Unter deinem Schutz, Gott, haben wir diesen Tag verbracht.

Wir danken dir für alles, was du uns hast gelingen lassen.

Wandle zum Guten, was durch unsere Hand verdorben ist.

Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die wir lieben, in der Nähe und in der Ferne: Bewahre sie und halte uns verbunden mit ihnen.

Wir bitten dich auch für die, die uns fremd sind oder feind: Räume weg, was uns trennt, und schenke uns Verständnis füreinander und Frieden.

Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die jetzt arbeiten, für alle, die unterwegs sind, für alle, die in den Krankenhäusern wachen: Sei bei ihnen in dieser Nacht.

Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die keinen Schlaf finden, für die Kranken und die Schwermütigen, die Verlassenen und die Umhergetriebenen, die nicht nach Hause finden: Nimm sie in deine Hut.

Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für die Sterbenden: Steh ihnen bei in ihrer letzten Stunde.

Leben und Tod sind in deiner Hand.

Herr, erbarme dich.

Bewahre uns, oh Herr, wenn wir wachen, behüte uns, wenn wir schlafen, auf dass wir wachen mit Christus und ruhen in Frieden.

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen.

Seufzen

Ach großes Kind, ich vermiss dich so. Und dich nicht einmal in guten Händen oder guter Stimmung zu wissen, zerreißt mich fast.

Was, wenn du mir in 10 Jahren vorwirfst, die falsche Wahl getroffen zu haben? Wenn du denkst, ich hätte dich vor diesem anderen „Vater“ besser beschützen müssen?

Was werde ich dir dann antworten können?

Gewissensfrage

Was ist nun mehr Freundschaftsdienst? Nicken und lächeln und sich seinen Teil denken wie die anderen „Freunde“ oder mit dem Finger so in die Wunde pieken, dass es weh tut?
Das Manko an Freundschaften ist leider, dass Freunde dich entweder anlügen, um dir nicht weh zu tun, weil sie dich mögen oder dich anlügen, um weiter von dir gemocht zu werden.

Beide Beweggründe sind im Grunde von derselben Gleichgültigkeit durchzogen.

Narzissmus.

Von Eiter und offenen Wunden

Wohl jede Beziehung hat ihre Leichen im Keller. Das ist vermutlich so erschreckend wie normal, wo menschliche Abgründe aufeinandertreffen. Die Frage ist, wie stabil das Fundament ist und wie groß man den Keller geplant hat.

Nichts im Lot hier momentan. Ich entschuldige das mit Hormonen und den damit verbundenen Flashbacks, die ich schon aus mehreren Schwangerschaften kenne und trotzdem zermürbt es mich. Ich ertrage nichts zusätzlich. Keine Berührung, keine Ansprache, keine Abweichung vom Alltag. Ich schaffe es ja gerade so, mich mit den alltäglichen Dingen vorwärts gehen zu lassen, alles, was da von der Seite kommt, muss zurückweichen.
Jede Schwäche ein Zugeständnis, das ich nicht geben kann. Und so sind die Momente, in denen ich weich und entspannt sein kann, rar. Der Bauch lässt es mich spüren, hart und verkrampft schleppt er sich von Wehe zu Wehe – manchmal Stunden, manchmal nur Minuten dazwischen.

Das Stehen ist eine Zumutung, sitzen äußerst schmerzhaft, bewegen ist nur sehr eingeschränkt und unter starken Nervenschmerzen möglich. Liegen beschwört Erinnerungen herauf, die ich nicht in meinem Kopf sehen will und alles in mir, an mir, ist beschäftigt, den dicken Panzer aufrecht zu halten, der die Tage wenigstens einigermaßen betäubt.
Heller schreiender Schmerz verbirgt sich darunter und ich kann mich dem momentan nicht stellen. Ich kann einfach nicht. Ich habe nicht den Raum und nicht die Zeit, die Wunden aufbrechen zu lassen. Alles fühlt sich falsch an. Ich habe eine Führung übernommen, die ich nicht einfach abgeben kann. Und auch das trägt sich schwer.

Ich spüre nach dem Wollen, das sich normalerweise unter der Härte versteckt und höre kein Echo auf meine Frage.

Kein Bedürfnis, sich hinzugeben, keine Chance sehend, innezuhalten und sich anzulehnen.

Die Berührungen der Kinder sind angenehm, wertfrei. Ich kann sie entgegennehmen und auch antworten. Sie sind unschuldig, wunderbar.
Da das große Kind fehlt, das schon über einiges an Tiefe und Erkenntnis verfügt, ist es erträglich.
Und trotz des Trennungsschmerzes und der Sehnsucht, wieder vollständig zu sein, bin ich dankbar, dass ihr wacher Geist nicht hier bei mir ist.

Mit dem Mann verhält es sich anders. Er ist tiefer als ich ermessen kann, voller Sehnsüchte, Leidenschaften, Echos, Antworten und Fragen.
Und ich muss das momentan blocken, um mich selbst zu schützen. Ich merke, wie er sich nach einer Weile zurückzieht, enttäuscht, frustriert, wenn er in Gedanken nach mir sucht und ich ihm nur die Leere anbieten kann, hinter der ich alles verschanze, was mich ausmacht.

Habe mich heute Nacht wieder dem verachtenden Hass meiner Mutter gestellt. Ein Traum, der so greifbar war, als wäre es erst gestern gewesen und nicht schon 15 Jahre her. Wechselnde Bilder, die sich übereinander legten, schnell umsprangen und mir einen Film von sekundenlangen wechselnden Szenerien zeigten. Meine Mutter, wie sie mich immer wieder anfasste, ihre Hand zwischen meinen Beinen, ihr Lachen, ihre Verachtung, wenn ich mich verweigerte, ihr ständiges „Du bist so zum Kotzen.“, wenn ich Widerworte gab, ihre Pornosammlung, ihre Angebote, die Erpressungen, die Verachtung. Immer wieder dieser verachtende Blick. Ungeliebt.

Der Bauch verkrampft sich wieder in diesen Worten.
Es ist ein Schlüsselmoment zur Freiheit, ich spüre das. Aber ich sehe nur blutroten Schmerz, Verzweiflung und Leid. Und Sehnsucht.
Jede Nacht sehe ich sie, jede Nacht gehe ich durch die Hölle, die damals nur Suche nach Liebe war und sich ab und zu seltsam anfühlte. Aber ich kannte ja nichts anderes.

Jetzt ist da ein Gefährte…

Aber diese Welten beide in meinem Kopf gleichzeitig ertragen zu müssen, würde mich vielleicht endgültig zerbrechen lassen.
Vielleicht ist es das Licht, in dessen Wissen die Dunkelheit unerträglich wird.

Vielleicht ist Licht nicht immer nur Trost.

Dieser Hass

Dieser unglaubliche tiefe alles vernichtende und verschlingende Hass in mir.
Es kostet übermenschliche Kraft, ihn in Schach zu halten. Er will wüten, verletzen, vernichten. Alles, was ich erfahren habe. Alles, was mir beigebracht wurde. Keine Verwundeten. Pure Rache. Vernichtung. Zerstörung. Sieg.
Es ist keiner, hämmert das Herz. Es ist kein Sieg, die Liebe zerstört zu haben.
Vielleicht sagt es auch der Kopf. Ich weiß nicht, wo das Wissen steckt. Ob es überhaupt Wissen ist. Oder mehr eine Ahnung von dem, was ich immer belächelt habe.

Wer braucht schon Liebe, wenn er sich in Dunkelheit und Hass und Macht hüllen kann…
Die Tränen laufen über meine Wangen, weil ich nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen habe. Keine Insel, keine Parole, keine Zuflucht.

Ich kann diese Woge aus brennendem Hass einfach nur über mich hinwegrollen lassen und würde mich so gerne von ihr davontragen lassen. So warm, so vertraut.
Es geht weit über meine Grenze, es auszuhalten.

Ich streiche für heute die Segel. Ich kann nicht mehr.

Morgen wieder.

Lochfraß

Ich hasse diese depressiven Löcher, die im momentan hormonschwankenden Zustand noch schwerer zu ertragen sind als ohnehin schon.

Ich schreibe dagegen, ich wappne mich mit Arbeit und Tätigkeiten und doch kommt mir alles so sinnentleert vor. Alles. Immer. Ich kenne die Muster inzwischen und weiß, dass einzig ein Weitergehen mir helfen kann, einfach aushalten, Schritt für Schritt und warten, dass das Licht wieder zu sehen ist. Ich ignoriere den Berg vor mir, der laut und hämisch schreit: „du schaffst mich nicht, du schaffst mich nicht!“, weil ich weiß, dass er im Licht wieder wie ein grüner Hügel aussehen wird und nicht wie in der Dunkelheit eine scharfkantige Wand aus Granit.

Alles Scheiße. Hamsterrad.

Nerven

Ich bin so wütend. Und diese Wut ist so sinn- und nutzlos. Dadurch geht es nicht voran. Und ein halbes Jahr reden, motivieren, planen zieht sich inzwischen so endlos und zäh wie Kaugummi unter meiner Schuhsohle.
Ich erinnere mich so gut an all die Tränen, an den Umschwung, etwas verändern zu wollen… Sechs Monate sind es nun und es geht voran. Langsam. Mit Rückschritten. Und mein Nervenkostüm wird dünner, je schwerer ich trage und je näher die Geburt rückt.
Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. So nicht. Und ich kann nichts tun.

Vielleicht hat er nicht nur sich selbst betrogen, sondern auch uns. Es ist keine Verschnaufpause möglich, hier, mit den Kindern, in einer Zeit, in der ich so mühsam nur noch vorwärts komme, immer die Bitte auf den Lippen, dass auch ich mal eine Pause brauche. Eine kleine nur. Nur ein bisschen… Nur einmal durchatmen.
Es ist nicht möglich, es muss vorangehen. Und ich sehe seinen Berg und ich sehe meinen, der dadurch auch immer weiter wächst, ohne dass ich die Möglichkeit hätte, ihn abzutragen. Es liegt so sehr in seiner Hand, dass ich innerlich wüte und rase, weil mir die Hände gebunden sind, ich nichts anpacken kann mit der Aussicht auf Erfolg und Besserung, es ist mir nichts weiter möglich, als abzuwarten und auszuharren, einmal mehr.
Lektionen in Demut, auch hier.
Jeder Tag, der vergeht, schränkt mich mehr ein. Die Luft wird knapp, die Nerven jaulen auf, zusätzlich zu allem anderen. Die Vergangenheit steht groß und dunkel direkt hinter mir, manchmal drehe ich mich um, manchmal versuche ich einfach, einen Schritt nach dem anderen zu tun, ohne zurückzublicken.

Und dann ist da wieder diese Wut, nicht alles in den Händen zu halten.

Nur ohnmächtig darauf warten zu dürfen, dass ein Anderer endlich begreift…

Erkenntnis

Ob der Mann wohl dasselbe über mich sagen würde wie ich über die Katze?

Vielleicht habe ich mich von Anfang an so sehr zu ihr hingezogen gefühlt, weil sie mein Spiegelbild ist… Erst verwunden, dann nachsehen, ob es gerechtfertigt war.
Und auch der Mann hat all die Jahre über meine Angriffe einfach nur ausgehalten, abgewartet und mir immer wieder offen seine Liebe und endlose Geduld entgegengebracht.
Ich zucke bei seinen Berührungen nicht mehr zusammen. Greife nicht mehr sofort an.
Trigger, die durch Anker ersetzt wurden.

Es ist viel zu früh für diese Gedanken. Ich brauche mehr Koffein.