spüre. Nur noch 15 Wochen. Das schaffen wir.
Pflaster mich meinetwegen zu mit deinen Kopfschmerzen und deinen Krämpfen und Wehen, dem massiven Gewichtsverlust und weiß der Teufel noch was. Ich stehe jeden Morgen wieder auf. Das ist etwas, das ich gelernt habe. Jeden verfluchten Scheißmorgen kannst du mich gängeln und geißeln bis ich abends um 8 Uhr erschöpft ins Bett falle. Um mich dann im Schatten der Nacht mit meinen Erinnerungen zu quälen. Bis um 6 Uhr, wenn ich wieder aufstehe, weil ich den Geschmack meiner eigenen Galle wieder im Mund habe.
Fick dich selber, wenn du mit mir durch bist.